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Titel: Untersuchungen zum Einfluss der Abdichtung durch Obturatoren auf die Sprache von Patienten
Autor: Lange, Nina
Weitere Beteiligte: Gente, Michael (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0752
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0752
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-07521
DDC: 610 Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Studies on the influence of prosthetic obturation on patient speech

Dokument

Schlagwörter:
Zahnprothese, Oberkiefer, Sprache, Motiv, Abdichtung, Pneumotachographie, Defektprothese, Oberkieferdefekt, Oberkieferdefektprothese, Orofaziale Tumoren, obturatorprosthesis, maxillary defects, prosthetic obturation

Zusammenfassung:
Ziel dieser Studie war es, an Patienten mit unterschiedlich großen Oberkiefer-Defekten mit Hilfe eines phonetischen Standardverfahrens, der simultanen oralen/nasalen Pneumotachographie, den transnasalen Luftverlust beim Sprechen quantitativ zu erfassen. Die Gruppe der Probanden setzte sich aus sieben männlichen und zwei weiblichen Patienten/Patientinnen (Alter 20 bis 77) zusammen. Die Messungen fanden in der Abteilung Phonetik, im Institut für Germanistische Sprachwissenschaft der Universität Marburg (Leiter: Prof. H.J. Künzel) statt. Unter Verwendung eines Pneumotacho-graphen wurden Luftströme aus Mund und Nase simultan, aber getrennt registriert, sowie parallel der intraorale Druck gemessen. Mithilfe einer externen PC-Hardware zur parallelen Erfassung mehrerer Datenkanäle und der zugehörigen Software PCquirerX konnten alle drei Kurven in ihrer zeitlichen Beziehung auf dem Bildschirm dargestellt und ausgewertet werden. Die Patienten lasen standardisiertes Textmaterial. Der erste Versuchsdurchgang erfolgte immer mit der vorhandenen und unveränderten Prothese des Patienten. Konnte dabei eine Leckage durch den geschulten Hörer festgestellt werden, so erfolgte ein zweiter Durchgang nach Abdichtung der Prothese an der vom Phonetiker vermuteten Stelle. Zur Abdichtung wurde ein thermoplastisches Material (DinaBase 7 der Firma QuattroTi DenTech) benutzt. Ein dritter Durchgang erfolgte an einem gesonderten Termin nach Unterfütterung der Prothese im Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Marburg. Für die Auswertung wurden jeweils die Mittelwerte der neun Logatome, welche dreifach wiederholt wurden für Konsonant 1 (betont) und 2 (unbetont) pro Patient gebildet. Anschließend wurden die Zustände „vorher“ (ohne Modifikation der Prothese), „abgedichtet“ (nach Abdichtung mit dem Material DinaBase 7) und „unterfüttert“ (nach Unterfütterung der Prothese mit Kunststoff) verglichen. Für den nasalen Flow ergeben sich hoch signifikante Verbesserungen beim Vergleich der Daten ohne Modifikation der Prothese und nach provisorischer Abdichtung mit dem Material DinaBase 7. Beim Vergleich der Messergebnisse ohne Modifikation der Prothese und nach Unterfütterung mit hartbleibendem Kunststoff wurde eine signifikante Reduktion des nasalen Flow erzielt. Für den oralen Flow ergaben sich nicht signifikante Unterschiede beim Vergleich der Daten ohne Modifikation der Prothese und nach Abdichtung mit DinaBase 7. Für den intraoralen Druck konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Der Vergleich der nasalen Flow-Werte gesunder Probanden und der Werte von Patienten mit Defektprothesen ergab signifikant größere Werte für die Luftströme aus der Nase bei den Patienten mit Defektprothesen sowohl vor als auch nach Unterfütterung ihrer Prothesen. Den Untersuchungen zufolge kann darauf hingewiesen werden, dass ein Großteil der Obturatorprothesen deutliche Undichtigkeiten aufweist. Durch die gezielte Abdichtung und Unterfütterung der Defektprothesen mit dem gewählten Verfahren kann eine subjektiv und objektiv bessere sprechsprachliche Qualität für den einzelnen Patienten erreicht werden.

Summary:
The objective of this study was to detect and measure the trans-nasal loss of air on patients with varying maxillary defects, with the help of a phonetic standard procedure, the simultaneous oral-nasal pneumotachographie. The group of test persons consisted of seven male and two female patients (age 20-77 years). The experiments took place in the department of phonetics in the “Institut für Germanistische Sprachwissenschaft” of the University of Marburg (chief director: Prof. H.J. Künzel). The airflows from mouth and nose, as well as the intraoral air pressure were registered. With the help of an external PC hardware and the accompanying software PCquirerX all three curves could be shown on a screen and could be evaluated. A standardized text material consisting of four parts was read by each patient. The first measurements were always recorded with the available and unchanged prosthesis of the patient. If a leakage could be ascertained by the phonetician, the second measurements took place after sealing of the prosthesis at the leaking point, described by the trained listener. For the sealing of the prosthesis, the material with the name DinaBase 7 by the company QuattroTi DenTech was used. The third and last measurements took place in a separate appointment, after permanent modification of the prosthesis in the Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Marburg. For the evaluation the average values of the nine logatoms which were repeated three times for consonant 1 and 2 per patient were compared in the states “before” (without modification of the prosthesis), “sealed” (after sealing with the material DinaBase 7) and “modificated” (after permanent modification). For the nasal flow significant improvement resulted in the comparison of the data without modification of the prosthesis and after temporary sealing with the material DinaBase 7. Also, significantly better results can be ascertained for the nasal flow in the comparison of the measuring results without modification of the prosthesis and after permanent modification with hard-remaining plastic. For the oral flow no significant differences resulted in the comparison of the data without modification of the prosthesis and after sealing with DinaBase 7. For the intraoral pressure no significant differences could be ascertained aswell. A significantly higher transnasal airflow was registered comparing the data of normal, healthy patients and the data of the patients with obturatorprostheses. According to the results of this study it can be pointed out that a large number of the obturatorprostheses seems to be leaking. The described method can be used to specifically detect air lecks in obturatorprostheses and, by sealing them permanently, to improve the quality of speech for each patient.


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