Diagnostische Wertigkeit von MRT- und CT-Untersuchungen bei Pankreastumoren

Jährlich werden in Deutschland bei mehr als 470 000 Menschen onkologische Erkrankungen diagnostiziert. Etwa 2,5% der Tumorerkrankungen haben ihren Ursprung in den Drüsenzellen der Bauchspeicheldrüse, mit etwa 95% ist hier das Adenokarzinom die dominierende Entität. Durch seine sehr hohe Letalität be...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Kuhl, Laura
Beteiligte: Heverhagen, J. (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Radiologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Jährlich werden in Deutschland bei mehr als 470 000 Menschen onkologische Erkrankungen diagnostiziert. Etwa 2,5% der Tumorerkrankungen haben ihren Ursprung in den Drüsenzellen der Bauchspeicheldrüse, mit etwa 95% ist hier das Adenokarzinom die dominierende Entität. Durch seine sehr hohe Letalität belegt das Pankreaskarzinom den vierten Platz in der Krebstodesursachenstatistik. Ein geeignetes Screening der asymptomatischen Bevölkerung ist bisher nicht bekannt. Bei dem bereits klinisch manifesten Tumor ist die radiologische Bildgebung wichtig, um ein präzises Staging zur Beurteilung der Operabilität zu ermitteln. Neuroendokrine Tumore des Pankreas stellen mit einer Inzidenz von 0,01 bis 0,04 Promille eine sehr seltene Tumorart dar. Die bildgebende Diagnostik hat hier die Aufgabe, funktionelle endokrine Tumore aufgrund ihrer sehr geringen Größe zu lokalisieren und nicht funktionelle Tumore durch das verdrängende Wachstum in ihrer Ausdehnung zu beschreiben. In der vorliegenden retrospektiven Studie wird die diagnostische Wertigkeit von MRT- und CT- Untersuchungen durch den Vergleich mit Ergebnissen des postoperativen histopathologischen Befundes untersucht. In die Studie eingeschlossen wurden 105 Patienten, die von 2005 bis 2011 in der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Marburg an einem Pankreastumor operiert wurden. Anhand der präoperativen radiologischen Beurteilung von Fernmetastasen, Lymphknoten und Gefäßbeteiligungen sowie der Einschätzung der Resektabilität, wurde die diagnostische Wertigkeit beider bildgebender Verfahren überprüft. Die Studie zeigt, dass bei Evaluation der Resektabilität von Adenokarzinomen CT und MRT nahezu gleichwertig sind. Bei neuroendokrinen Tumoren können sowohl CT als auch MRT mit hoher Sensitivität zur Beurteilung der Resektabilität herangezogen werden. Bei der Detektion von Fernmetastasen findet sich bei Adenokarzinomen eine höhere Wertigkeit des MRT, wohingegen bei neuroendokrinen Tumoren beide bildgebenden Verfahren eine „hohe diagnostische Evidenz“ aufweisen. Die Evaluation des Lymphknotenstatus ergibt bei beiden Tumorentitäten für CT und MRT die niedrigsten Sensitivitäten unserer Studie im Vergleich zu den übrigen bewerteten Kriterien. Bei Beurteilung der Gefäßinfiltration erreicht bei Adenokarzinomen die CT eine „überzeugende diagnostische Evidenz“ gegenüber einer „schwachen diagnostischen Evidenz“ der MRT. Bei neuroendokrinen Tumoren eignen sich CT und MRT gleichermaßen in der präoperativen Beurteilung einer peripankreatischen Gefäßbeteiligung, wobei das MRT etwas höhere Sensitivitäts- und Spezifitätswerte aufweist. Durch die Auswertung von Fragebögen konnte bei 79% aller Patienten der Überlebenszeitraum nach Erstdiagnose ermittelt werden. So war es möglich, das postoperative Überleben auch in Bezug auf die vier radiologischen Diagnosekriterien zu untersuchen. Dabei zeigt sich, dass eine R0-Resektion bei beiden Tumorentitäten mit einem signifikant längeren Überleben einhergeht als eine R1-/R2-Resektion. Patienten mit Fernmetastasen weisen bei einem Adenokarzinom ein signifikant kürzeres Überleben auf als Patienten ohne Fernmetastasen. Darüber hinaus ergibt sich, dass eine Operation mit Metastasenresektion ein längeres Überleben zur Folge hat, als eine Operation ohne Entfernung der Metastasen. Bei neuroendokrinen Tumoren können trotz Fernmetastasen Überlebensraten > 5 Jahre erreicht werden. Beim Vorliegen von Lymphknotenmetastasen bei Adenokarzinomen ergibt sich in unserer Studie keine Verkürzung des Überlebenszeitraumes. Bei neuroendokrinen Tumoren kann auch mit Lymphknotenmetastasen ein Langzeitüberleben nachgewiesen werden. Eine histopathologisch nachgewiesene Beteiligung der Gefäße führt beim Adenokarzinom zwar zu einer kürzeren Überlebenszeit als eine fehlende Gefäßbeteiligung, ein signifikanter Unterschied kann allerdings nicht festgestellt werden. Bei neuroendokrinen Tumoren ist kein Einfluss einer Gefäßinfiltration auf das postoperative Überleben festzustellen. Trotz intensiver Forschung und neuer therapeutischer Optionen bleibt der klinische Erfolg beim Adenokarzinom hinter den Erwartungen zurück. Gegenwärtig müssen noch immer 25% der Operationen abgebrochen werden, da sich eine inoperable Gefäßbeteiligung oder systemische Aussaat des Tumors zeigt. Der radiologischen Diagnostik kommt bei der Verringerung dieser Fälle eine hohe Bedeutung zu. Die technische Weiterentwicklung der bildgebenden Verfahren wird dazu führen, beteiligte Strukturen noch besser zu differenzieren. Ob und in wie weit sich zukünftig die Wertigkeit der einzelnen Resektabilitätskriterien dadurch verändert, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0616