Prospektive, randomisierte, doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Studie über Veränderungen des Acetylcholin Rezeptor Antikörper Titers bei der autoimmunen Myasthenia gravis nach einer Influenza Schutzimpfung (ProPATIent)

Die autoimmune Myasthenia gravis (MG) ist eine T-Helferzell-abhängige Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen den Acetylcholinrezeptor (anti-AChR-Ak) zu belastungsabhängigen Lähmungen der Willkürmuskulatur mit Erholung in Ruhe führen. Veränderungen in der Höhe des anti-AChR-Ak Titers korre...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schneider, Maximilian David
Beteiligte: Tackenberg, Björn (PD Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2014
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die autoimmune Myasthenia gravis (MG) ist eine T-Helferzell-abhängige Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen den Acetylcholinrezeptor (anti-AChR-Ak) zu belastungsabhängigen Lähmungen der Willkürmuskulatur mit Erholung in Ruhe führen. Veränderungen in der Höhe des anti-AChR-Ak Titers korrelieren intraindividuell mit dem Schweregrad der MG. Die MG kann in den meisten Fällen mittels immunsuppressiver und symptomatischer Therapie gut kontrolliert werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt u. a. für chronisch Kranke und Menschen über 60 Jahren eine saisonale Impfung gegen Influenza. 2010 wurden die Empfehlungen erweitert auf Patienten mit neurologischer Grunderkrankung. Es gibt bisher keine prospektiven Studien, die sich mit der MG und einer Impfung auseinandergesetzt haben. Ob es bei immunsupprimierten MG-Patienten überhaupt zu einem Impferfolg kommt oder ob eine Influenza-Schutzimpfung durch "Bypassboosterung" zu einer Erhöhung des anti-AChR-Ak Titers führt, wurde bisher ebenfalls nicht untersucht. Insgesamt wurden 62 anti-AChR-Ak positive MG-Patienten hinsichtlich des Stratums "Immunsuppression ja/nein" balanciert randomisiert und erhielten entweder einen zugelassenen Influenza-Impfstoff (Mutagrip®) gegen die saisonale Influenza oder ein Plazebo (0,9%ige NaCl-Lösung) intramuskulär appliziert. Klinische und serologische Untersuchungen erfolgten jeweils zur Baseline, nach 3 und 12 Wochen (V1, V3, V5). Primärer Endpunkt war die relative Veränderung des anti-AChR-Ak Titers in % zum Aus- gangswert bei Baseline. Sekundäre Endpunkte waren: klinische Veränderungen im modifizierten Besinger-Score (mBS), Titeranstieg von anti-Influenza -A und -B der Immunglobulinklassen G und A nach 3 Wochen sowie Veränderungen der Begleitmedikation (BM; Immunsuppressiva und Cholinesterasehemmer). Im Vergleich zwischen Verum- und Plazebogruppe zeigten sich keine signifikanten Unterschiede der relativen AChR-Ak-Titeränderung. Die Titerwerte fielen im Mittel um 6,0 bzw. 2,8% gegenüber dem Ausgangswert ab (Verum- bzw- Plazebogruppe). Auch klinisch ließ sich zwischen den Therapiegruppen mittels mBS kein Unterschied feststellen. Unerwünschte Ereignisse traten in der Impfgruppe nicht häufiger auf. Ein Serious Adverse Event wurde als nicht im Zusammenhang mit der Impfung stehend bewertet. Innerhalb der Impfgruppe zeigte sich nur in zwei der vier getesteten Immunglobulinklassen ein signifikanter Anstieg der anti-Influenza-Titer gegenüber den Ausgangswerten. Nur ein Patient erreichte eine Serokonversion (mindestens vierfacher Titeranstieg). Damit konnte gezeigt werden, dass die Influenza-Impfung bei MG-Patienten sicher ist. Wegen der unvollständigen Impfreaktion müssen in Zukunft Veränderungen der Impfstrategie (z. B. zweimaliges Impfen) diskutiert werden und in weiteren Untersuchungen gezielt die humorale Impfantwort untersucht werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0455