Unterschiede in der Schmerzhaftigkeit von unterschiedlichen urethrozystoskopischen Techniken im klinischen Anwendungsbereich

Die Urethrozystoskopie wird von vielen Patienten als schmerzhaft empfunden. Um diese Untersuchung im klinischen Alltag angenehmer zu gestallten, konzipierten wir eine klinische Beobachtungsstudie, die das Schmerzerleben von Patienten, die ihre Urtethrozystoskopie auf dem Bildschirm mitbeobachten kon...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: König, Julia Felicitas Leni
Beteiligte: Hegele, Axel (Prof. Dr. med) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Urethrozystoskopie wird von vielen Patienten als schmerzhaft empfunden. Um diese Untersuchung im klinischen Alltag angenehmer zu gestallten, konzipierten wir eine klinische Beobachtungsstudie, die das Schmerzerleben von Patienten, die ihre Urtethrozystoskopie auf dem Bildschirm mitbeobachten konnten, mit denen vergleicht, die dies nicht konnten. Dabei war unser vornehmliches Ziel den klinischen Alltag mit seinen individuellen Entscheidungen darzustellen, weshalb wir auf eine Randomisierung verzichteten. 185 Patienten wurden in die klinische Beobachtungsstudie eingeschlossen, die im Zeitraum von 2010 – 2012 eine Urethrozystoskopie in der Ambulanz der urologischen Poliklinik der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikum Marburg erhielten. Patienten, die eine Analgesie oder Narkose erhielten wurden aus dem Kollektiv ausgeschlossen. Um den klinischen Alltag besser abbilden zu können, durften die Patienten wählen, ob sie den Bildschirm einsehen wollten oder nicht. Zusätzlich wurde dokumentiert, ob die Patienten mit einem starren oder flexiblen Instrument untersucht wurden, ihr Geschlecht, ob sie von einem Assistenzarzt oder Facharzt untersucht wurden, ob sie wegen Tumorverdacht oder zur Nachsorge kamen und ob sie schon einmal eine Urethrozystoskopie gehabt hatten. Das Schmerzempfinden wurde mit einer numerischen Ratingskala von 0-10 gemessen. Die statistische Auswertung wurde mit SPSS 17.0® durchgeführt und es wurde der Mann-Whitney-U Test verwendet. Als signifikanter Unterschied wurde p< 0.05 definiert. Von den rekrutierten Patienten konnten 125 Patienten den Bildschirm während der Untersuchung einsehen und 60 Patienten nicht. 131 Patienten wurden mit einem flexiblen Urethrozystoskop untersucht, davon hatten 91 Patienten Einsicht auf den Bildschirm und 40 Patienten nicht. 34 Patienten konnten während ihrer starren Urethrozystoskopie den Bildschirm einsehen und 20 Patienten von den insgesamt 54 nicht. 102 Patienten hatten schon Erfahrung mit der Urethrozystoskopie gegenüber 83, für die die Untersuchung neu war. Von den 185 Probanden waren 139 Männer und 43 Frauen, bei drei Probanden fehlte die Angabe zum Geschlecht. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Schmerzempfinden zwischen den Patienten, die den Bildschirm während der Untersuchung einsehen konnten und denen, die dies nicht konnten. Allerdings konnte gezeigt werden, dass männliche Patienten, die gewillt sind ihre flexible Urethrozystoskopie auf dem Bildschirm mit zu verfolgen, signifikant weniger Schmerzen bei der Untersuchung haben (p=0.007). Für die starre Urethrozystoskopie bei Männern konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden, da das Kollektiv der Männer, die keine Einsicht auf den Bildschirm hatten zu klein war. Bei Frauen ließ sich ebenfalls bei starrer Urethrozystoskopie kein Effekt durch die Bildschirmeinsicht auf die Schmerzempfindung nachweisen (p=0.290). In unserer klinischen Beobachtungsstudie wurden nur zwei Frauen mit einem flexiblen Instrument untersucht, so dass über einen Unterschied beim Schmerzempfinden der Frauen bei Bildschirmeinsicht im Vergleich zu ohne Bildschirmeinsicht während flexibler Urethrozystoskopie keine Aussage anhand unserer Daten getroffen werden kann. Es zeigte sich weiterhin, dass Frauen signifikant mehr Schmerzen bei der Urethrozystoskopie haben, als Männer (p = 0.032). Patienten, die schon Erfahrung mit der Urethrozystoskopie gemacht hatten, hatten signifikant weniger Schmerzen, als die, welche die Untersuchung zum ersten Mal erlebten (p=0.003). Allerdings zeigte sich wiederum kein Unterschied zwischen den Probanden mit Erfahrung, die den Bildschirm einsehen konnten und denen die den Bildschirm nicht einsehen konnten. Frauen mit Erfahrung hatten signifikant mehr Schmerzen während der Urethrozystoskopie als ihre männlichen Mitprobanden (p=0.031). Zusammenfassend empfehlen wir, Männern, die eine flexible Urethrozystoskopie erhalten, immer eine Bildschirmeinsicht anzubieten. Außerdem wollen wir Bemühungen anstossen, die Urethrozystoskopie insgesamt für Frauen angenehmer zu gestalten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0173