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Titel: Untergewicht in der Schwangerschaft
Autor: Bernshausen, Jaqueline
Weitere Beteiligte: Schmidt, Stephan (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0874
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0874
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-08741
DDC: 610 Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Underweight in Pregnancy

Dokument

Schlagwörter:
Untergewicht, Schwangerschaft, Schwangerenvorsorge, Gewichtszunahme, pregnancy, underweight, gestational weight gain

Zusammenfassung:
Diese retrospektive Studie untersucht, ob ein BMI unter 18,5 vor Schwangerschaftsbeginn die Schwangerschafts- und Geburtsrisiken sowie ein negatives Outcome der Neugeborenen erhöht. Des Weiteren wird evaluiert, ob die Gewichtszunahme, in der Gruppe der Schwangeren mit Untergewicht, auf diese Risiken und Outcomes einen Einfluss hat. Diese Ergebnisse werden auf ihren Signifikanzgehalt nach Berücksichtigung der konfundierenden Variablen Alter und Rauchverhalten mittels logistischer Regression geprüft. Als Studienkollektiv dient ein Datensatz von 223.469 Geburten, die zwischen 2001 und 2008 in der hessischen Perinatalerhebung erfasst wurden. Dieses Studienkollektiv besteht nur aus Einlingen, deren Mütter einen BMI unter 25 zu Schwangerschaftsbeginn aufweisen. Das Kollektiv wird in eine Gruppe der Untergewichtigen, mit einem BMI unter 18,5, und eine normalgewichtige Kontrollgruppe, mit einem BMI zwischen 18,5 und 25, unterteilt. Für die statistische Analyse wurde SPSS 15 verwendet. Die untergewichtige Gruppe ist signifikant jünger und raucht häufiger. Es finden sich in der untergewichtigen Gruppe mehr Frauen, die Gewicht unterhalb der Empfehlungen von 12-17 kg zunehmen, und weniger Frauen, die mehr zunehmen. Mit einer OR von 1,154 entbinden signifikant mehr untergewichtige Frauen spontan vaginal als normalgewichtige. Eine hohe Gewichtszunahme in der Gruppe der Frauen mit einem BMI unter 18,5 führt allerdings zu einer Abnahme der Spontangeburten. Mit Hypertonus und Gestationsdiabetes ist der Anteil zweier Schwangerschaftsrisiken in der untergewichtigen Gruppe signifikant reduziert. Auch die Gewichtszunahme konnte keinen signifikanten Anstieg dieser Risiken zeigen. Mit ORs zwischen 1,381 und 1,736 konnte eine signifikante Risikoerhöhung für Anämie, Frühgeburtlichkeit, Plazentainsuffizienz, isthmozervikale Insuffizienz und vorzeitige Wehentätigkeit gefunden werden. Bei diesen fünf Schwangerschafts- und Geburtsrisiken zeigten sich eine weitere Risikoerhöhung bei geringer Gewichtszunahme und eine Abnahme des Risikos bei hoher Gewichtszunahme. Die Neugeborenen von Müttern mit Untergewicht wurden signifikant häufiger mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm und einer IUGR geboren und nach der Geburt in die Kinderklinik verlegt. Auch diese Outcomes wurden in der untergewichtigen Gruppe bei einer geringen Gewichtszunahme signifikant häufiger und bei einer hohen Gewichtszunahme seltener beobachtet. Bei dem Risiko einer Makrosomie des Kindes waren die entgegengesetzten Zusammenhänge signifikant. Die Reanimationspflichtigkeit, der APGAR-, pH- und BE-Werte der Neugeborenen zeigten bis auf ein erhöhtes Risiko einer mäßigen BE-Erhöhung bei Untergewicht keine signifikanten Zusammenhänge. Auch die Gewichtszunahme zeigte bis auf eine Risikoerhöhung eines niedrigen APGAR-Wertes und der Reanimationspflichtigkeit bei geringer Gewichtszunahme keinen signifikanten Zusammenhang. Alle Ergebnisse blieben auch nach der multivariaten logistischen Regression signifikant. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Risiken, die zu einer Geburt eines zu leichten, kleinen und unreifen Kindes führen, in der Gruppe der Untergewichtigen signifikant erhöht sind. Dieser Zusammenhang wird noch einmal verstärkt, wenn die Gewichtszunahme unter 12 kg liegt. Umgekehrt erhöht eine hohe Gewichtszunahme nur das Risiko, ein makrosomes Kind zu bekommen, signifikant. Sonst sind keine negativen Folgen einer hohen Gewichtszunahme, über 17 kg, in dieser Gruppe zu erkennen. Daraus resultiert, dass in der Gruppe der Schwangeren mit Untergewicht die Empfehlung für die optimale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft noch einmal überdacht werden sollte. Die Empfehlung einer höheren Gewichtszunahme ist anzuraten, um die Morbidität der Kinder und Mütter zu reduzieren. Denn die oben genannten Schwangerschafts- und Geburtsrisiken, die zur Geburt mit geringem Geburtsgewicht und Unreife führen, haben vor allem gesundheitliche Langzeitfolgen für die Kinder, wie einer erhöhten Rate an kardiovaskulären Erkrankungen und metabolischem Syndrom. Der Einfluss eines BMI unter 18,5 ist damit sowohl auf Schwangerschafts- und Geburtsrisken als auch auf das Outcome der Kinder signifikant und klinisch relevant.

Summary:
The objective of this retrospective study was to examine the effect of a low maternal pre-pregnancy BMI (<18.5) on pregnancy- and birth risks and neonatal outcome. Further this study aimed to assess the influence of gestational weight gain in the group of pregnant women with BMI <18.5, on these risks and neonatal outcome. The sample included 223,469 women giving birth to a child in the years 2001 – 2008 in Hessen, Germany and were registered in the “hessische Perinatalerhebung”. Included are all women with singleton pregnancies and a pre- pregnancy BMI under 25. The sample sizes were 13,413 in the group of women with a pre-pragnancy BMI under 18.5 and 210,056 in the group of women with a prepragnancy BMI between 18.5 and 25. Groups were compared using X2–Tests, significance levels were set by 5% and associations were examined using logistic regression. In this study women who are underweight are significant younger and smoke more often. A Pre-pregnancy BMI under 18.5 is significant associated with a lower risk for Gestational Hypertension (OR 0.434) and Gestational Diabetes (OR 0.611). Even a high gestational weight gain did not raise the risk significantly in this group. Significant higher risks could be shown for anaemia (OR 1.381), premature delivery (OR 1.381), placental insufficiency (OR 1.413), cervical incompetence (1,631) and preterm labour (OR 1,736). Gaining less than 12kg weight in pregnancy raised these risks even more. On the contrary, gaining over 17 kg in pregnancy did reduce these risks. Looking on the neonatal outcome children, born by women with a pre-pregnancy BMI under 18.5, are more often born with a weight less than 2500gr. And they had an intrauterine growth restriction. Also it was associated with treatment in paediatric clinic. A reduced risk could be shown for macrosomia. Following risks did not show a significant association with the pre pregnancy BMI: APGAR, pH, Base Excess and resuscitation of the newborn. All these associations were significant after logistic regression, controlling for the confounders; Age, smoking and weight gain. In Summary women with a pre-pregnancy BMI under 18.5 kg have a higher risk for small and premature babies. This risk is even higher when these women gain less than 12 kg weight during pregnancy. On contrary this risk can be reduced by gaining more than 17 kg in pregnancy. Gaining over 17 kg did not raise any other pregnancy or birth risks in this group, nor was associated with a negative neonatal outcome. In conclusion, underweight women should be encouraged to gain more weight than currently recommended. Following this advice negative outcome of small and premature babies, such as metabolic syndrome and cardiovascular problems in future life, could be reduced.


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