Publikationsserver der Universitätsbibliothek Marburg

Titel: Emotion regulation and delusions
Autor: Westermann, Stefan
Weitere Beteiligte: Lincoln, Tania M. (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0658
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-06581
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0658
DDC: Psychologie
Titel(trans.): Emotion regulation and delusions

Dokument

Schlagwörter:
Regulation, Sozialer Stress, Neubewertung, Gefühlsausdruck, Verfolgungswahn, Gefühl, Bewältigung, Wahn, Stressbewältigung, Expressive suppression, Gefühlsausdrucksunterdrückung, Emotion regulation, Reappraisal, Emotionsregulation, Paranoide Schizophrenie

Zusammenfassung:
Mounting evidence suggests a causal role of negative emotion in delusions. Particularly, fluctuations in anxiety and self-esteem seem to trigger delusional ideation. Consequently, the ability to down-regulate negative emotions is likely to help to prevent or reduce delusional ideation. Despite the clear theoretical relevance, emotion regulation strategies such as reappraisal (i.e. changing the perspective on a situation in order to modify emotional responses) or expressive suppression (i.e. inhibiting facial expressions of emotions; „poker face‟) have not been researched in delusions so far. The present dissertation project fills this gap by investigating emotion regulation in paranoia- and delusion-prone samples. Study 1 revealed bivariate and multivariate associations between emotion regulation difficulties and paranoia-proneness. Study 2 experimentally demonstrated that delusion-prone individuals had difficulties in successfully applying the emotion regulation strategy reappraisal while watching anxiety-eliciting pictures, but not in applying expressive suppression. Furthermore, unsuccessful emotion regulation was correlated with state delusional ideation exclusively during reappraisal. The potentially maladaptive nature of reappraisal in delusion was further corroborated in study 3. Under social stress, paranoia-prone individuals who habitually use reappraisal experienced an increase in state paranoia. Taken together, the present dissertation project provides subclinical evidence for specific difficulties in applying the generally helpful and adaptive emotion regulation strategy reappraisal. A working model of emotion regulation in delusions that incorporates a vulnerability-stress-approach, cognitive models of positive symptoms and the process model of emotion regulation was proposed in order to stimulate further theory-driven research in populations with clinically relevant delusions. A preliminary clinical implication might be that reappraisal in social high-stress situations should be applied with caution in delusion-proneness.

Summary:
Eine zunehmende Anzahl von Studien legt einen kausalen Einfluss von negativen Emotionen bei Wahn nahe. Insbesondere Schwankungen von Angst und Selbstwertgefühl scheinen Wahnideen anstoßen zu können. Die Fähigkeit, negative Emotionen aktiv zu verringern bzw. herunter zu regulieren, könnte folglich hilfreich beim Abschwächen oder Verhindern von Wahnideen sein. Dennoch wurden Emotionsregulations-Strategien wie Neubewertung (d.h., die Perspektive auf eine Situation ändern, um die emotionale Reaktion zu beeinflussen) oder Unterdrückung des Gefühlsausdrucks bei Wahn bisher nicht erforscht. Das vorliegende Dissertationsprojekt schließt diese Lücke, indem Emotionsregulation bei Wahn- und Paranoia-Neigung untersucht wird. Studie 1 zeigte bivariate und multivariate Zusammenhänge zwischen Paranoia-Neigung und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation auf. Studie 2 demonstrierte, dass Wahnneigung mit Schwierigkeiten bei der Anwendung von Neubewertung in bedrohlichen Situationen einhergeht. Bei der Unterdrückung des Gefühlsausdrucks war das nicht der Fall. Zudem standen Emotionsregulations-Schwierigkeiten ausschließlich beim Neubewerten mit paranoiden Gedanken in Zusammenhang. Die möglicherweise maladaptive Natur von Neubewertung bei Wahn wurde in Studie 3 bestätigt. Bei sozialem Stress konnte ein Anstieg von paranoiden Gedanken nur bei Personen nachgewiesen werden, die Neubewertung als Emotionsregulationsstrategie häufig anwenden und zu Paranoia neigen. Auf Grundlage von sub-klinischen Stichproben weist das Dissertationsprojekt insgesamt auf spezifische Schwierigkeiten bei der Anwendung der üblicherweise hilfreichen und adaptiven Emotionsregulations-Strategie Neubewertung bei Wahn hin. Ein Arbeitsmodell der Emotionsregulation bei Wahn, welches einen Vulnerabilität-Stress-Ansatz, kognitive Modelle von Positivsymptomen und das Prozessmodell der Emotionsregulation integriert, wird postuliert um weitere Theorie-geleitete Forschung in Stichproben mit klinisch relevantem Wahn anzustoßen. Als vorläufige praktische Implikation kann gelten, dass Neubewertung in sozial belastenden Situationen bei Wahnneigung nur mit Vorsicht angewendet werden sollte.


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