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Titel:Terror und Anti-Terror. Politische Gewalt, Sicherheitspolitik und die strategische Kultur der Terrorismusbekämpfung in Deutschland
Autor:Germann, Jan-Peter
Weitere Beteiligte: Bredow, Wilfried von (Prof. Dr. Dr.)
Erscheinungsjahr:2010
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2009/0709
DOI: https://doi.org/10.17192/z2009.0709
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2009-07096
DDC:320 Politik
Titel(trans.):Terror and Anti-Terror. Political Violence, Security and the Strategic Culture of Counterterrorism in Germany

Dokument

Schlagwörter:
Terrorism, Sicherheitspolitik, Elfter September, Internationaler Terrorismus, Terrorismus, Deutschland / Terrorismusbekämpfungsgesetz, Germany, Counterterrorism, Strategic culture, Politische Kultur, Terrorismusbekämpfung

Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund des umfassenden sicherheitspolitischen Paradigmenwechsels der jüngeren Vergangenheit verfolgt die hier vorgelegte Arbeit ein zweifaches Interesse. Zunächst soll ein diffuser Untersuchungsgegenstand – Terrorismus als Form politischer Gewalt sowie die Methoden und Strategien seiner Bekämpfung – umfassend aufgehellt werden. Dabei wird nach der ratio terroristischen Handelns ebenso zu fragen sein, wie nach einer funktionalen Abgrenzung von ähnlichen, nicht aber gleichen Strategien politischer Veränderung. Es gibt keinen Terrorismus per se, weshalb kein terroristischer Archetyp beschrieben werden kann. Zur Unterscheidung terroristischer Akteure und Agenden ist infolgedessen eine Differenzierung nach sekundären Motiven und primären Zielsetzungen erforderlich. Die Literatur hat indessen eine Vielzahl unbrauchbarer Kategorisierungsversuche hervorgebracht, die entweder an Übersimplifizierung oder aber an übermäßig scholastischem Detailreichtum leiden. Auch hat sie bisweilen falsche, d. h. empirisch widerlegbare Schlüsse gezogen; etwa jener, wonach es sich bei Terrorismus um eine grundsätzlich erfolgversprechende Strategie handele. Aus der Unschärfe des Terrorismusbegriffs folgt die Unschärfe des Bekämpfungsdiskurses. Hier sollen entlang zweier grundsätzlicher Modellierungen der Auseinandersetzung („Terrorismus als Rechtsverletzung“ und „Terrorismus als Krieg“) die wesentlichen politischen, strategischen und taktischen Bezugspunkte einer allgemeinen Terrorismusbekämpfungskonzeption aufgezeigt werden. Insbesondere mit Blick auf den zweiten Teil der Arbeit wird in diesem Zusammenhang das gegenwärtige System der Terrorismusbekämpfung in Deutschland nach seinen Regeln und Akteuren differenziert. Dabei gilt es besonders, ihre materiellen Inhalte in die Systematik staatlicher Sicherheitsgewähr zu verorten. Dies erscheint zunächst schwierig, da eine Einordnung in die hergebrachte Dualität von äußerer oder innerer Sicherheit aufgrund einer funktionalen Entdifferenzierung in der staatlichen Sicherheitsproduktion kaum noch sinnvoll gelingt. Daneben stellt die Arbeit die Frage nach der Validität der bislang soweit ersichtlich nicht (oder nur unzureichend) empirisch und theoretisch fundierten These einer „realpolitischen Verschiebung“ in der deutschen Terrorismusbekämpfungspolitik seit dem 11. September 2001. Zur Beantwortung der Frage, ob sich Veränderungen in den normativen Grundlagen deutscher Antiterrorpolitik seit dem 11. 09. 2001 in Richtung eines realpolitischen Paradigmas nachweisen lassen, wird in dieser Arbeit das Instrument der strategischen Kulturanalyse herangezogen. Es geht davon aus, dass verschiedene Akteure aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen von Sicherheit in vergleichbar erscheinenden strategischen Kontexten unterschiedliche Strategien verfolgen können.

Summary:
Given the recent and profound paradigm shift in global security, the thesis concentrates on two interrelated topics. First, terrorism as a form of political violence as well as the discourses of combating it will be comprehensively illuminated. In the process, I shall elaborate on terrorist reasoning as well as on functional dissociation from similar but not identical strategies of political change. There is no terrorism “per se”, for which reason there is no terrorist archetype. In order to differentiate terrorist actors and agendas, one therefore has to discern secondary and primary terrorist objectives. Meanwhile, literature on terrorism has originated a multitude of categories and definitions, most of whom suffer from either oversimplification or overly scholastic richness in detail. Also, this literature has occasionally drawn wrong, that is: empirically disprovable conclusions, for instance the claim that terrorism is in principle a promising strategy for weak substate actors. This fundamental blur in the notion of terrorism is consistent with a blur in state strategies to confront terrorist threats. Following two basic conceptions of combating terrorism (“terrorism as a crime” and “terrorism as war”) the thesis points out the political, strategic and tactical reference points of a general model of combating terrorism. With a view to the second part of the text, current German counter- and anti-terrorism policy is differentiated according to rules and actors. It is in this regard essential to locate its material contents into the field of state functions. This however proves to be challenging as counter-terrorism can no longer be allocated to the traditional duality of external and internal security as a result of a process of functional de-differentiation in the production of state security. Second, the thesis attempts to validate the frequently uttered but as of yet neither empirically nor theoretically very well supported assumption of a shift towards realpolitik in German counter- and anti-terrorism since 9/11. To provide an answer to the question whether there is in fact a change in the normative foundations of German policy up to the point of a realpolitik-paradigm, an altered model of strategic-cultural analysis is employed. Given the specific scope and the intrinsic constraints of any theoretical model, from a strategic-cultural perspective it can effectively be shown, that a shift towards realpolitik in German counter- and anti-terrorism policy is in fact evident in the aftermath of 9/11.


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