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Titel: Lexikalische Fähigkeiten bilingualer Kinder mit Migrationshintergrund. Eine Studie zum Benennen von Nomen und Verben im Russischen und Deutschen.
Autor: Klassert, Annegret
Weitere Beteiligte: Kauschke, Christina (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0621
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0621
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-06214
DDC: Deutsch
Titel(trans.): Lexical Abilities of Bilingual Children with an Immigrant Background – A Study of Naming of Nouns and Verbs in Russian and German.

Dokument

Schlagwörter:
Russisch, Zweisprachigkeit, lexical abilities, German, Wortarten, Deutsch, bilingual children, Nomen, Wortschatz, Russisch, Verb, word categories, bilinguale Kinder, Russian, Deutsch, lexikalische Fähigkeiten
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Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit untersucht die produktiven lexikalischen Fähigkeiten russisch-deutsch bilingualer Kinder mit Migrationshintergrund differenziert für Nomen und Verben. Das erste Hauptziel bestand in der Erfassung von typischen lexikalischen Erwerbsverläufen in beiden Sprachen dieser Population. Dieses Ziel ist durch die Tatsache motiviert, dass bisher keine Studien zur quantitativen lexikalischen Entwicklung russisch-deutsch bilingualer Kinder vorliegen, obwohl die Population der Menschen mit russischer Herkunftssprache auf den vordersten Plätzen unter den Migrantengruppen in Deutschland rangiert. Das zweite Hauptziel stellte die Spezifizierung der Einflussfaktoren auf die produktiven lexikalischen Fähigkeiten bilingualer Kinder dar. Durch die differenzierte Betrachtung der Wortarten Nomen und Verben wird insbesondere der Einfluss der semantisch-konzeptuellen Komplexität von Wörtern berücksichtigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle der Interaktion der Lexika. In der vorliegenden Dissertation wurde in einer Querschnittsstudie das Benennen von Nomen und Verben von 60 vier- bis sechsjährigen russisch-deutsch bilingualen Kindern mit Migrationshintergrund erfasst und sowohl zwischen den beiden Sprachen der bilingualen Kinder als auch mit russischen und deutschen monolingualen Kindern verglichen. Die Analysen erfolgten basierend auf Korrektheitswerten in den Einzelsprachen, dem konzeptuellen Vokabular der bilingualen Kinder und Fehlertypen. In den Entwicklungsmustern zeigten sich deutliche Effekte des Status einer Sprache: In der Umgebungssprache Deutsch wurde ein Ansteigen der lexikalischen Fähigkeiten mit zunehmendem Alter beobachtet. Die lexikalischen Fähigkeiten der bilingualen Kinder zu Schulbeginn entsprechen denen von einem Jahr jüngeren monolingualen Kindern. In der Herkunftssprache Russisch wuchsen die lexikalischen Fähigkeiten der bilingualen Kinder der Stichprobe schon ab einem Alter von vier Jahren nicht mehr an. Bereits in diesem Alter waren die lexikalischen Fähigkeiten im Russischen signifikant geringer als von monolingual russischen Kindern. Mit zunehmendem Alter wurde diese Diskrepanz größer. Nur wenn die Kinder durch ein bilinguales Bildungsprogramm im Russischen gefördert wurden (dies wurde für die sechsjährigen Kinder differenziert untersucht), wuchsen die Fähigkeiten in dieser Sprache weiter an. Der Vergleich zwischen den Sprachen der bilingualen Kinder zeigte, dass, gemessen an den Korrektheitswerten und am Sprachmischverhalten, das Deutsche bereits im Kindergartenalter zur dominanten Sprache wird. Die differenzierte Betrachtung der Wortarten ergab, dass das Nomenbenennen bei bilingualen Kindern stärker eingeschränkt ist als das Verbbenennen. Aus diesen Befunden lässt sich ableiten, dass die bilinguale Erwerbssituation nicht Probleme im Erwerb semantisch-konzeptuell komplexer Wörter verstärkt. Diese Schlussfolgerung wird durch die Beobachtung untermauert, dass bilinguale Kinder über mehr Verbkonzepte verfügen als monolinguale Kinder. In weiteren Analysen zeigte sich, dass nur das Nomenbenennen bilingualer Kinder stärker von der Frequenz beeinflusst ist als bei monolingualen Kindern und dieses auch deutlicher von der Menge des Sprachgebrauchs in den Einzelsprachen der bilingualen Kinder beeinflusst wird. Zusammengenommen, weisen diese Befunde auf eine erhöhte Frequenzsensitivität von Nomen unter bilingualen Erwerbsumständen hin, was auf die unterschiedliche Verteilung von Nomen und Verben im Input zurückgeführt wird. Eine positive Interaktion in den Benennmustern zwischen den Sprachen konnte nachgewiesen werden, wobei diskutiert wird, ob diese als ein Ausdruck von Transfer auf konzeptueller Ebene oder als faszilitierender Effekt auf den Wortabruf zu interpretieren ist. Da die gefundene Interaktion jedoch unabhängig von der Wortart war, kann sie als Ursache für die wortartenspezifisch ausgeprägten Unterschiede zwischen bi- und monolingualen Kindern ausgeschlossen werden. Aus den Befunden ergeben sich eine Vielzahl praktischer Implikationen für die Diagnostik und Förderung der lexikalischen Fähigkeiten bilingualer Kinder. Diese werden in den abschließenden Schlussfolgerungen zusammengefasst.

Summary:
The present study examined the productive lexical abilities of Russian-German bilin-gual children with an immigrant background, differentiated according to nouns and verbs. The first main objective was to explore the typical lexical developmental pat-terns in both languages of this population. This aim is motivated by the fact that there are no studies thus far concerning the qualitative lexical development of Russian-German bilingual children despite the fact that the Russian speaking population is one of the largest immigrant groups in Germany. The second main objective was to specify the influencing factors on the productive lexical abilities of bilingual chil-dren. In particular the influence of the semantic-conceptual complexity is considered by the differentiated observation of nouns and verbs. A further focus is on the role of the interaction of both lexicons of bilingual children. In a cross-sectional study the naming of nouns and verbs of 60 Russian-German bilingual children between 4;0-6;11 (years; month) has been examined and compared not just within the bilingual group, but also in relation to monolingual Russian and monolingual German chil-dren. The analyses are based on the number of items named correctly in single lan-guages, the conceptual knowledge of the bilingual children and error classification. Developmental patterns differ in both languages of the bilingual children: In German a growth in lexical abilities can be observed with increasing age. Six year old bilin-gual children have the same lexical abilities as five year old monolingual children. In Russian, from an age of four years on no growth in lexical abilities of the bilingual children could be observed. Already at this age it is evident that bilingual children are falling behind the lexical abilities of monolingual children. With increasing age the gap between both populations increased. Only children, who attend a bilingual Russian-German school program (this concerned half of the children in age group six), showed an increase in lexical abilities in Russian. The comparison between the languages of bilingual children revealed a dominance of German already in pre-school children, assessed by items named correctly and language mixing behaviour. The differentiated observation of the word categories showed that noun naming in bilingual children is more limited than verb naming. This finding suggests that the bilingual acquisition context does not intensify problems in the acquisition of seman-tic-conceptually complex words. This conclusion is strengthened by the observation, that bilingual children have more verb concepts than monolingual children. Further analyses revealed, that only noun naming in bilingual children is influenced more strongly by frequency than in monolingual children. Additionally, noun naming is more dependent on the amount of language use in the single languages of the bilin-gual children. To summarize, these findings indicate higher frequency sensitivity for nouns in bilingual acquisition context. This is attributed to differences of the distribu-tion of nouns and verbs in the input. A positive interaction in naming patterns be-tween the languages of the bilingual children could be proven, whereas it is dis-cussed, whether this can be interpreted as transfer on a conceptual level or as facilita-tion of lexical retrieval. Because the encountered interaction is independent from word category, it can be ruled out as the source for the word category specific differ-ences between bi- and monolingual children. From these findings follows a variety of practical implications for the assessment and promotion of lexical abilities in bilin-gual children. They are summarized in the conclusion.


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