Digitale Bibliothek der Universität Marburg
| Autor: |
von Korff, Jessica |
| Titel: |
Bindungsdiagnostik mittels Adult
Attachment Projective bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder
Herzinsuffizienz-Risikofaktoren |
| Titel (eng): |
Attachment diagnostics via Adult
Attachment Projective in patients with heart failure or risk
factors for a heart failure |
| Erscheinungsjahr: |
2009 |
| Fachbereich: |
Medizin,
Philipps-Universität
Marburg |
| Institut: |
Innere Medizin |
| Format: |
Portable Document Format
(PDF 2.0M)
|
| URL: |
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2009/0594/ |
| URN: |
urn:nbn:de:hebis:04-z2009-05948 |
| DDC-Sachgruppe: |
610
Medizin |
Kurzfassung in
Deutsch:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die
koronare Herzkrankheit und die Herzinsuffizienz stellen die
häufigste Todesursache in Deutschland dar. Damit nimmt die
Identifizierung von Risikofaktoren neben
klinisch-therapeutischen Gesichtspunkten ein zentrales
Aufgabenfeld in der Erforschung der Problematik ein. Rein
somatische Aspekte dieser Krankheiten stellten sich als
unzulänglich heraus, so dass sich das Augenmerk im Sinne
einer differenzierteren Sichtweise inzwischen auch auf
psychische und soziale Faktoren richtet. Da das in der
Psychologie bereits etablierte Forschungsgebiet der
Bindungstheorie bezüglich psychosomatischer Dimensionen
bislang kaum durchleuchtet wurde, konzentriert sich die
vorliegende Arbeit auf bindungstheoretische Ansätze in Bezug
auf Risiko- und Krankheitsverhalten bei kardialen
Erkrankungen. 45 Patienten mit den Einschlusskriterien
Hypertonus, Diabetes mellitus, Schlafapnoesyndrom oder KHK
wurden zum Teil im Uniklinikum Marburg und zum Teil im
Uniklinikum Göttingen untersucht. Mittelpunkt der
Querschnittsstudie sind das Bindungsmuster, welches auf zwei
unterschiedliche Weisen getestet wurde, sowie Angst und
Depressivität bei Patienten mit einer manifesten
Herzerkrankung (KHK und/oder Herzinsuffizienz) oder
Risikofaktoren für eine solche Erkrankung. Im Einzelnen
wurden eine kardiologische Anamnese sowie das
Bindungsinterview Adult Attachment Projective (AAP) erhoben;
zudem beantworteten die Patienten die
Lebensqualitäts-Fragebögen Relationship Scales Questionnaire
(RSQ) zur Beurteilung des Bindungsstils und Hospital Anxiety
and Depression Scale (HADS) zur Einschätzung von Angst und
Depressivität. Es fiel eine niedrige Prävalenz an sicher
(15,6%) und eine hohe Prävalenz an desorganisiert
klassifizierten Personen (62,2%) im AAP auf, welches ein
Indiz für einen hohen Grad an Traumatisierungen in diesem
Kollektiv darstellen kann. Im RSQ lag der Akzent auf dem
sicheren Bindungsstil (68,4%). Dies entspricht in etwa den
derzeitigen Größenordnungen für nicht-klinische Stichproben
anderer Studien. Der Vergleich der zwei Methoden zur
Erfassung von Bindung, AAP und RSQ, offenbarte, dass sich 60%
der im AAP desorganisiert Gebundenen im RSQ als
bindungssicher darstellten und nicht als unsicher, wie
hypothetisch angenommen. Diese deutliche Ergebnisdivergenz
der beiden Methoden legt nahe, dass Unterschiedliches
gemessen wurde: Im AAP stehen unbewusste Abwehrprozesse der
Probanden im Vordergrund, der RSQ misst bewusste Emotionen
über die Beziehungen der Personen. Welches dieser beiden
Instrumente zur Erfassung des Bindungsmusters eher mit
klinischen Befunden und psychischem Befinden zusammenhängt,
konnte nicht abschließend geklärt werden. Bezogen auf Risiko-
bzw. Herzpatienten ergaben sich weder im AAP noch im RSQ
signifikante Ergebnisse. Von den einzelnen somatischen
Parametern zeigte lediglich das Gesamtcholesterin im Serum
signifikant höhere Werte bei den AAP-Desorganisierten (Median
208 mg/dl) als bei den AAP-Organisierten (Median 181 mg/dl).
In Bezug auf psychische Faktoren wurden signifikant höhere
Depressivitätswerte sowohl bei den desorganisiert gebundenen
Patienten im AAP (Median 5,5) im Gegensatz zur organisierten
Bindungskategorie (Median 3,0), als auch bei den unsicher
gebundenen Probanden im RSQ (Median 6,5) im Gegensatz zu den
sicher gebundenen (Median 3,5) aufgedeckt. Im RSQ stellte
sich zudem ein hochsignifikanter Unterschied in den
Angstwerten heraus (Median 8,5 bei den unsicheren versus
Median 3,0 bei den sicheren Patienten). Dies führt zu dem
Schluss, dass das Bindungsverhalten zumindest auf die
psychische Gemütslage deutlichen Einfluss nimmt. Dies
wiederum kann sich stark auf Gesundheitsverhalten und
klinisches Befinden auswirken, was sich auch im Trend zu mehr
auffälliger Depressivität bei den manifest Herzerkrankten im
Patientenkollektiv widerspiegelte. Es zeigte sich somit, dass
das Bindungsverhalten auf verschiedene Weise erhoben werden
kann, bezüglich der Messung somatischer und psychischer
Faktoren jedoch keines der beiden Instrumente eindeutig dem
anderen überlegen scheint. Grundsätzlich ist es sicherlich
sinnvoll wie spannend, das Zusammenspiel von Bindung, Psyche
und Somatik weiter zu erforschen.
Kurzfassung in
Englisch:
Cardiovascular diseases as
coronary heart disease and heart failure are the most common
cause of death in Germany. This is why the identification of
risk factors plays an important role in investigating the
problem. Merely somatic aspects of these diseases turned out
to be insufficient, so the attention meanwhile centers also
on psychic and social factors. The criterions for inclusion
contained arterial hypertension, diabetes mellitus, sleep
apnea or coronary heart disease. 45 patients were examined,
partly in the university hospital of Marburg and partly in
the university hospital of Göttingen. This cross-sectional
study focuses on Adult Attachment, anxiety and depression in
patients with an apparent heart disease or risk factors for
such a disease. In detail, we documented the cardiac history,
the Adult Attachment Projective (AAP), and the quality of
life questionnaires Relationship Scales Questionnaire (RSQ)
and the Hospital Axiety and Depression Scale (HADS). We found
a low prevalence of secure (15,6%) and a high prevalence of
unresolved attached persons (62.2%) in the AAP, which could
indicate a high level of traumatic experiences in this
sample. In RSQ, the focus was on the secure attachment style
(68,4%). This is in accord with other non-clinical samples.
By comparing the two measures to assess attachment, AAP and
RSQ, we revealed that 60% of the “unresolved/disorganized”
patients in the AAP were rated “secure” in RSQ. We assume
that we measured different things: AAP accentuates on
unconscious defensive processes, while RSQ measures conscious
emotions on the persons’ relationships. Regrettably, we were
unable to resolve which of these two instruments to assess
attachment is more likely associated with clinical findings
and mental health. With respects to risk- versus heart
patients neither AAP nor RSQ led to significant results.
Solely serum cholesterol shows significantly higher rates in
AAP disorganized (median 208 mg/dl) than in AAP organized
persons (median 181 mg/dl). Referring to psychic factors, we
found significantly higher depression rates both in
disorganized patients in AAP (contrary to organized attached
persons; median 5.5 versus 3.0) and in insecure patients in
RSQ (compared to securely attached beings; median 6.5 versus
3.5). Furthermore, we were able to exhibit a highly
significant difference in axiety rates (median 8.5 in the
insecure versus 3.0 in the secure). Altogether, this leads to
the conclusion that attachment behavior has a strong impact
on the patients’ psychic mood. In turn, this may affect
health behavior, which reflects a trend towards a higher
level of depression in cardiac patients. Adult Attachment may
be evaluated by different measures, concerning somatic and
psychic factors non of the instruments is clearly superior to
the other one yet. Basically, it is both reasonable and
exciting to further investigate the interaction of
attachment, psyche and somatic factors.
| SWD-Schlagwörter: |
Bindungstheorie <Psychologie>
, Chronische Herzinsuffizienz , Angst , Depressivität ,
Koronare Herzkrankheit , HADS-D |
| Freie Schlagwörter (deutsch): |
|
| Freie Schlagwörter (englisch): |
Adult Attachment
Projective , Relationship Scales Questionnaire |
| Erstgutachter: |
Herrmann-Lingen, Christoph (Prof.
Dr.) |
| Tag der mündlichen Prüfung: |
2009-09-24 |
© 2011
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