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Titel: Substratpräferenz und Mikrohabitat-Fauna-Beziehung im Eukrenal von Quellgewässern
Autor: Reiss, Martin
Weitere Beteiligte: Opp, Christian (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0108
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-01087
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0108
DDC: Geografie, Reisen
Titel(trans.): Substrate preference and microhabitat-fauna-relationship in the eucrenal of springs

Dokument

Schlagwörter:
Krenal, substratum, spring fauna, Lebensraumfunktion, Makrozoobenthos, springs, Habitat, Hydrobiologie, spring ecology, Eukrenal, Sub, substrate, Gewässer, Lebensraum, Quelle <Hydrologie>, Hydrogeographie, Wirbellose, Limnologie, Wassergüte, Habitatpräferenz

Zusammenfassung:
Das Eukrenal ist der Bereich einer Quelle an dem Grundwasser an die Erdoberfläche austritt. Somit ist es ein vom unterirdischen Wasser gebildetes und beeinflusstes Oberflächengewässer. Quellen sind demnach besondere Grenzlebensräume (Ökotone), in denen neben einer spezialisierten aquatischen Quellfauna (Krenobionte), Organismen aus den subterranen (Stygobionte) sowie Fließ- (Rhithrobionte) oder Stand-Gewässerbereichen (Limnobionte) vorkommen. In wie weit dabei bestimmte Taxa an einen solchen Lebensraum gebunden sind, war und ist ein Schwerpunkt faunistisch-ökologischer Untersuchungen zur Habitat-Fauna-Beziehung. Eine solche Einteilung der Quellpräferenz dient neben der Erfassung hydrochemischer Parameter als Indikatorwert zur naturschutzfachlichen Bewertung der Naturnähe oder als Grad einer ungestörten Entwicklung von Quellen. Dabei ist die vertikale Ausprägung des Ökotoncharakters im aquatischen Bereich, bezogen auf das Makrozoobenthos, oft berücksichtigt worden. Die Erfassung und Analyse gewässermorphologischer Strukturen ist dabei bislang vor allem unter dem Aspekt struktureller Degradationen wie Verbau durch Quellfassungen bzw. Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzungen erfolgt. Die Funktion und Bedeutung von Substraten als physische Elemente der Gewässerstruktur und als Mikrohabitate für Organismen, insbesondere für Wirbellose (Invertebraten) sind nur wenig untersucht. Im Sinne eines Äquivalents faunistisch-ökologischer Untersuchungen zur Habitat-Fauna-Beziehung im gesamten Quellhabitat fehlen gewässertypspezifische Analysen zur Substratpräferenz im Eukrenal im Sinne einer speziellen Mikrohabitat-Fauna-Beziehung weitestgehend. Hierbei ist der vertikal verlaufende Ökotoncharakter vom aquatischen zum terrestrischen Bereich überwiegend unbeachtet geblieben. Dabei ist anzunehmen, dass auch einzelne Substrattypen in diesem Grenzsaum von unterschiedlichen, möglicherweise speziellen Taxa besiedelt werden. Untersuchungen der Substratpräferenz sind vor allem in Fließgewässern wie Bächen und Flüssen sowie in stehenden Oberflächengewässern wie Seen und entsprechenden Kleingewässern durchgeführt worden. Für Quellgewässer liegen bislang nur wenige Befunde vor, zumeist auch nur für den aquatischen Bereich und taxonomisch beschränkt auf bestimmte Tiergruppen der Wirbellosen. Dieses Defizit begründet den in dieser Arbeit in der Problemstellung formulierten Forschungsbedarf. Die hieraus abgeleiteten Fragen lauten: 1. Gibt es Substratpräferenzen bestimmter Taxa (Art, Gattung, Familie) unter Berücksichtigung des Ökotoncharakters von Quellen? 2. Welche Funktion hat das Substrat bzw. der Substrattyp als Mikrohabitat für die Fauna? 3. Lässt sich eine faunistische Relevanz substratspezifischer Habitattypen für Quellgewässer feststellen? Die Arbeit kann aufzeigen, dass das Substrat eine besondere Bedeutung als Mikrohabitat für die aquatische und terrestrische Wirbellosefauna der Quellgewässer hat. Eine spezifische Substratpräferenz bestimmter Taxa ist für Mittelgebirgs-Waldquellen der untersuchten Regionen in Hessen und Thüringen festzustellen. Die Funktionen der Mikrohabitate sind vor allem in der Nahrungsgrundlage, Refugium-, Schutz- sowie Reproduktionsraum zu kennzeichnen. Die quantitative Charakterisierung der Mikrohabitat-Fauna-Beziehung kann unter Anwendung des Multihabitat-Samplings als weiter entwickelte integrierte Erfassungs- und Beprobungsmethode und dem 2-Schicht-Ansatz differenziert dargestellt werden. Für die Ableitung repräsentativer substratspezifischer Habitattypen ist eine faunistische Relevanz durch eine spezifische Besiedlung bestimmter Taxa festzustellen. Die Interpretation und Diskussion der Ergebnisse führt zu neuen Hypothesen, welche die Notwendigkeit des weiteren Forschungsbedarfs zur Thematik der Substratpräferenz und der Mikrohabitat-Fauna-Beziehung von Quellgewässern kennzeichnen.

Summary:
The function and the ecological significance of the substratum as a hydromophological element and as a microhabitat for invertebrates of springs are poorly investigated. In eco-faunistic studies which interpret the fauna-microhabitat-relationship of springheads (eucrenal), quantitative and qualitative investigations and analysis of the substrate preferences of invertebrate taxa regarding the eucrenal as an ecotone are still missing. Thereby faunistic research focuses mostly on the aquatic taxa only, rarely on terrestrial organisms. The main objectives of this study are formulated in three questions: 1. Is there a substrate preference for specific taxa considering the ecotone characteristics of springs? 2. What kind of microhabibiat functions offers the substrate type for the fauna? 3. Is there a faunistic relevance of substrate specific habitat types that can be ascertained? The results of this study show a significant relevance of the substrate as a microhabitat for the aquatic and terrestrial invertebrate fauna in springs. Therefor only forest springs of the low mountain range were investigated in regions of Hesse and Thuringia. For some taxa a specific substrate preference was found. Microhabitat functions are mostly characterized as food basis, refuge, protection and reproduction area. A first quantitative method to identify fauna-microhabitat-relationship is given with a new approach of a multihabitat-sampling as an integrated method for collecting and recording faunistic data. For the most commonly substrate specific microhabitat types the faunistic evidence and relevance was found. Some results are leading to new hypotheses, which show the importance of further research in the topic of substrate preferences of fauna and fauna-microhabitat-relationships of springs.


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