Makulatranslokation bei exsudativer AMD, eine retrospektive Studie unter funktionellen Gesichtspunkten

Die AMD ist in den Industrienationen die häufigste Erblindungsursache bei älteren Menschen und wird angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Formen der AMD. Zum einen die trockene oder auch atro...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Rentsch, Franck
Beteiligte: Meyer, Carsten (Prof.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2011
Augenheilkunde
Schlagworte:
AMD
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die AMD ist in den Industrienationen die häufigste Erblindungsursache bei älteren Menschen und wird angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Formen der AMD. Zum einen die trockene oder auch atrophe Form. Aufgrund des langsamen Verlaufes erscheint hier ein defensives Vorgehen durchaus gerechtfertigt. Anders verhält es sich bei der feuchten bzw. exsudativen Verlaufsform. Diese macht zwar nur 10% aller AMD Erkrankungen aus, ist aber für 90% der Erblindungen verantwortlich. Der Visusverlust tritt hier häufig relativ rasch ein und zwingt zum therapeutischen Handeln. Zu den verschiedensten therapeutischen Ansätzen zählt unter anderem auch die Makulatranslokation. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Makulatranslokation hinsichtlich ihrer Wirksamkeit was Visusstabilisierung und auch Verbesserung anbelangt zu evaluieren, sowie verschiedene prä-, intra- und postoperative Faktoren und ihren Einfluss auf das Ergebnis zu untersuchen und nicht zuletzt diese Ergebnisse im Vergleich zu anderen Therapien zu diskutieren. Insgesamt wurden in dieser retrospektiven Studie die Daten von 55 Patienten erfasst, die zwischen 2001 und 2005 bei CNV mittels Makulatranslokation um 360° mit Bulbusgegenrotation behandelt wurden. Untersucht wurde der Visus im Verlauf. Besonders betrachtet wurden der Einfluss von: 1. Alter, 2. Qualität der Läsion, 3. Größe der Läsion, 4. Dauer der Beschwerden, 5. Linsenstatus, 6. Länge der Translokationsstrecke. 16 Augen (29,1%) zeigten im Verlauf von bis zu 24 Monaten eine Verbesserung von mind. zwei Stufen, 16 Augen (29,1%) wiesen keine Veränderung auf, bei 23 Augen (41,8%) trat eine Verschlechterung des Visus um mindestens zwei Stufen ein. Die durchschnittliche Verschlechterung lag bei 4,62 Stufen, die durchschnittliche Verbesserung betrug 2,84 Stufen. Der durchschnittliche bestkorrigierte Ausgangsvisus betrug 11,00. Der durchschnittliche bestkorrigierte Endvisus lag bei 9,64. Die statistische Aufarbeitung der erhobenen Daten zeigt, dass die kleinen Läsionen mit einem deutlich besseren Ausgangsvisus starten und diesen Vorteil gegenüber der Gruppe mit den größeren Läsionen im Verlauf verlieren, besonders ausgeprägt ist der Visusverlust am Ende des Beobachtungszeitraums. Ansonsten weist keine der gegenübergestellten Gruppen einen statistisch signifikanten Unterschied auf. Betrachtet man die Visusentwicklung innerhalb der Gruppen, so stellt man fest, dass die Gruppe der über 75-Jährigen, die Gruppe mit den okkulten und RIP-Läsionen, die Patienten Linsenimplantation und die Gruppe mit den großen Tranlokationsstrecken zum Ende des Beobachtungszeitraumes einen signifikanten Visusabfall verzeichneten. Die anderen Kollektive wiesen über den gesamten Untersuchungszeitraum einen stabilen Visus auf. Somit bleibt festzuhalten, dass die Makulatranslokation in unserem Kollektiv bei 58,2% der Patienten zu einer Visusstabilisierung bzw. -verbesserung beigetragen hat. Dieses deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien. Die Ergebnisse sind somit bei der Makulatranslokation zum Teil deutlich besser als bei andere Therapien und im Gegensatz zu vielen anderen Therapieformen hat auch unsere Studie gezeigt, dass es nur wenig „Ausschlusskriterien“ gibt. Nicht zu unterschätzen ist natürlich die hohe Rate an Komplikationen. Störende Doppelbilder treten deutlich seltener auf als befürchtet. Es gibt seit der Einführung der Anti-Angiogenese eine neue, einfacher zu handhabende Therapieform mit deutlich geringerem Risiko, die ähnlich wie die Makulatranslokation bei allen Formen der CNV angewandt werden kann und visusstabilisierende bzw. -verbessernde Effekte hat. Ziel der Anti-Angiogenese ist es, die frühen Stadien zu therapieren. Bei Therapieversagern und bei Spätstadien mit Oculus-ultimus-Situation und sehr schlechtem Ausgangsvisus sowie bei großen Läsionen und Blutungen halten wir die Makulatranslokation nach wie vor für indiziert.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2011.0026