Die diagnostische Richtigkeit von CT und MRT bei V.a. akute Appendizitis-eine Metaanalyse-

Nach wie vor ist die korrekte und frühzeitige Diagnosestellung der akuten Appendizitis schwierig. Bei ca. 20% der Patienten, bei denen eine akute Appendizitis diagnostiziert wird, ist die Diagnose falsch, und es wird bei einer Appendektomie unnötigerweise eine normale Appendix entfernt. Auch trotz z...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Görler, Nicola
Beteiligte: Sitter, Helmut (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Nach wie vor ist die korrekte und frühzeitige Diagnosestellung der akuten Appendizitis schwierig. Bei ca. 20% der Patienten, bei denen eine akute Appendizitis diagnostiziert wird, ist die Diagnose falsch, und es wird bei einer Appendektomie unnötigerweise eine normale Appendix entfernt. Auch trotz zunehmender Verfügbarkeit neuer diagnostischer Technologien, wie Sonographie und Computertomographie, hat die Rate der Fehldiagnosen nicht abgenommen. Ziel dieser Dissertation war es, die vorhandene Evidenz zur Appendizitisdiagnostik mittels Computertomographie und Magnetresonanztomographie zusammenzufassen, die diagnostische Genauigkeit der beiden bildgebenden Verfahren unter Berücksichtigung der methodischen Qualität der Originalarbeiten zu bewerten und den Bedarf für die Durchführung zukünftiger Studien aufzudecken. Im Speziellen sollte die Technik der fokussierten CT-Untersuchung mit der nicht fokussierten Technik verglichen und als Alternative mit geringerer Strahlenexposition evaluiert werden. Es wurde eine umfassende Literaturrecherche mit der Datenbank PubMed durchgeführt und die Literaturverzeichnisse der aufgenommenen Studien kontrolliert. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde von zwei Begutachtern unabhängig voneinander beurteilt und die Studien dann einem bestimmten Evidenzgrad zugeordnet. Bei Nichtübereinstimmung der beiden Begutachter wurde ein dritter Experte zur Konsensusbildung hinzugezogen. Dann wurde eine Metaanalyse der eingeschlossenen Arbeiten durchgeführt und die diagnostischen Richtigkeiten der einzelnen Studien mittels bivariater Analyse zusammengefasst. Die bivariate Analyse erlaubt es, den zweidimensionalen Charakter der Daten der Studien in Form von Sensitivität und Spezifität zu erhalten, während eine mögliche negative Korrelation der Maße explizit berücksichtigt wird. Die Genauigkeit, mit der Sensitivität und Spezifität bestimmt wurden, wird bewertet und die Studien dementsprechend unterschiedlich gewichtet. Es konnten 86 Publikationen zur Computertomographie mit einer Gesamtzahl von 12369 Patienten und 6 Studien zur Magnetresonanztomographie (203 Patienten) identifiziert werden, die den Ein- und Ausschlusskriterien entsprachen. Aufgrund erheblicher methodischer Schwächen und einer mangelhaften Berichterstattung der Originalstudien konnten nur 20 der 86 Studien zur CT-Diagnostik und keine der sechs Studien zur Magnetresonanztomographie dem höchsten Evidenzgrad 1b zugeordnet werden. Methodische Schwächen fanden sich insbesondere im Bereich der Durchführung und Beschreibung des Referenzstandards und des Follow-ups sowie der unabhängigen Durchführung von diagnostischem Test und Referenzstandard. Für die Computertomographie konnte die durchgeführte bivariate Analyse aller eingeschlossenen Arbeiten mit einer Sensitivität von 93,7% (95%-Konfidenzintervall 92,2-95,0%) und einer Spezifität von 90,7% (95%-Konfidenzintervall 87,5-93,2%) eine gute diagnostische Richtigkeit erzielen. Eine Subgruppenanalyse der Arbeiten, unterteilt nach Evidenzgrad bzw. Impaktfaktor der Fachzeitschrift, zeigte auch für die Originalarbeiten höchster Qualität sowie Publikationen aus Fachzeitschriften mit hohem Impaktfaktor (größer 3) eine gute diagnostische Genauigkeit. Der Vergleich von Studien mit fokussierter CT-Technik mit Studien, die eine nicht fokussierte Technik verwendeten, zeigte für die fokussierte Technik eine höhere Spezifität bei gleicher Sensitivität. Des Weiteren scheint auch das Potential, alternative Diagnosen zu identifizieren, durch die Verwendung der fokussierten Technik nicht beeinträchtigt zu sein. Auch für die Magnetresonanztomographie zeigte die durchgeführte bivariate Analyse viel versprechende Ergebnisse auf: Sensitivität 92,5% (95%-Konfidenzintervall 80,6-97,3%); Spezifität 89,1% (95%-Konfidenzintervall 83,4-93,0%). Insgesamt ist jedoch aufgrund der geringen Anzahl von Studien der Stellenwert der Magnetresonanztomographie in der Diagnostik der akuten Appendizitis bisher nur schwer zu beurteilen. Daher bedarf es hochwertiger prospektiv durchgeführter Studien mit größeren Stichprobenzahlen, um den Stellenwert der MRT-Untersuchung und der fokussierten CT-Technik in der Appendizitisdiagnostik zu bestimmen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0420