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Titel:Ras-induzierte Differenzierung nach Schädigung der DNA in Zellen der akuten myeloischen Leukämie
Autor:Meyer, Mona
Weitere Beteiligte: Neubauer, Andreas (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr:2009
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2009/0595
DOI: https://doi.org/10.17192/z2009.0595
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2009-05957
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Oncogenic RAS enables DNA damage dependent differentiation of acute myeloid leukemia cells in response to chemotherapy

Dokument

Schlagwörter:
Oncogene, Akute myeloische Leukämie, Chemotherapy, Cell differentiation, DNA damage response, DNS-Schädigung, Onkogen, Chemotherapie, Zelldifferenzierung, Acute Myeloid Leukemia

Zusammenfassung:
Ras-Proteine gehören zu einer Familie von Proto-Onkogenen, die für kleine GTPasen kodieren. Sie sind an vielen zellulären Prozessen wie Zellteilung, Apoptose und Differenzierung beteiligt. In 20-30% aller menschlichen Tumore weisen die RAS-Gene Punktmutationen auf, die das Protein in einen konstitutiv aktiven Zustand versetzen. Aus einer retrospektiven Studie von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (CALGB 8525) ist hervorgegangen, dass es eine Korrelation zwischen RAS-Status und Rezidivrate nach hochdosierter Cytarabin-Behandlung gibt. Patienten mit mutiertem RAS und Hochdosis-Cytarabin Behandlung, entwickelten signifikant weniger häufig Rezidive als Patienten mit wildtyp RAS oder Patienten, die mit Niedrigdosis-Cytarabin behandelt wurden. Somit geht aus der Studie hervor, dass die Expression eines Onkogens in Tumorzellen positive Auswirkungen auf die Behandlung mit Chemotherapeutika haben kann. Ausgehend von dieser Beobachtung sollte in dieser Arbeit der Effekt von onkogenem RAS in einem Zellsystem in vitro studiert und die molekularen Mechanismen aufgeklärt werden. Um onkogenes Ras in einem Zellsystem zu untersuchen, das als Model für akute myeloische Leukämie herangezogen werden kann, wurden hämatopoetische Zellen der Maus, die mit dem onkogenen Fusionsprotein MLL-ENL immortalisiert wurden, verwendet. Das Fusionsonkoprotein MLL-ENL kommt ausschließlich in Leukämien vor und die Zellen zeigen einen myeloischen Phänotyp. Diese Zellen wurden mit einem Kontrollvektor bzw. mit einem Vektor, der onkogenes RASV12 exprimiert, infiziert und auf die Behandlung mit Chemotherapeutika, insbesondere Cytarabin, untersucht. Die zytotoxische Wirkung von Cytarabin beruht darauf, dass die Substanz das Fortschreiten der Replikationsgabel behindert, woraufhin eine NASchadenssignalkaskade aktiviert wird, die nachfolgend Zellzyklusarrest oder Apoptose vermittelt. Cytarabin wirkt somit hauptsächlich auf Zellen, die sich in der Replikationsphase befinden. In Suspension wiesen die RAS-infizierten Zellen auf die Behandlung mit Cytarabin keinen Unterschied zu den Kontroll-Zellen hinsichtlich Zellzahl, Zellzyklus und Apoptose auf. Erfolgte die Kultivierung jedoch in semisolidem Medium, um die Klonogenität der Zellen zu untersuchen, zeigten die RAS-infizierten Zellen nach der Behandlung mit Cytarabin, Etoposid und Daunorubicin, eine starke Einschränkung in der Koloniebildung. Um die Ursache festzustellen, wodurch die klonogenen Zellen eliminiert werden, wurden die Zellen hinsichtlich Apoptose, Seneszenz und Differenzierung untersucht. Expressions- und Durchflusszytometrie-Analysen von Apoptosemarkern belegen, dass die Induktion von Apoptose in den RAS-infizierten Zellen niedriger war als in den Kontroll-Zellen und Apoptose damit nicht als Ursache für die eingeschränkte Klonogenität herangezogen werden kann. Aus der Literatur ist bekannt, dass die Infektion von primären Zellen mit onkogenem Ras eine DNA-Schadensantwort aktiviert, die einen seneszenten Phänotyp auslöst. Seneszente Zellen zeichnen sich durch eine erhöhte Expression von p53, p21Cip1 und des Ink4/Arf Locus (mit den Tumor Suppressoren p16Ink4a, p19Arf und p15Ink4b) aus. Zudem exprimieren seneszente Zellen das Enzym SA-β-Galaktosidase, dessen Aktivität in den Zellen sichtbar gemacht werden kann. Die Untersuchung der Kontrollproteine Chk1, H2A.x und ATM ergab, dass die DNASchadensantwort nur in den RAS-infizierten Zellen aktiviert war und diese durch Cytarabin weiter verstärkt wurde. Die Proteine p53, p21Cip1, p16Ink4a, p19Arf und p15Ink4b wurden in den RAS-infizierten Zellen stärker exprimiert als in den Kontroll-Zellen und durch Cytarabin teilweise weiter induziert (p53 und p21Cip1). Dagegen wurde das Enzym SA-β-Galaktosidase, sowohl in Kontroll-Zellen als auch in RAS-infizierten Zellen durch die Behandlung mit Cytarabin gleichermaßen aktiviert, was einen Hinweis darauf gibt, dass Cytarabin in Kontroll-Zellen Seneszenz auslösen kann. Die oben genannten Proteine sind auch in differenzierten Zellen stärker exprimiert. Ferner löst onkogenes Ras in hämatopoetischen Zellen Differenzierung aus, was im Übrigen auch für Cytarabin gezeigt wurde. Expressions- und Durchflusszytometrie-Analysen der Differenzierungsmarker ly6g (Gr1) und itgam (Mac1) zeigen, dass RAS-infizierte Zellen stärker differenziert waren als Kontroll-Zellen und die Behandlung mit Cytarabin die Differenzierung weiter verstärkte. Dies wurde auch anhand der Morphologie der Zellen bestätigt. Entscheidend für die Induktion der Differenzierung war dabei die Aktivierung der DNASchadenssignalkaskade, was durch die zusätzliche Behandlung der Zellen mit dem ATM/R-Inhibitor Koffein belegt werden konnte. Die Ergebnisse dieser Arbeit weisen darauf hin, dass konventionelle Zytostatika einen weiteren Mechanismus zur Tumorbekämpfung aktivieren können: Differenzierung. Differenzierung als therapeutischer Ansatz findet bereits in der Behandlung der akuten Promyelozyten Leukämie Anwendung. Die Induktion der Differenzierung könnte vor allem für Tumor-initiierende Zellen von größtem Interesse sein. Diese Krebsstammzellen werden durch herkömmliche Chemotherapeutika oft nicht vollständig eliminiert und können somit Ursache für Rezidive sein. Die Entwicklung von Substanzen, die die Differenzierung dieser Zellen aktivieren, wäre ein wichtiger Schritt der Resistenz vieler Tumorzellen gegenüber Chemotherapeutika entgegenzuwirken.

Summary:
Ras proteins belong to a family of proto-oncogens that encode small GTPases, found to be involved in many cellular processes like cell division, apoptosis and differentiation. Remarkably, 20-30% of all human tumours contain activating mutations in the RAS genes. A retrospective study of a part of patients with acute myeloid leukaemia treated within CALGB 8525 revealed a correlation between RAS-mutations and chemotherapeutic treatment (cytarabine). AML patients harbouring oncogenic RAS showed significantly less cumulative incidence of relapse upon treatment with highdose cytarabine in the post-induction chemotherapy, when compared to AML patients with oncogenic RAS treated with low-dose cytarabine. In contrast, dose escalation had a much weaker effect on the response to cytarabine in patients that harbour wildtype RAS. This study showed that an oncogenic mutation can mediate a beneficial effect towards chemotherapeutic treatment. However, the molecular basis of this observation was not understood. Therefore, the aim of this work was to investigate the effect of oncogenic RAS on response and the molecular mechanisms that mediate this effect in a cell system in vitro. To this end, we took advantage of mouse bone marrow cells immortalized by the MLLENL oncogene. MLL-ENL expressing cells define a leukemia-initiating cell population resembling acute myeloid leukaemia in humans. These cells were co-infected with either an empty vector or a vector expressing oncogenic RAS and subsequently their response to chemotherapeutic substances like cytarabine was tested. The cytotoxic effect of cytarabine is due to replication fork stalling which leads to the activation of the DNA-damage response followed by cell cycle arrest and apoptosis. Therefore, cytarabine targets mainly proliferating cells. There was no difference in response to cytarabine between control cells and RASinfected cells in suspension with regard to cell survival, cell cycle and apoptosis. However, when cells were cultured in semisolid media to evaluate colony formation, the treatment with chemotherapeutic drugs (cytarabine, etoposide, daunorubicine) led to a compromised colony formation only in RAS-infected cells. In order to identify the process responsible for elimination of clonogenic cells upon treatment, the status of apoptosis, senescence and differentiation was checked in these cells. Expression- and flow cytometry-analysis revealed no impact of cytarabine treatment on apoptosis of RAS-infected cells. They rather showed less apoptosis after cytarabine treatment compared to control cells. Therefore, in the RAS expressing cells apoptosis did not account for the reduced clonogenicity observed. Previous work has showed that oncogenic Ras expressing cells activate a DNAdamage response, which subsequently leads to a senescent phenotype. Senescent cells show high expression of the tumour suppressors p53, p21Cip1, p16Ink4a, p19Arf and p15Ink4b and express SA-β-Galactosidase whose activity can be visualized. The present work shows that the checkpoint proteins Chk1, H2A.x and ATM were activated (phosphorylated) only in RAS-infected cells and that treatment with cytotoxic drugs enhanced the phosphorylation of these proteins. Similarly, the expression of p53, p21Cip1, p16Ink4a, p19Arf and p15Ink4b was induced in RAS-infected cells and the levels of p53 and p21Cip1 were further enhanced upon cytarabine treatment. In contrast, cytarabine treatment led to an activation of SA-β-Galactosidase in both control cells and RAS-infected cells, suggesting that cytarabine induces senescence in control cell. The above-mentioned proteins are not only highly expressed in senescent cells but also in differentiated cells. It is also known that, both oncogenic Ras and cytarabine can induce differentiation in hematopoietic cells. Expression- and flow cytometry-analysis for the differentiation markers ly6g (Gr1) and itgam (Mac1) revealed that RAS-infected cells were more differentiated than control cells and that the differentiation was further induced upon cytarabine treatment. Of note, the Ras- and cytarabine induced differentiation was inhibited upon co-treatment with the AMT/R Inhibitor caffeine, suggesting that activation of the DNA damage response pathway is critical for Ras- and cytarabine induced apoptosis. The data of this study point out, that conventional cytostatic drugs can activate a further fail-safe mechanism, differentiation, besides inhibition of proliferation and induction of apoptosis. These in vitro data are consistent with the data obtained in acute promyelocytic leukaemia where induction of differentiation, by given high-doses of retinoic acid concomitantly with chemotherapy, is associated with higher cure rates and therefore is an attractive goal for anticancer therapy. Induction of differentiation is of particular interest to the eradication of tumour-initiating cells, since conventional therapeutics often do not eliminate those cells, therefore causing resistance. Screening of new compounds, which activates the differentiation of tumour-initiating cells, would be an important tool in order to counteract the resistance of tumour cells towards chemotherapeutic drugs.


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