Psychopathologie der Binge-Eating-Störung im Kindesalter - Psychosoziale Risikofaktoren und aufrechterhaltende Bedingungen

Ziel der vorliegenden publikationsbasierten Dissertation war es, einen Beitrag zu leisten zur Klärung potentieller Risikofaktoren und aufrechterhaltender Bedingungen der „Binge-Eating“-Störung im Kindesalter. Bei Erwachsenen konnten eine Reihe psychosozialer Risikofaktoren der „Binge-Eating“-Störun...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Czaja, Julia
Beteiligte: Hilbert, Anja (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Ziel der vorliegenden publikationsbasierten Dissertation war es, einen Beitrag zu leisten zur Klärung potentieller Risikofaktoren und aufrechterhaltender Bedingungen der „Binge-Eating“-Störung im Kindesalter. Bei Erwachsenen konnten eine Reihe psychosozialer Risikofaktoren der „Binge-Eating“-Störung bestimmt werden. Auch Jugendliche berichten von Diäterfahrungen vor ersten Essan-fällen. Außerdem scheint Emotionsregulation eine wichtige Rolle in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essanfällen zu spielen. Weitere Studien deuten darauf hin, dass Auffäl-ligkeiten in der Eltern-Kind-Interaktion mit gestörtem Essverhalten assoziiert sein können. Eine Untersuchung dieser Faktoren bei Kindern mit Essanfällen liegt bislang nicht vor. An einer Stichprobe von 60 Kindern mit mindestens einem Essanfall während der letzten drei Monate und 60 Kindern ohne Essanfälle (individuell gematcht hinsichtlich Geschlecht, Alter, Perzentile des Body-Mass-Index, Schulform des Kindes und Bildungsstand der Mutter) wurden verschiedene Hypothesen getestet. Zunächst wurde geprüft, ob sich Kinder mit und ohne Essanfälle hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Emotionsregulation unterscheiden. Kinder mit Essanfällen gaben im Fragebogen an, häufiger maladaptive Regulationsstrategien, besonders bei Angst, aber auch bei Wut zu verwenden als Kinder ohne Essanfälle. Keine Unterschiede zeigten sich allerdings bei der Regulation von Traurigkeit und in der Häufigkeit adaptiver Strategien. Als nächstes wurden psychosoziale Risikofaktoren von Essanfällen mittels Interview erfragt. Es zeigte sich, dass Kinder vor dem Beginn erster Essanfälle einer Reihe diätbezogener Risikofak-toren, aber auch familiärer Probleme ausgesetzt waren. Zusätzlich erlebten sie in dem Jahr vor ersten Essanfällen mehr kritische Lebensereignisse als Kinder ohne Essanfälle. Als Prädiktoren von Essanfällen stellten sich folgende retrospektiven Korrelate heraus: geringe elterliche An-teilnahme, kritische Kommentare der Familie zu Figur, Gewicht und Essverhalten des Kindes und das kritische Lebensereignis Schulwechsel. Das dritte Anliegen bestand in einer Untersuchung der Familien-Interaktion während einer Abendmahlzeit in der naturalistischen Umgebung. Bei Familien von Kindern mit Essanfällen ließen sich gestörte Kommunikationsmuster, maladaptive elterliche Anteilnahme und ein insgesamt negatives Funktionsniveau beobachten. Hinsichtlich kritischer Kommentare, Auffor-derungen zu essen oder Restriktion ließen sich jedoch keine Unterschiede finden. Insgesamt konnten in dieser querschnittlichen Studie wichtige Korrelate von Essanfällen im Kindesalter nachgewiesen werden. Eine Reihe diätbezogener Faktoren, elterliche Probleme und kritische Lebensereignisse scheinen vor dem Beginn von Essanfällen vorhanden zu sein und müssten in prospektiven Studien als Risikofaktoren bestätigt werden. Essanfälle gehen mit Defiziten in der Emotionsregulation einher sowie mit maladaptiven Verhaltensmerkmalen während Mahlzeiten in den Familien. In Prävention und Intervention sollten daher Trainings-verfahren zur Emotionsregulation und Informationen zu Diätrisiken berücksichtigt werden, wobei auch die Eltern zur Verbesserung der Kommunikation und Stärkung der Anteilnahme zu integrieren wären.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0101