Die Untersuchung von Aufmerksamkeit, Aktivität und Impulsivität bei an Schizophrenie erkrankten Kindern und Jugendlichen mit Hilfe des „QbTest“

Aufmerksamkeitsstörungen sowie Störungen der Impulsivität und der motorischen Aktivität sind Symptome unterschiedlicher Krankheitsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diese drei Parameter mittels des QbTests und zum Vergleich mit dem d2-C-Test objektiv zu erfassen und bei verschiedenen Krank...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Gerken, Katrin
Beteiligte: Remschmidt, Helmut (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2012
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Aufmerksamkeitsstörungen sowie Störungen der Impulsivität und der motorischen Aktivität sind Symptome unterschiedlicher Krankheitsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diese drei Parameter mittels des QbTests und zum Vergleich mit dem d2-C-Test objektiv zu erfassen und bei verschiedenen Krankheitsbildern zu vergleichen war das Ziel unserer Untersuchung. Im Rahmen eines Gesamtprojektes mehrerer Studien konnte eine Inanspruchnahmepopulation (n=502) der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Phillips-Universität Marburg vom 1.6.2004 - 31.12.2005 mit n=315 Patienten (=63%) getestet werden. Schwerpunkt dieser Arbeit sind die aus dieser Untersuchung gewonnenen Ergebnisse der Schizophrenieerkrankten (n=22) und deren Vergleich mit vier anderen Diagnosegruppen (n=170): Patienten mit affektiven Störungen (F30-F39; n=20), Patienten mit neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen (F40-F48; n=68), Patienten mit Essstörungen (F50.0-F50.8; n=41) und Patienten mit Störungen des Sozialverhaltens (F91.0-F91.9; n=31). Zudem wurden die Ergebnisse zu unterschiedlichen Testzeitpunkten, bei stationärer Aufnahme und bei Entlassung, verglichen und mögliche Korrelationen zwischen den Testparametern und der Medikation, der psychosozialen Anpassung und der Anzahl an psychischen Symptomen geprüft. Die Patienten mit Schizophrenie zeigten sich signifikant weniger aufmerksam als die Patienten mit Essstörungen (p<0,001) und als die Patienten mit neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen (p=0,003). Weiterhin zeigten die Patienten mit Schizophrenieerkrankung eine gesteigerte motorische Aktivität im Vergleich zu den Patienten mit Essstörungen (p=0,021). In der Impulsivität ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Diagnosegruppen. Die im QbTest gemessene Unaufmerksamkeit (QbUnaufmerksamkeit) korrelierte signifikant negativ mit der im d2-C-Test gemessenen Aufmerksamkeit (fehlerkorrigierte Gesamtzahl, GZ-F): Gesamtzahl der Patienten: r= -0,438; p<0,01; Schizophreniepatienten: r= -0,635; p<0,01. Die negative Korrelation erklärt sich dadurch, dass im Qb-Test ein Unaufmerksamkeitsparameter, im d2-Test jedoch ein Aufmerksamkeitsparameter gemessen wird. Im Gegensatz zur Aktivität und Impulsivität konnte die Aufmerksamkeit zwischen dem ersten und zweiten Test geringfügig verbessert werden (Effektstärke: 0,22). Weiterhin korrelierte die Unaufmerksamkeit mit der Anzahl an psychischen Symptomen aus den Marburger Symptomskalen der Basisdokumentation der Phillips-Universität Marburg (r=0,62; p=0,006). Zwischen den Testparametern und der Medikamentendosis, umgerechnet in Chlorpromazinäquivalenten, konnte keine Korrelation festgestellt werden, ebenso zeigte sich keine Korrelation der Aufmerksamkeitsparameter mit der psychosozialen Anpassung. Anhand der Ergebnisse unserer Untersuchung konnte eine, im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern, schlechtere Aufmerksamkeitsleistung der an Schizophrenie erkrankten Jugendlichen bestätigt werden. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass sich die Aufmerksamkeit der Schizophreniepatienten im stationären Verlauf bessert, wobei davon auszugehen ist, dass atypische Neuroleptika hier eine Rolle spielen, ein Übungseffekt aber ebenfalls nicht sicher auszuschließen ist. Limitierend sind für diese Arbeit die nicht vorhandenen Normwerte der QbTestparameter anzumerken, ebenso die relativ geringe Fallzahl und die unterschiedliche Medikation sowie die unterschiedliche klinische Symptomatik der Schizophreniepatienten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der QbTest die Diagnostik von neuropsychologischen Symptomen bereichert und neben klinischer Beobachtung und bewährten Verfahren, wie dem D2-Test, ein weiteres objektives Messinstrument darstellt. Ein möglicher Nutzen ist in Verlaufsuntersuchungen von chronisch Erkrankten zu sehen, um Einflüsse der Grunderkrankung, aber auch von medikamentösen Effekten zu erheben und bei der weiteren Therapie zu berücksichtigen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0542