Publikationsserver der Universitätsbibliothek Marburg

Titel: Prävalenz und Verlauf unterschiedlicher Ätiologien bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie in den Jahren 2000 – 2008
Autor: van Gellecom, Joachim
Weitere Beteiligte: Pankuweit, Sabine (Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0422
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-04224
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0422
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Prevalence and course of disease in patients with clinical suspicion of cardiomyopathy

Dokument

Schlagwörter:
Myokarditis, Cardiomyopathy, Kardiomyopathie, Myocarditis

Zusammenfassung:
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der Prävalenz viraler bzw. entzündlicher Ätiologien, davon abhängig den Krankheitsverlauf bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie und den Effekt einer spezifischen, kausal orientierten Therapie. Grundlage dazu bilden Daten von 1.710 Patienten, die in der Universitätsklinik Marburg in den Jahren 2000-2008 mit Verdacht auf Kardiomyopathie therapiert wurden. Hierzu wurden die Daten aus den verfügbaren Herzkatheter- und echokardiografischen Untersuchungen, die Ergebnisse der EMB-Auswertung, die Arztbriefe und die elektronische Patientenverwaltung für jeden Patienten zuammengetragen und statistisch ausgewertet. Bei mehr als 50% der Patienten kann mithilfe der EMB die Ursache für die kardiale Symptomatik gefunden werden. Davon weisen über 27% der untersuchten Patienten Virusgenom sowie knapp 20% eine Entzündung im Myokard auf, jedoch besteht keine statistische Assoziation zwischen dem Virusgenomnachweis bzw. eines Entzündungsnachweises und einer klinischen Diagnose. Bei Patienten mit DCM zeigt sich im Krankheitsverlauf eine signifikante Verbesserung (p-Wert < 0,01) der EF als Surrogatparameter der Krankheitsentwicklung von durchschnittlich 28,2% zu Beginn auf +39,0% nach 60 Monaten. Eine Verbesserung der EF ist auch für die vier ätiologisch definierten Untergruppen nachweisbar, jedoch zeigen sich im langfristigen Krankheitsverlauf zwischen den Gruppen Unterschiede. Die Gruppe von Patienten, bei denen weder Virusgenom noch eine Entzündung im Myokard nachgewiesen werden kann, zeigt die signifikant schlechteste relative und absolute Entwicklung ihrer EF von allen vier Gruppen (relativer Zuwachs um +34% nach 60 Monaten). Demgegenüber verläuft die Entwicklung der EF von Patienten, bei denen Virusgenom und/oder eine Entzündung nachgewiesen werden konnte, mit durchschnittlich +51% signifikant besser, wobei ein Großteil der Patienten eine spezifisch antientzündliche beziehungsweise antivirale Therapie erhalten hatte. Im Vergleich zwischen diesen weiteren Gruppen (DCMi, DCM und Virusnachweis, DCMi und Virusnachweis) können in der Entwicklung der EF keine Unterschiede detektiert werden. Der Nachweis von Virusgenom im Myokard, unabhängig von einer Kardiomyopathie als Grunderkrankung, bedeutet für Patienten eine Verschlechterung der Prognose. Im langfristigen Verlauf nach 60 Monaten zeigen Patienten mit Virusgenomnachweis mit einer relativen Verbesserung der EF von +2% eine signifikant schlechtere Entwicklung als eine Vergleichsgruppe ohne Virusnachweis mit einer Steigerung EF von +26% (p- Wert < 0,01). Durch eine antivirale Therapie mit Pentaglobin® kann diese schlechte Prognose deutlich verbessert werden, da therapierte Patienten im langfristigen Verlauf eine signifikant größere relative Verbesserung von +18% (p-Wert < 0,05) aufweisen, die sich nicht mehr vom Krankheitsverlauf der Patienten ohne Virusgenomnachweis unterscheidet. Die Wirksamkeit der Therapie wird weiterhin angedeutet durch eine größere Wahrscheinlichkeit für behandelte Patienten, eine Besserung der EF im Verlauf aufzuweisen (p-Wert < 0,05) sowie durch eine nichtsignifikant größere Viruseliminationsrate unter Therapie von 21% im Vergleich zu 0% ohne Therapie. Die negative prognostische Bedeutung eines Entzündungsnachweises im Myokard von Patienten manifestiert sich zum einen in einer nichtsignifikant schlechteren relativen Entwicklung der EF im langfristigen Verlauf (+6,1% gegenüber +18,1% von Patienten ohne Entzündung). Zum anderen wird gezeigt, dass die Elimination einer Entzündung zu einer nichtsignifikanten Verbesserung von EF, LVEDD und NYHA-Stadium führt, wohingegen die Entzündungspersistenz nichtsignifikant eine Verschlechterung dieser Parameter bewirkt. Der Effekt einer antiinflammatorischen Therapie führt in dieser Untersuchung zu 100% zu einer Elimination der Entzündungsreaktion, womit eine Wirksamkeit einer immunsuppressiven Therapie angenommen werden kann, da die spontane Eliminationsrate mit 79% niedriger liegt. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die Analyse der EMB auf das Vorliegen von Virusgenom oder einer Entzündung im Myokard für Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie eine bedeutende differentialdiagnostische Untersuchung ist. Ihr Stellenwert wird dadurch belegt, dass der Nachweis einer Entzündung oder eines Viruses mit einer Verschlechterung der Prognose assoziiert ist. Weiterhin wird erst durch den Befund der EMB die Möglichkeit eröffnet, mithilfe spezifischer Therapien den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.

Summary:
This study intends to analyse the prevalence of viral or inflammatory aetiology, the course of disease in patients with clinical suspicion of cardiomyopathy and the effect of a causal therapy. The analysis is based on the data concerning all 1.710 patients that were treated at the university hospital in Marburg from 2000-2008. Therefore,information was collected from available heart catheter und echocardiographic examinations, the analysis of endomyocardial biopsy, the medical reports and other data in the data maintenance. The cardiac symptoms of more than 50% of the patients can be explained by analysing EMB. More than 27% of the patients suffer from viral genome and approximately 20% from intracardiac inflammation. However, there is no statistic association between the detection of viral genome or cardiac inflammation and clinical diagnosis. During the development of the illness patients with DCM show a significant improvement of their ejection fraction from an average of 28.2% to 39.0% (p-value < 0.01) after sixty months, regarding the EF as a surrogate parameter of the patients´ prognoses. Dividing the group of patients in 4 aetiologically distinguished subgroups, the improvement of EF is detectable in every one of these groups, but there are differences in the long-term outcome between those groups. Compared to the other groups the group of patients with detection neither of viral genome nor of inflammation shows the worst relative and absolute increase of the EF (relative increase +34% after 60 months). In contrast to that, patients with detection of intracardiac viral genome and/or inflammation show a significant higher increase of +51%, though most of these patients received a specific antiviral respectively antiinflammatoric therapy. The measurements of LVEDD also amplify these results, but with its fewer dynamics, comparisons between those groups did not show significant results. Comparing the three groups (DCMi, DCMi with detection of viral genome, DCM with detection of viral genome) with each other, there are no differences in the clinical outcome during long-term development. Furthermore, this study shows that the detection of viral genome in EMB counts as a negative prognostic factor for the patients, regardless of clinical diagnosis. Long-term results after 60 months indicate an increase of the EF of +2%, which is significantly lower than the group without viral genome in the myocardium with an increase of EF of +26% (p-value < 0,01). A specific antiviral therapy with Pentaglobin® accomplishes a significant improvement of the outcome. Patients with viral genome in the heart and antiviral therapy have a significant increase in the EF of +18% (p-value < 0,05) with is comparable with the course of patients without detection of viral genome. In addition to that, therapy supports patients for a significant higher possibility to improve EF during clinical course (p-value < 0,05). Furthermore, the elimination of viral genome out of the myocardium is 21% for patients with antiviral therapy compared to 0% for patients without antiviral therapy. The prognostic value of detection of a myocardial inflammation is negative. During the long-term course patients with myocardial inflammation show insignificantly less increase (+6,1% in comparison to 18,1% for patients without inflammation) of their EF. Additionally, elimination of inflammation out of the myocardium by the patientsdetermines an improvement regarding EF, LVEDD and NYHA-stage, whereas the persistence of the inflammation predicts a deterioration of these parameters. With an antiinflammatoric therapy, the patients exhibit a clearance of inflammation of 100% in comparison to patients without an antiinflammatoric therapy with a lower elimination rate of only 79%. Overall, this study shows that the analysis of the EMB concerning viral genome or an inflammation provides important information to the patients. It helps during differential diagnosis, provides information for the prognosis and opens the possibility for a specific antiviral respectively antiinflammatoric therapy.


* Das Dokument ist im Internet frei zugänglich - Hinweise zu den Nutzungsrechten