Psychological approaches to a patient-centered cardiology. Somatic symptom burden, illness perceptions and supportive care needs in patients with cardiac diseases

Patientenzentrierte Versorgung ist ein neuer Ansatz bei der Behandlung chronischer Erkrankungen. Basierend auf der persönlichen Erfahrung mit seiner Erkrankung soll der Patient als aktiver Partner in die Behandlung mit einbezogen werden. Die Effektivität patientenzentrierter Behandlung hinsichtlich...

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Main Author: Kohlmann, Sebastian
Contributors: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language: German
Published: Philipps-Universität Marburg 2013
Psychologie
Edition: http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0121
Subjects:
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Summary: Patientenzentrierte Versorgung ist ein neuer Ansatz bei der Behandlung chronischer Erkrankungen. Basierend auf der persönlichen Erfahrung mit seiner Erkrankung soll der Patient als aktiver Partner in die Behandlung mit einbezogen werden. Die Effektivität patientenzentrierter Behandlung hinsichtlich eines verbesserten Gesundheitszustandes konnte für verschiedene chronische Erkrankungen gezeigt werden. Im Jahr 2012 hat das American College of Cardiology die Bedeutung von patientenzentrierter Versorgung hervorgehoben. Die klinische Anwendung einer patientenzentrierten Kardiologie wird ausdrücklich empfohlen. Psychologische Ansätze könnten eine patientenzentrierte Versorgung verbessern, wurden aber bislang nicht mitberücksichtigt. Mit der Erfassung der wahrgenommenen Symptome, des individuellen Krankheitskonzeptes und der subjektiven Behandlungsbedürfnisse könnten psychologische Ansätze die Basis für eine patientenzentrierte Kardiologie bilden. Die vorliegende kumulative Dissertation basiert auf drei Studien, die die Symptom-, Krankheits- und Behandlungsebene aus Sicht von Patienten mit kardialen Erkrankungen untersucht haben. Die erste Studie fokussiert die Symptomebene aus der Patientenperspektive und untersucht die wahrgenommene Belastung durch körperliche Beschwerden bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung. Die Ergebnisse zeigen, dass körperliche Beschwerden häufig und belastend sind sowie eine große Bandbreite von Symptomen beinhalten. Im Vordergrund stehen jedoch weniger kardiale Symptome sondern vielmehr Schmerzen und Energielosigkeit. Das Ausmaß an Belastung durch körperliche Symptome wird über alle Variablen hinweg (inklusive kardialer Marker) am besten durch psychologische Faktoren (d.h. Depression und Angst) vorher gesagt. Die Belastung durch körperliche Beschwerden ist wiederum stark mit einer reduzierten Lebensqualität assoziiert. Folglich sollte das gesamte Spektrum an somatischen Beschwerden in der klinischen Routine erfasst werden. Die zweite Studie erfasst die Krankheitsebene aus Sicht des Patienten und untersucht das subjektive Krankheitskonzept von Patienten mit Herzklappen-erkrankungen mit der Fragestellung, ob Risikopatienten aufgrund ihres Krankheitswahrnehmungsprofils bereits vor Herzklappenoperation erkannt werden können. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten entsprechend der Valenz und des zeitlichen Verlaufs ihrer Krankheitswahrnehmung nach Profilen gruppiert werden können (negativ vs. positiv; stabil vs. sich verändernd). Präoperativ erfasste Krankheitswahrnehmungsprofile sagen sowohl den kardialen Gesundheitsstatus als auch die Lebensqualität ein Jahr nach Herzklappenoperation vorher. Durch die Erfassung von Krankheitswahrnehmungsprofilen könnten Patienten mit dem Risiko einer Gesundheitsverschlechterung bereits vor Herzklappenoperation identifiziert werden. Die dritte Studie zielt auf die vom Patienten wahrgenommene Behandlungsebene ab und ist bis zum jetzigen Zeitpunkt die erste Untersuchung, die den Unterstützungsbedarf von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass der höchste Bedarf hinsichtlich mehr Gesundheits-informationen aber auch psychologischer Unterstützung besteht. Das Ausmaß an nicht erfülltem Unterstützungsbedarf ist weniger mit dem kardialen Risikoprofil assoziiert. Vielmehr bestehen Zusammenhänge zwischen Unterstützungsbedarf und der persönlichen Erfahrung des Patienten mit der kardialen Behandlung (d.h. Notaufnahme, Operation, Medikation), aber auch seiner Stimmung (d.h. Angst und Depression) sowie der Lebensqualität. Interessanterweise berichteten Patienten, die bereits in Psychotherapie waren, weniger Unterstützungsbedarf in allen Bereichen. Eine effektive Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen sollte folglich nicht nur auf dem kardialen Risikoprofil des Patienten basieren, sondern auch den subjektiven Bedarf hinsichtlich mehr Gesundheitsinformationen und psychologischer Unterstützung mit einbeziehen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen unterstreicht die vorliegende Dissertation die enorme Bedeutung psychologischer Ansätze für eine patientenzentrierte Kardiologie. Die Erfassung der Symptom-, Krankheits- und Behandlungsebene aus Sicht von Patienten mittels psychologischer Fragebögen könnte eine patientenzentrierte kardiologische Behandlung deutlich verbessern. Patientenzentrierte Kardiologie ist als evidenzbasiertes Praxismodell definiert. Insofern sollte zukünftige Forschung die Implementierung der hier untersuchten psychologischen Ansätze in der klinischen Praxis überprüfen.
DOI: http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0121