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Titel:Affektive und kognitive Theory of Mind-Leistungen bei Patienten mit Basalganglien-Erkrankungen
Autor:Bodden, Maren
Weitere Beteiligte: Rief, Winfried (Prof.)
Erscheinungsjahr:2011
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0066
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-00660
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0066
DDC:150 Psychologie
Titel(trans.):Affective and cognitive Theory of Mind-abilities in patients with basal ganglia disorders

Dokument

Schlagwörter:
Mentalizing, Mentalizing, Theory of Mind, Restless Legs Syndrome, Parkinson-Krankheit, Restless Legs Syndrom, Parkinson disease, Theory of Mind
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Zusammenfassung:
Ziel dieser publikationsbasierten Arbeit ist die Untersuchung der Theory of Mind (ToM)-Leistungen bei Patienten mit verschiedenen Basalganglien-Erkrankungen. ToM bezeichnet die Fähigkeit, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, d.h. seinen mentalen Zustand zu erfassen (Frith & Frith, 1999). Die Fähigkeit zur ToM stellt eine wesentliche Voraussetzung der erfolgreichen sozialen Interaktion dar und ist somit als eine zentrale sozial-kognitive Fähigkeit zu bezeichnen (Adolphs, 1999). Neben der kognitiven Perspektivenübernahme sind ebenso emotionale Prozesse, wie das emotionale Nachempfinden, das häufig auch als Empathie bezeichnet wird, unter diesen „umbrella term“ zu fassen (Hynes, Baird et al., 2006). Es lassen sich affektive sowie kognitive Teilleistungen des ToM-Konstrukts differen-zieren. Während affektive ToM-Prozesse vor allem das emotionale Nachempfinden der Gefühle des Gegenübers bezeichnen, beschreiben kognitive ToM-Teilleistungen das eher rationale Erschließen seiner mentalen Zustände (Decety & Jackson, 2004, Shamay-Tsoory, Aharon-Peretz et al., 2009). Zunächst werden in einer Übersichtsarbeit die aktuellen Befunde zu ToM-Leistungen bei Patienten mit verschiedenen Basalganglien-Erkrankungen zusammengetragen und mit Argu-menten auf neuropsychologischer, neuroanatomischer sowie neurophysiologischer Ebene in Verbindung gebracht. In den folgenden Studien werden zwei Patientengruppen untersucht. Studie 2 untersucht affektive und kognitive ToM-Leistungen bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung; die Patienten zeigen sich in beiden ToM-Teilleistungen beeinträchtigt. Es lässt sich vermuten, dass Patienten im Rahmen der Parkinson-Erkrankung zunächst kognitive und im weiteren Verlauf affektive ToM-Defizite entwickeln. In der Studie 3 werden Patienten mit Restless Legs Syndrom (RLS) eingeschlossen. Hierbei wird zwischen Patienten, die eine dopaminerge Medikation erhalten und denen, die (bisher) nicht medikamentös behandelt sind, differenziert. Hierbei zeigt die Patientengruppe, die dopaminerge Substitutionstherapie erhält, im Vergleich reduzierte affektive ToM-Leistungen. In der 4. Studie werden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie neurale Korrelate affektiver und kognitiver ToM-Leistungen dargestellt sowie differenziert. Ebenso zeigt sich in dieser Studie neurale Aktivierung der Basalganglien während der Bearbeitung der ToM-Aufgaben. Insgesamt legen die Ergebnisse der hier vorgelegten Studien nahe, dass die Basalganglien zu ToM-Prozessen beitragen. Zunächst stellen Beeinträchtigungen der ToM-Leistungen ein oftmals auftretendes Symptom im Rahmen von Basalganglien-Erkrankungen dar. Dies zeigt sich auch bei Patienten mit Parkinson-Erkrankungen, die sowohl in affektiven als auch kognitiven ToM-Teilleistungen Beeinträchtigungen zeigen. Ebenso zeigen Patienten mit RLS reduzierte affektive ToM-Leistungen, wobei dieses Ergebnis in Zusammenhang mit der dopaminergen Substitutionstherapie der Patienten zu sehen ist. Schließlich wird die Hypothese der Beteiligung der Basalganglien an sozial-kognitiven Prozessen wie der Fähig-keit zur ToM durch die Ergebnisse der fMRI-Studie gestützt, die neurale Aktivierung in Strukturen der Basalganglien während der Bearbeitung der ToM-Aufgabe zeigt.

Summary:
This publication-based thesis aims at investigating Theory of Mind (ToM) abilities in patients with basal ganglia disorders. The ToM concept refers to the ability to infer other peoples mental states such as desires, intentions or emotions (Frith & Frith, 1999). Therefore, ToM is a sophisticated human ability forming an essential requirement in human social interaction (Adolphs, 1999). ToM is conceptualized as an „umbrella term“ (Hynes, Baird et al., 2006). On the one hand, it entails affective, emotional processes, often referred to by the term empathy, which signify the emotional appreciation of the others emotional state. On the other hand, ToM entails cognitive processes (mental perspective taking) which comprise a more rational and explicit inferring of the speaker’s mental states (Decety & Jackson, 2004, Shamay-Tsoory, Aharon-Peretz et al., 2009). First, the data of ToM deficits in various basal ganglia disorders is reviewed and linked to neuropsychological, neuroanatomical and neurophysiological arguments accounting for the basal ganglias involvement in ToM processes (study 1). Furthermore, two studies invest-tigate affective and cognitive ToM abilities in patients suffering from basal ganglia disorders. In study 2, the examination of patients suffering from Parkinson’s disease (PD) shows patients impairments in affective as well as cognitive ToM. PD patients possibly first develop deficits in cognitive ToM which are followed by reduced affective ToM abilities in the course of the disease. Study 3 investigates ToM abilities in patients suffering from Restless Legs Syndrome (RLS). This study differentiates between patients who receive dopaminergic medication and those who do not. Only those patients receiving dopaminergic substitution therapy score lower than healthy controls in affective ToM tasks. Study 4 examines neural correlates of affective as well as cognitive ToM using fMRI. Additionally, it shows neural activation in basal ganglia structures during the ToM task. In summary, these results lead to the conclusion of basal ganglia involvement in ToM processes. ToM deficits seem to be common in basal ganglia disorders. Similar results were found in study 2, which reports difficulties of PD patients in affective as well as cognitive ToM tasks. In addition, patients suffering from RLS scored lower in affective ToM tasks, although this is only true for those patients receiving dopaminergic substitution therapy. Finally, the assumption of basal ganglia contribution to social cognitive processes like ToM is further supported by the results of the fMRI study which shows neural activation in basal ganglia structures during processing of the ToM task.


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