Digitale Bibliothek der Universität Marburg
| Autor: |
Kusterer, Jan |
| Titel: |
Neue Erkenntnisse der Schwefelchemie und
Chemotaxonomie in Arten des Genus Allium |
| Titel (eng): |
New results of the sulfur chemistry
and chemotaxonomy from species of the genus Allium |
| Erscheinungsjahr: |
2010 |
| Fachbereich: |
Fachbereich Pharmazie,
Philipps-Universität
Marburg |
| Institut: |
Pharmazeutische Chemie |
| Format: |
Portable Document Format
(PDF 15M)
|
| URL: |
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2010/0127/ |
| URN: |
urn:nbn:de:hebis:04-z2010-01270 |
| DDC-Sachgruppe: |
500
Naturwissenschaften |
Kurzfassung in
Deutsch:
In dieser Arbeit wurden neue
analytische Ansätze erprobt und erfolgreich angewendet um die
Charakterisierung von Allium-Arten zu verbessern, bestimmte
Substanzen zu isolieren und zu identifizieren. Die
Artenvielfalt der Gattung Allium in Zentralasien ist,
gemessen an anderen Regionen der Welt, sehr hoch [Fritsch und
Friesen 2002]. Viele dieser Arten werden volksmedizinisch
angewendet und besitzen dadurch eine pharmazeutische
Bedeutung. Die weitere Sicherung der Arten durch Sammlung,
Identifizierung und Analyse der Inhaltsstoffe und ihrer
Wirkung ist eine große Aufgabe für die pharmazeutische
Biologie, Analytik und Pharmakologie. Eine sehr wichtige
Gruppe von wertvollen Substanzen in der Gattung Allium sind
die Cysteinsulfoxide. Die Derivatisierung von
Cysteinsulfoxiden und Aminosäuren mit ortho-Phthaldialdehyd
(OPA) und einem Thiol ist eine weit verbreitete
Derivatisierungsreaktion zur Identifizierung und
Quantifizierung von Cysteinsulfoxiden und Aminosäuren.
HPLC-Methoden auf der Basis der OPA-Derivatisierung aus
unserer Arbeitsgruppe wurden optimiert. Die Kopplung der
HPLC-Methodik mit der HPLC-MS führte zu einer Erhöhung der
quantifizierbaren Cysteinsulfoxide (12) und der erstmals
simultan analysierten Aminosäuren (11). Die Analyse der
Zwiebelproben von Allium-Arten war erfolgreich. Das Spektrum
der untersuchten Arten war sehr vielfältig. Durch die
angewendete Methodik konnten eindeutige Unterschiede zwischen
Arten nachgewiesen werden. Diese Unterschiede zeigten sich
sowohl in der qualitativen und quantitativen Zusammensetzung
der Cysteinsulfoxide als auch der detektierbaren Aminosäuren.
Diese Unterschiede zeigten sich auf verschiedenen
taxonomischen Niveaus. So zeigten sich deutliche Unterschiede
zwischen Proben einzelner Untergattungen. Aber auch in Proben
von Arten der gleichen Sektion zeigten sich interessante neue
Unterschiede. Die ermittelten Ergebnisse können hilfreich
sein für die bestehende Taxonomie der Gattung Allium. Durch
diese Arbeit ist ein Grundstock für eine differenzierte
Chemotaxonomie der Gattung Allium, auf Basis der
Cysteinsulfoxide, gelegt worden. Die Transferierung der
kombinierten HPLC/ HPLC-MS Methode auf die Analyse von
Vertretern anderer Reiche wurde durch die erfolgreiche
Analysierung der Gehalte in Marasmius alliaceus bewiesen. Im
Reich der Pilze, vor allem in der Klasse der Basidiomyceten,
findet man viele Vertreter die Cysteinsulfoxide
synthetisieren. Diese können mit der verwendeten Methodik
analysiert werden. Die Isolierung der neuen Cysteinsulfoxide,
von den bekannten Cysteinsulfoxiden und den in den Extrakten
ebenfalls enthaltenen Aminosäuren, funktionierte nicht
underivatisiert. Darum musste ein alternativer Weg gesucht
werden. Dieser fand sich in der Trennung der
OPA-derivatisierten Cysteinsulfoxide. Dieses Verfahren
funktionierte und die OPA-Derivate zeigten normalerweise eine
hohe Stabilität, so dass eine Strukturaufklärung mittels
HPLC-MS, MS/MS, HR-ESI, FT-IR, photometrischen Methoden und
NMR möglich war. Um die Struktur eines OPA-derivatisierten
Cysteinsulfoxides zu bestimmen reichen bei unserer Methode im
Schnitt 10 bis 30 g an Zwiebelmaterial aus. Es werden
Wildtypen aus Zentralasien analysiert. Darum fehlt bei vielen
Arten vor allem die Menge an Probenmaterial, um den Versuch
einer klassischen Strukturaufklärung zu starten. Durch die
Verifizierung von bislang unbekannten und bekannten
Cysteinsulfoxiden mit der neuen Strukturaufklärungsmethodik
ist eine Fülle an NMR-, IR- und MS-Daten entstanden, die bei
neuen Strukturaufklärungen hilfreich sein werden. Die
Aromakomponentenchemie der Gattung Allium ist sehr vielfältig
[Block 1992]. Die verwendete Extraktionsmethode von
Aromakomponenten wurde erfolgreich zur Bestimmung von Primär-
und Sekundärmetaboliten eingesetzt. Substanzen, denen bislang
nur eine Rolle als kurzlebiges Zwischenprodukt (Disulfoxide)
für weitere Sekundärmetabolite zugeteilt wurde, konnten in
hohen Konzentrationen gefunden werden. Ebenso konnten neue
Stoffe, wie die Cepaen-Analoga des Homoisoalliin nachgewiesen
werden. Dabei wird der Verwendung der Massenspektrometrie
eine zentrale Rolle in der Strukturaufklärung zuteil. Die
Möglichkeit der MS/MS-Fragmentierungen und HR-ESI-Messungen
direkt aus verdünnten Methanollösungen der Aromaextrakte
führte zu einer raschen Strukturaufklärung. Zusätzlich können
auch HPLC-MS-Messungen durchgeführt werden, um mehrere noch
unidentifizierte Stoffe anhand ihrer Retentionszeit und damit
anhand ihrer Polarität zu beurteilen. Die präparative
Trennung der Aromakomponenten ist möglich. Dadurch können
weitergehende Strukturuntersuchungen durch NMR-, IR- oder
photometrische Methoden durchgeführt werden. Die angefertigte
Arbeit enthält somit neue Methoden zur Quantifizierung,
Qualifizierung und Charakterisierung von Biomolekülen, die
Vorstufen, bzw. pharmakologisch wirksame Komponenten von
Allium-Extrakten darstellen.
Kurzfassung in
Englisch:
This thesis contains methods for
new analytical approaches concerning the characterisation of
Allium species. The variability of genus Allium is very high.
Many of these Allium species are used in folk medicine. One
of the active substance groups in Allium plants are the
cysteine sulfoxides. The derivatisation of cysteine
sulfoxides with ortho-phathaldialdehyde (OPA) is one of the
most common derivatisation techniques applied for the
identification and quantitation of cysteine sulfoxides and
amino acids. Known HPLC-methods based on the OPA-reaction
were optimized in this thesis. The analysis of Allium bulbs
was successful. Bulb samples of different Allium species
showed different amounts of cysteine sulfoxides and amino
acids. This variability was seen among certain subgenera and
sections. These results were often comparable to the latest
phylogenetic results and underline the applied taxonomy. The
isolation of cysteine sulfoxides is very complex. Without a
derivatisation of the cysteine sulfoxides, the separation of
certain cystein sulfoxides is nearly impossible. To identify
unknown cysteine sulfoxides, a new approach was tested and
validated. Unknown cysteine sulfoxides were separated as
OPA-derivatives. These OPA-derivatives were used for
structure elucidation by NMR- and MS-methods. With this new
method, four unknown cysteine sulfoxides and precursors could
be identified. Additional, metabolites of these cysteine
sulfoxides were identified. A combination of HPLC-, MS-,
MS/MS-, NMR-methods showed a high accuracy and reliability.
The adopted methods will be used for further
researches.
| SWD-Schlagwörter: |
Allium , Cysteinsulfoxide ,
Stipitatum, Tripedale , Chemotaxonomie |
| Freie Schlagwörter (deutsch): |
Allium ,
Cysteinsulfoxide , Stipitatum, Tripedale ,
Chemotaxonomie |
| Freie Schlagwörter (englisch): |
Allium ,
cysteinsulfoxides , Stipitatum, Tripedale , amino
acids |
| Erstgutachter: |
Keusgen, Michael (Prof. Dr.) |
| Tag der mündlichen Prüfung: |
2010-03-30 |
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