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Titel: Behandlung psychotischer Störungen - Aspekte der Therapiebeziehung und Untersuchung unmedizierter Menschen mit psychotischen Störungen
Autor: Jung, Esther
Weitere Beteiligte: Lincoln, Tania (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2016
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2016/0049
DOI: https://doi.org/10.17192/z2016.0049
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2016-00499
DDC: 150 Psychologie
Titel(trans.): Treatment of psychotic disorders - Aspects of the therapeutic alliance and investigation of non-medicated individuals with psychotic disorders

Dokument

Schlagwörter:
Psychose, Therapeutische Beziehung, Kognitive Verhaltenstherapie, Antipsychotika, unmedizierte Patienten, Psychosis, therapeutic alliance, cognitive behavioral therapy, antipsychotic medication, no-medicated patients

Zusammenfassung:
Die vorliegende kumulative Dissertation befasst sich mit der Behandlung psychotischer Störungen und setzt sich aus drei Studien zusammen. Dabei werden mit dem Fokus auf Therapieprozesse im Rahmen der Kognitiven Verhaltenstherapie für Psychosen (Studien 1 und 2) sowie auf die spezifische Gruppe der unmedizierten Personen mit psychotischen Störungen (Studie 3) zwei inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. Die therapeutische Beziehung in der kognitiven Verhaltenstherapie für Psychosen (KVT-P) stellt den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Die Wirksamkeit der KVT-P wurde in zahlreichen Studien belegt. Erste Studien deuten darauf hin, dass KVT-P auch für unmedizierte Betroffene eine wirksame Behandlung darstellt. Weniger bekannt ist, welche Mechanismen und Wirkfaktoren für den Therapieerfolg relevant sind. Im Rahmen des ersten Teils der Dissertation wurde mit dem Fokus auf die Therapiebeziehung ein allgemeiner Wirkfaktor untersucht. Die therapeutische Beziehung zeigt konsistente Zusammenhänge zum Therapieerfolg, unabhängig von der therapeutischen Schule oder der zugrunde liegenden Störung, und stellt somit einen wichtigen Wirkfaktor in der Psychotherapie dar. Daher scheint die Kenntnis von Prädiktoren der Therapiebeziehung wichtig zu sein, um Hindernisse des Beziehungsaufbaus zu reduzieren und mit der Verbesserung der Beziehungsqualität auch den Erfolg der Therapie zu fördern. In der KVT-P wurden bisher vorwiegend Patientenmerkmale als mögliche Prädiktoren der Therapiebeziehung untersucht, mit teilweise uneinheitlichen Ergebnissen. Vor diesem Hintergrund wurden in der ersten Studie dieser Dissertation Patientenmerkmale als Prädiktoren der frühen Therapiebeziehung untersucht. Dabei zeigte sich die Negativsymptomatik als negativer Prädiktor der von Patienten und Therapeuten eingeschätzten Qualität der Therapiebeziehung. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass auch Unterschiede zwischen Therapeuten einen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Beziehungsqualität und Therapieergebnis haben und somit auch Therapeutenmerkmale zur Erklärung der Therapiebeziehung relevant sind. Im Rahmen der zweiten Studie wurden daher Therapeutenmerkmale als Prädiktoren der therapeutischen Beziehung untersucht. Dabei zeigten sich die wahrgenommene Echtheit der Therapeuten sowie die durch Patienten eingeschätzte Kompetenz als positive Prädiktoren der Therapiebeziehung. Ein besseres Verständnis von Therapieprozessen eröffnet die Möglichkeit, Behandlungsverläufe zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Studien sind relevant für die klinische Praxis. Therapeuten, die mit Patienten mit deutlicher Negativsymptomatik arbeiten, sollten dies als mögliches Hindernis der Beziehung antizipieren und sich besonders um den Aufbau einer positiven Therapiebeziehung bemühen. Therapeutische Basisfertigkeiten, insbesondere Echtheit oder Authentizität, sollten im Rahmen der Ausbildung neben spezifischen Techniken stärker gefördert werden. Der zweite thematische Fokus liegt auf der Untersuchung von Menschen mit psychotischen Störungen, die keine antipsychotische Medikation einnehmen. Medikamentöse Behandlungsansätze mit Antipsychotika gelten als Therapie „erster Wahl“ und stellen die Standardbehandlung für psychotische Störungen dar. Unregelmäßige Einnahme oder eigenständiges Absetzen sind jedoch weit verbreitete Phänomene. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass eine Vielzahl von Betroffenen keine antipsychotische Medikation einnimmt. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass unmedizierte Patienten weniger starke Symptomatik und ein besseres Funktionsniveau aufzeigen als Patienten, die Antipsychotika einnehmen. Über alternative Bewältigungsstrategien dieser Personen ist bisher jedoch wenig bekannt. Im Rahmen einer quantitativ-qualitativen Interviewstudie (dritte Studie) wurden soziodemographische und klinische Variablen sowie soziale Unterstützung und Krankheitsbewältigungsstrategien in einer Gruppe von unmedizierten Personen mit Psychosen erhoben und mit einer medizierten Gruppe verglichen. In Übereinstimmung mit früheren Befunden zeigte die Gruppe der Unmedizierten ein höheres allgemeines Funktionsniveau. Dies deutet darauf hin, dass es für einen Teil der Betroffenen möglich ist, auch ohne Antipsychotika im Alltag gut zu funktionieren. Keine Unterscheide zeigten sich jedoch in der Symptomatik, der sozialen Unterstützung oder in der Anzahl und subjektiv bewerteten Wirkung der Bewältigungsstrategien. Vor dem Hintergrund der möglichen schweren Nebenwirkungen und Risiken der Langzeiteinnahme von Antipsychotika sind insbesondere prospektive Langzeitstudien nötig, um Prädiktoren für positive Störungsverläufe ohne Einnahme von Antipsychotika zu identifizieren und damit die individuelle Behandlungsplanung zu verbessern. Die Förderung des Zugangs zu alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, etwa zur KVT-P, stellt darüber hinaus ein wichtiges gesundheitspolitisches Ziel dar und könnte ebenfalls zur Verbesserung der Behandlung psychotischer Störungen beitragen.

Summary:
The first topic of this dissertation is the therapeutic alliance in cognitive behavioral therapy for psychosis (CBTp). The efficiency and effectiveness of CBTp has been demonstrated in various studies, also in patients not taking antipsychotic medication. Less is known about mechanisms of change over the course of therapy. One relevant factor associated with therapeutic outcome is the therapeutic alliance. Regardless of treatment orientation, research design or alliance measure, therapeutic alliance shows a consistent positive associations with therapy outcome across a variety of disorders. Knowing predictors of the alliance is important in order to understand what helps and what hinders in establishing a good alliance. In study 1, we analyzed patient characteristics as predictors for the therapeutic alliance in CBTp. Results revealed negative symptoms as a negative predictor for patients’ and therapists’ ratings of the therapeutic alliance. In study 2, we focused on therapist characteristics as predictors of the therapeutic alliance. Results revealed therapist genuineness and competence to significantly predict higher patient rated alliance. The results of our studies indicate that negative symptoms might be a barrier for therapists’ perception of the alliance. Thus, therapists working with patients with prominent negative symptoms should monitor the alliance precisely and openly discuss perceived difficulties with the patient. Concerning patient rated alliance, our results indicate that basic therapeutic qualities, especially genuineness, are important for establishing a good alliance. Training and supervision should focus more on these basic therapeutic qualities. The second focus of this dissertation was the investigation of persons with psychosis who do not take antipsychotic medication. Although treatment with antipsychotic medication is widely considered as standard care in patients with psychosis, a considerable proportion of people with psychosis do not take antipsychotic medication but seem to be functioning well. Studies indicate that non-medicated persons with psychosis have a higher level of functioning and lower levels of psychotic symptoms than continuously medicated patients. However, little is known about how non-medicated persons with psychosis cope with occurring symptoms. To test the assumption that these patients compensate lack of medication by more effective coping, we compared symptoms, functioning, social support and coping strategies in non-medicated and medicated individuals with psychosis (Study 3). In line with previous results, non-medicated participants had significantly higher levels of general functioning than medicated participants. A longer duration of being non-medicated was significantly associated with a higher level of general functioning. The groups did not differ significantly with regard to symptom severity, evaluation of symptoms, symptom related distress, social functioning, social support, and the number of coping strategies employed or their perceived effectiveness. The findings indicate that some individuals with psychosis function well without antipsychotic medication. This questions the widespread assumption that medication is the only means of recovery. Future research should use longitudinal designs and focus on predictors of positive outcome in non-medicated psychosis. In order to further improve treatment of psychosis, the broader implementation of alternative treatment approaches in addition to routine care, especially CPTp, seems to be an important step.


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