MR-tomographische Echtzeit-Darstellung der reduzierten Magenmotilität bei Patienten mit idiopathischem Parkinson Syndrom im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen

Eine verzögerte Magenentleerung ist eines der nicht-motorischen Symptome, die bei IPS zu beobachten sind. Sie ist ein häufiges Phänomen und tritt bereits in frühen Krankheitsstadien auf [Goetze et al. 2006; Djaldetti et al. 1996]. Die auf sie zurückzuführenden klinischen Beschwerden wie Übelkeit und...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schmittinger, Katrin
Beteiligte: Knake, Susanne (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2011
Nervenheilkunde
Schlagworte:
PD
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Eine verzögerte Magenentleerung ist eines der nicht-motorischen Symptome, die bei IPS zu beobachten sind. Sie ist ein häufiges Phänomen und tritt bereits in frühen Krankheitsstadien auf [Goetze et al. 2006; Djaldetti et al. 1996]. Die auf sie zurückzuführenden klinischen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen sind bei IPS- Patienten weniger von Bedeutung als der mögliche Einfluss einer verzögerten Magenentleerung auf die L-Dopa Resorption und die resultierenden Wirkfluktuationen. Weiterhin ist die verzögerte Magenentleerung als frühes Zeichen der Erkrankung von Interesse im Rahmen der Frühdiagnostik und -therapie. Kenntnisse über die Magenphysiologie und –pathophysiologie sind im Allgemeinen und im Speziellen bei Parkinson bisher begrenzt. Dies ist unter anderem auf unzureichende diagnostische Möglichkeiten zurückzuführen [Horowitz et al. 2001]. Ziel dieser Pilotstudie war es, die Machbarkeit der Echtzeit-MRT zur Untersuchung der Magenmotilität in der Anwendung bei IPS- Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zu prüfen und erste Daten zu möglichen Veränderungen bei IPS-Patienten zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden zehn IPS- Patienten und zehn Kontrollpersonen untersucht. Die Probanden wurden nach Alter, BMI und Geschlecht gematcht. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer der IPS- Patienten betrug 2,7 Jahre, sechs der Patienten waren bisher nicht medikamentös anbehandelte (de novo) Patienten. Bei allen Probanden wurde eine MRT des Magens nach nüchterner Testmahlzeiteinnahme durchgeführt. Die IPS- Patienten wurden im definierten „Off“ untersucht. Es wurde aus den MRT-Aufnahmen der GMI (gastric motility index) als Ausdruck für die Magenmotilität ermittelt, der sich wie folgt aus Geschwindigkeit (v) und Amplitude (d) einer peristaltischen Welle zusammensetzt: GMI=v*d. Weiterhin wurden alle Teilnehmenden körperlich untersucht und mittels folgender Fragebögen klinisch charakterisiert: PANDA, H&Y, UPDRS und MMST. Es zeigte sich ein erniedrigter GMI der IPS- Patienten im Vergleich zu dem der Kontrollpersonen (KP) (11 mm2/s [IPS] vs. 16,5 mm2/s [KP]). Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant, ließ sich aber dahingehend interpretieren, dass er einen Trend hin zu einer reduzierten Magenmotilität bei IPS- Patienten anzeigte. Für die Geschwindigkeit der peristaltischen Wellen ergab sich fast kein Unterschied zwischen beiden Gruppen (2,08 mm/s [IPS] vs. 2,07 mm/s [KP]). Hingegen zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied der Amplituden mit niedrigeren Werten für die IPS- Patienten im Vergleich zu denen der KP (5,35 mm [IPS] vs. 8,06 mm [KP]). Daraus ließ sich unter Berücksichtigung der Formel für den GMI (GMI=v*d) ableiten, dass der erniedrigte GMI bei nahezu gleichbleibender Geschwindigkeit auf erniedrigte Amplituden zurückzuführen war. Die Korrelationsanalyse zeigte, dass der Altersunterschied zwischen den beiden Gruppen (62 Jahre [IPS] vs. 53 Jahre [KP]) nicht mit den Ergebnissen der Magenmotilität zusammenhing und somit eine Verzerrung, welche alleine auf den Altersunterschied zurückzuführen ist, unwahrscheinlich ist. Weiterhin zeigten sich im Streudiagramm für GMI und Amplitude keine Cluster der Werte von de novo Patienten im Vergleich zu Patienten unter Medikamenteneinnahme. Auch hier ist folglich eine Verzerrung der Ergebnisse durch diesen Faktor nicht wahrscheinlich. Langzeiteffekte der Medikation konnten wir jedoch nicht ausschließen. Wir lieferten in dieser Studie erste Evidenz, dass die Echtzeit-MRT eine geeignete Methode darstellt, um die Magenmotilität bei IPS- Patienten zu untersuchen und zusätzlich zugrunde liegende Mechanismen zu visualisieren. Dies stellt einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Methoden dar, mit denen die Untersuchung von Details der Magenentleerung in dieser Form bisher nicht möglich war. Darüber hinaus ist die MRT nicht-invasiv, gut verfügbar, strahlungsfrei, zeiteffizient, kostengünstig und liefert exakte Messdaten. Nachfolgende Studien an einer großen, homogenen Gruppe von de novo IPS- Patienten, gematchten KP und Patienten mit Erkrankungen, die das ENS beeinträchtigen, sind notwendig um diese Untersuchungstechnik hinsichtlich des diagnostischen Potentials und der Validität genauer zu evaluieren.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2011.0287