Korrelation bildgebender und histopathologischer Parameter von Mammaläsionen. Resultate der medizinischen Routineversorgung an der Universitätsfrauenklinik Marburg

Die qualitätsgesicherte Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms stellt eine interdisziplinäre Herausforderung dar und liefert nur bei optimaler Zusammenarbeit aller daran beteiligten Disziplinen gute Ergebnisse. Leitlinien wie die „Stufe-3-Leitlinie zur Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland“ ste...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Neeße, Anne Kathrin
Beteiligte: Jackisch, C. (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die qualitätsgesicherte Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms stellt eine interdisziplinäre Herausforderung dar und liefert nur bei optimaler Zusammenarbeit aller daran beteiligten Disziplinen gute Ergebnisse. Leitlinien wie die „Stufe-3-Leitlinie zur Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland“ stellen dabei systematisch entwickelte Thesen dar, die anhand von Qualitätsindikatoren eine optimale Gesundheitsversorgung von Patientinnen im klinischen Alltag sicherstellen sollen. Ist eine suspekte Mammaläsion auffällig geworden, so stehen am Anfang der diagnostischen Kette vorwiegend bildgebende Verfahren wie Inspektion/Palpation, Sonographie und Mammographie, an Hand derer das weitere diagnostische und ggf. therapeutische Procedere festgelegt wird. Zur Vereinheitlichung der erhobenen Befunde dieser Verfahren erfolgt eine Klassifizierung der jeweiligen Mammaläsion nach dem BI-RADS System. Ein BI-RADS Kriterium in einer der genanten Untersuchungsmethoden von ≥ 4 gilt als Schwellenwert für angeschlossene minimal invasive Verfahren. Diese zumeist bildgesteuerten, minimal-invasiven Nadelbiopsien stellen etablierte Verfahren in der senologischen Diagnostik dar und dienen neben der Ermittlung des histologischen Befundes (Tumortyp) auch der Bestimmung von prädiktiven und prognostischen Parametern. Zu diesen Parametern zählen Grading, Östrogenrezeptorstatus, Progesteron-rezeptorstatus sowie der immunhistochemisch bestimmte und ggf. mittels FISH verifizierte Her2/neu-Rezeptorstatus einer Mammaläsion. Neben dem Alter sowie ggf. weiteren Patienten-individuellen Kriterien sind diese Faktoren maßgebend für die Festlegung des im Anschluss durchgeführten therapeutischen Procedere. Im heutigen klinischen Alltag steht die primärsystemische Therapie zunehmend noch vor der operativen Therapie einer malignen Mammaläsion, sodass eine möglichst frühzeitige Bestimmung der genanten Parameter große Relevanz erhält. Die einzelnen diagnostischen Verfahren der Versorgungskette werden, wie oben dargestellt, konsekutiv durchgeführt. Die Qualitätssicherung jedes einzelnen Verfahrens ist daher von großer Bedeutung für die Sicherung einer insgesamt optimalen senologischen Versorgung. Ziel dieser Analyse war es, einzelne Aspekte der oben geschilderten Routineversorgung von Mammaläsionen an der Universitätsfrauenklinik Marburg auf ihre Qualität hin zu überprüfen. Dies geschah auf Grundlage der Daten aller Patientinnen, die im Zeitraum 2001-2004 an der Universitätsfrauenklinik Marburg eine bioptische Untersuchung einer im Vorfeld auffällig gewordenen Mammaläsion erhielten. Auf diese Weise wurden die Daten von 1388 Patientinnen mit insgesamt 1463 Biopsien berücksichtigt. In 744 Fällen folgte der Biopsie ein operativer Zweiteingriff. Erster Gegenstand dieser Analyse war die Frage nach einer gelungenen Implementierung der „Stufe-3-Leitlinie zur Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland“ an der Universitätsfrauenklinik Marburg. Zum zweiten wurden die verschiedenen diagnostischen Verfahren zur Beurteilung einer Mammaläsion auf ihre Vorhersagekraft und Verlässlichkeit hin überprüft. Für die einzelnen bildgebenden Verfahren (Inspektion/Palpation, Mammographie und Sonographie) wurden hierzu statistische Gütekriterien wie Sensibilität, Spezifität, positiv-, und negativ prädiktiver Wert ermittelt. Die jeweilige BI-RADS-Klassifikation einer Mammaläsion nach Bildgebung wurde dazu mit den stanzbioptisch und/oder am Tumorexisionsmaterial bestimmten histologischen Befunden korreliert. Als weiteres erfolgte die Validierung der Nadelbiopsie als Verfahren zur Bestimmung der oben genanten prognostischen und prädiktiven Parameter. Dazu wurde die Übereinstimmung der entsprechenden am Stanzmaterial bestimmten Parameter (Grading, Östrogenrezeptorstatus, Progesteronrezeptorstatus, Her2/neu-Rezeptorstatus) mit denen der erneuten Bestimmung am Tumorexisionsmaterial überprüft. Den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit zufolge konnte eine Leitlinien-getreue Diagnostik und Therapie von Mammaläsionen an der Universitätsfrauenklinik Marburg in Zeitraum 2001-2004 gewährleistet werden. Die einzelnen diagnostischen Methoden (Inspektion/Palpation, Sonographie und Mammographie) konnten mit hoher Sensitivität und Spezifität den histologischen Befund nach Biopsie und/oder Tumorexision vorhersagen. Bei guter Übereinstimmung der prognostischen und prädiktiven Parameter (Grading, Östrogen-, Progesteron-, und Her2/neu-Rezeptorstatus) am Stanzmaterial einerseits und am Tumorexisionsmaterial andererseits erscheint es empfehlenswert, auf die zweifache Befundung in Zukunft zu verzichten und von einer Validität der nadelbioptischen Methoden auszugehen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0353