Korrelation des visuellen Diagnosesystems ICDAS-II für die okklusale Karies mit drei verschiedenen Verfahren der Fluoreszenzmessung – eine In-vitro-Studie

Der Rückgang der Kariesprävalenz geht mit einer Verschiebung der Ausprägung von kariösen Läsionen einher, wobei vor allem die Okklusalflächen der Zähne betroffen sind. Karies sollte auf Grund dieser Entwicklung nicht mehr ausschließlich auf dem Kavitationsniveau erfasst werden. Das International Car...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Rosen, Simon Martin
Beteiligte: Jablonski-Momeni, A. (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Der Rückgang der Kariesprävalenz geht mit einer Verschiebung der Ausprägung von kariösen Läsionen einher, wobei vor allem die Okklusalflächen der Zähne betroffen sind. Karies sollte auf Grund dieser Entwicklung nicht mehr ausschließlich auf dem Kavitationsniveau erfasst werden. Das International Caries Detection and Assessment System (ICDAS-II) ist ein visuelles Diagnosesystem, das Veränderungen der Zahnhartsubstanzen bereits im frühen Stadium erfassen kann. Neben der visuellen Kariesdiagnose stehen dem Zahnarzt weitere Verfahren zur Verfügung. Hierzu zählen unter anderem die Fluoreszenzmessung und die Anfertigung und Auswertung von Bissflügelaufnahmen. Ziel: Ziel der Studie war es, die Reproduzierbarkeit von vier Kariesdiagnoseverfahren zu überprüfen und zu untersuchen, ob die Anwendung für ungeübte Benutzer genauso einfach durchzuführen ist wie für geübte Benutzer. Auch sollte überprüft werden, inwieweit die Ergebnisse der Fluoreszenzkamera mit den Ergebnissen validierter Systeme korrelieren. Des Weiteren wurde geprüft, inwieweit es mit den Verfahren möglich ist, eine Dentinkaries zu diagnostizieren. Die Ergebnisse wurden mit der radiologischen Befundung verglichen. Material und Methode: 99 Messpunkte an den Okklusalflächen von 53 extrahierten Seitenzähnen wurden von zwei Untersuchern nach den Kriterien des ICDAS-II zweimal im Abstand von einem Tag befundet. Fluoreszenzmessungen mit den verschiedenen Verfahren (Diagnodent, Diagnodent Pen, VistaProof) wurden von beiden Untersuchern innerhalb von zehn Tagen nach der Extraktion durchgeführt und innerhalb eines Tages wiederholt. Anschließend wurden von allen Zähnen Röntgenaufnahmen angefertigt. Statistik: Die Reproduzierbarkeit der Messungen wurden mittels Cohens Kappa und des Intra-Klassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) berechnet. Für die Fluoreszenzverfahren wurden Bland-Altman-Plots erstellt. Die Korrelation wurde mittels der Rangkorrelation nach Spearman berechnet. Die Ergebnisse der Messungen mit den verschiedenen Diagnosesystemen wurden in Kreuztabellen den röntgenologischen Befunden gegenübergestellt. Die einfachen Kappa-Werte der ICDAS-II-Messungen lagen für die Inter-Untersucher-Reproduzierbarkeit im moderaten (κ = 0,60) und die gewichteten Kappa-Werte im substantiellen Bereich (κ = 0,74). Die Intra-Untersucher-Reproduzierbarkeit lag mit κ = 0,73 und κ = 0,47 für den einfachen Kappa-Wert und mit κ = 0,78 und κ = 0,70 für den gewichteten Kappa-Wert im moderaten bis substantiellen Bereich. Die Intra-Untersucher-Übereinstimmung ergab für alle drei Fluoreszenzverfahren eine hohe Übereinstimmung (ICC = 0,81 – 0,98). Der ICC für die Inter-Untersucher-Reproduzierbarkeit lag für alle drei Fluoreszenzverfahren im hohen Bereich (ICC = 0,76 – 0,93). Die Bland-Altman- Plots zeigten für die Intra-Untersucher-Reproduzierbarkeit folgende Mittelwerte: – 3,63 und 0,77 (Diagnodent), – 1,57 und – 1,25 (Diagnodent-Pen), 0,06 und 0,02 (VistaProof). Das ICDAS-II wies zu den Fluoreszenzverfahren eine moderate Korrelation auf (rs = 0,57 – 0,67). Von allen Verfahren zeigte das ICDAS-II die höchste Korrelation mit der röntgenologischen Untersuchung (rs = 0,60). Die Fluoreszenzmessungen ergaben im Vergleich zur röngenologischen Befundung moderate Korrelationen (Diagnodent rs = 0,39 – 0,44, Diagnodent Pen rs = 0,36 – 0,41, VistaProof rs = 0,45 – 0,48). Untereinander wiesen die drei Fluoreszenzverfahren eine moderate bis hohe Korrelation auf (rs = 0,62 – 0,93). Aus den Kreuztabellen ging hervor, dass von den 69 mit dem Röntgen als kariesfrei eingestuften Messpunkten vom ICDAS-II 93 % – 96 % richtig als kariesfrei diagnostiziert wurden (Diagnodent 70 % – 65 %, Diagnodent Pen 61 % – 58 % und VistaProof 67 % – 99 %). Von den 30 Messpunkten, bei denen mit dem röntgenologischen Verfahren eine Dentinkaries festgestellt wurde, wurden mit dem ICDAS-II 57 % – 60 %, mit dem Diagnodent 70 % – 77 %, mit dem Diagnodent Pen 73 % – 80 % und mit der Fluoreszenzkamera 7 % – 80 % richtig als Dentinkaries erkannt. Diskussion und Schlussfolgerung: Die Verfahren zeigten eine gute Reproduzierbarkeit. Ungeübte Anwender weisen schon nach einer kurzen Einführung gute Werte für die Reproduzierbarkeit auf. Damit eignen sich diese Verfahren für den klinischen Alltag und sollten schon früh in der Ausbildung von Zahnmedizinern eingesetzt werden. Ebenso ist der Einsatz zum Kariesmonitoring gut möglich. Das ICDAS-II-Verfahren wies zum Röntgen die höchste Korrelation auf. Es ist ein geeignetes Verfahren, um unter Praxisbedingungen möglichst einfach, schnell und kostengünstig eine erste Diagnose zu stellen, und sollte ebenso in der zahnärztlichen Aus- und Weiterbildung Eingang finden. Mit keinem der Verfahren war es möglich, alle Dentinläsionen aufzudecken. Die Kombination von mehreren Verfahren würde die Sicherheit bei der Erkennung einer Dentinkaries erhöhen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0561