Gewichtsbezogene Diskriminierung im Kindes- und Jugendalter

Ziel der vorliegenden kumulativen Dissertation war es, durch die Untersuchung biopsychosozialer Einflussfaktoren auf gewichtsbezogene Diskriminierung und deren Auswirkungen auf allgemeine sowie Essstörungspsychopathologie einen Beitrag zur Grundlagenforschung zu gewichtsbezogener Diskriminierung zu...

Full description

Main Author: Kräling, Svenja
Contributors: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (advisor)
Format: Dissertation
Language: German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Edition: http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0047
Subjects:
Online Access: PDF Full Text
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
Summary: Ziel der vorliegenden kumulativen Dissertation war es, durch die Untersuchung biopsychosozialer Einflussfaktoren auf gewichtsbezogene Diskriminierung und deren Auswirkungen auf allgemeine sowie Essstörungspsychopathologie einen Beitrag zur Grundlagenforschung zu gewichtsbezogener Diskriminierung zu leisten. Gewichtsbezogene Diskriminierung ist ein weit verbreitetes Phänomen, unter dem v.a. übergewichtige Kinder und Jugendliche leiden und das mit Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit wie Körperunzufriedenheit, geringem Selbstwert, Depressivität und gestörtem Essverhalten einhergeht. Dabei lassen bisherige Forschungsbefunde vermuten, dass gewichts-bezogene Diskriminierung kulturunabhängig einen stärkeren Einfluss auf die Psychopathologie ausübt als das Übergewicht an sich. Auch das bereichsspezifische Selbstkonzept scheint eine entscheidende Rolle in der Ausgestaltung der Beziehung zwischen gewichtsbezogener Diskriminierung und deren Auswirkungen auf die Psychopathologie zu spielen. Untersuchungen dieser Zusammenhänge an Kindern und Jugendlichen liegen jedoch bisher nicht vor. Für die vorliegende Dissertation wurden querschnittlich N = 367 Schüler/innen im Alter von 10-14 Jahren schulbasiert rekrutiert und mittels Fragebogenverfahren zu soziodemographischen Variab-len, gewichtsbezogener Diskriminierung, Körperunzufriedenheit, Depressivität und Essverhalten befragt. An einer Teilstichprobe (N = 87) wurden gewichtsbezogene Diskriminierung, bereichsspe-zifisches Selbstkonzept und Depressivität erneut per Fragebogen erhoben. Größe und Gewicht wurden durch geeichte Instrumente, die Essstörungspsychopathologie mittels Interview erfasst. In einer ersten Studie wurde der Einfluss des Migrationshintergrundes auf die Häufigkeit gewichtbezogener Diskriminierung sowie deren Auswirkungen auf Depressivität und gestörtes Essverhalten untersucht. Dabei zeigten sich unabhängig vom Migrationshintergrund höhere Werte für Körperunzufriedenheit, Depressivität und gestörtes Essverhalten bei häufig im Vergleich zu selten aufgrund ihres Gewichts gehänselten Kindern und Jugendlichen. Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit gewichtsbezo-gener Diskriminierung. Zudem stellte gewichtsbezogene Diskriminierung einen potenteren Prädik-tor für Depressivität sowie gestörtem Essverhalten dar als der Gewichtsstatus; hinsichtlich der Prädiktion von gestörtem Essverhalten konnten querschnittlich Mediatoreffekten gefunden werden. Eine zweite Studie beschäftigte sich mit differentiellen Effekten gewichtsbezogener Diskriminierung auf das bereichsspezifische Selbstkonzept sowie dessen Einflüsse auf Depressivität und Essstörungspsychopathologie. Es zeigten sich spezifische negative Zusammenhänge zwischen gewichtsbezogener Diskriminierung und den Selbstkonzeptbereichen Aussehen und globalem Selbstwert. Ein ungünstiges Selbstkonzept bzgl. des Aussehens stellte zudem einen Prädiktor für die Essstörungspsychopathologie, jedoch nicht für Depressivität dar, und moderierte den Zusammenhang zwischen gewichtsbezogener Diskriminierung und Essstörungspsychopathologie. Entsprechend wirkte sich ein ungünstiges Selbstkonzept hinsichtlich der kognitiven Kompetenz negativ auf Depressivität, nicht jedoch auf die Essstörungspsychopathologie aus. Die gefundenen Effekte unterstützen Annahmen störungsspezifischer Zusammenhänge zwischen gewichtsbezo-gener Diskriminierung, Selbstkonzept sowie allgemeiner und Essstörungspsychopathologie. Zusammenfassend betrachtet konnten in der vorliegenden Arbeit wichtige Einflussfaktoren auf gewichtsbezogene Diskriminierung und deren psychopathologische Korrelate belegt werden, welche in prospektiven Studien als Risikofaktoren bestätigt werden müssten. Daraus lässt sich schließen, dass gewichtsbezogener Diskriminierung ein stark negativer Effekt auf die Psychopathologie zuzuschreiben ist, welcher sich unabhängig von Migrationshintergrund, Geschlecht oder Gewichtsstatus zeigt. Kognitive Bewertungsprozesse wie das Selbstkonzept beeinflussen zudem die Auswirkungen gewichtsbezogener Diskriminierung auf die Psychopathologie. Die vorliegenden Befunde betonen die Notwendigkeit der Berücksichtigung gewichtsbezogener Diskriminierung und bereichsspezifischer Selbstkonzeptfacetten bei der Gestaltung effektiver Präventions- und Interventionsmaßnahmen.
DOI: http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0047