Radiologische Untersuchung des Os temporale mittels digitaler Volumentomographie und Computertomographie -Eine vergleichende Untersuchung an anatomischen Felsenbeinpräparaten

Zu den Standardtechniken der radiologischen Untersuchung des Felsenbeins gehört heutzutage die hochauflösende Computertomographie in axialer und koronarer Schichtung. Die digitale Volumentomographie hingegen ist ein relativ neuartiges Verfahren, das bisher vor allem in der Mund-Kiefer-Gesichtschirur...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Hamzei, Stella Jasmin
Beteiligte: Teymoortash, Afshin (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Zu den Standardtechniken der radiologischen Untersuchung des Felsenbeins gehört heutzutage die hochauflösende Computertomographie in axialer und koronarer Schichtung. Die digitale Volumentomographie hingegen ist ein relativ neuartiges Verfahren, das bisher vor allem in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und der Zahnheilkunde genutzt wurde und in der Diagnostik des Os temporale ein neues Einsatzgebiet gefunden hat. Die Vorteile der DVT liegen in einer vergleichsweise bis zu zehn Mal geringeren Strahlenexposition bei einer deutlich höheren Auflösung. Das Ziel dieser Arbeit bestand darin, den Stellenwert der DVT in der radiologischen Felsenbeindiagnostik zu untersuchen. Dazu wurden im ersten Teil der Arbeit 38 anatomische Felsenbeinpräparate mit dem DVT und dem HR-CT gescannt. Anhand der akquirierten Bilder in koronarer und axialer Projektionsebene wurde die Darstellung von 43 funktionell wichtigen anatomischen Strukturen der Felsenbeinpräparate überprüft und verglichen. Im zweiten Teil der Untersuchung wurden an acht Präparaten rekonstruktive Eingriffe in Form von Tympanoplastiken Typ III b und c und Stapesplastiken mit verschiedenen Materialien wie Gold, Titan, Ionomer, Keramik und Platin durchgeführt. Anschließend erfolgte die Bildgebung mit dem HR-CT und dem DVT in bekannter Schichtung, um die Lage der Prothesen sowie die Darstellung der in der Nähe der Prothese liegenden anatomischen Strukturen vergleichend zu analysieren. Die DVT ermöglichte eine statistisch signifikant bessere Visualisierung von zwölf anatomischen Strukturen im Felsenbein wie z.B. den beiden Stapesschenkeln, der Steigbügelfußplatte und rundem und ovalem Fenster. Vor allem die Gehörknöchelchenkette konnte in all ihren Feinheiten gut erkannt werden. Funktionell wichtige und filigrane Anteile der Ossikel wie die Stapesschenkel waren seltener vom Partialvolumeneffekt betroffen als im CT. Mehrfach konnten Strukturen die mittels DVT zu sehen waren mit dem CT nicht oder nur fragmentiert abgegrenzt werden. Auch die Lamina spiralis ossea war in den DVT-Bildern in koronarer Ebene statistisch signifikant besser zu erkennen. Zudem kamen Weichteilstrukturen wie die Sehne des M. tensor tympani und Ligamente der Paukenhöhle mittels DVT statistisch signifikant besser zur Darstellung. Der konstruktionsbedingte geringere Weichteilkontrast des Flächendetektors des DVT fiel demnach in den untersuchten Felsenbeinpräparaten nicht nachteilig auf. Die Darstellung der Prothesen variierte je nach verwendetem Material. Dementsprechend zeigten Prothesen aus Keramik, Ionomer und Titan eine weitaus bessere Darstellung als Implantate aus Gold und Platin. Die Goldimplantate riefen dabei unabhängig vom Prothesentyp die gröbsten Artefakte hervor. Diese wirkten sich insbesondere in den CT-Bildern stark auf die Qualität aus. Die Prothesenlage war dadurch nur schlecht zu beurteilen und anatomische Strukturen wie z.B. die Steigbügelfußplatte wurden von den Artefakten überlagert. Die anatomischen Strukturen in der Nähe der Keramik-, Ionomer- und Titanimplantate konnten aufgrund ihrer geringen Artefaktneigung auf den DVT-Bildern besonders gut abgegrenzt werden. Im CT war es jedoch mehrfach durch die Entstehung des Partialvolumeneffekts nicht möglich die Ankopplung der Mittelohrimplantate an die Ossikel zu beurteilen. Die vorliegende Arbeit hebt einige Vorteile der Felsenbeinbildgebung mittels DVT hervor. Eine hohe Zahl an Felsenbeinstrukturen, welche eine große Relevanz in der Diagnostik und Therapie von Felsenbeinerkrankungen haben, lassen sich statistisch signifikant besser mit dem DVT als mit dem HR-CT darstellen. Dadurch könnte das Erkennen und die Therapie von Erkrankungen des Mittelohrs positiv beeinflusst und die präoperative Planung von Eingriffen vereinfacht werden. Aufgrund der direkten Darstellung der anatomischen Strukturen des Felsenbeins in axialer, koronarer und sagittaler Ebene bei nur einem Untersuchungsgang profitieren die Patienten von einer erheblich geringeren Strahlenexposition und kürzerer Untersuchungszeit im Vergleich zur Datengewinnung mit dem CT. Die bessere Darstellbarkeit aufgrund der geringen Artefaktneigung und der hohen Ortsauflösung des DVT gilt dabei auch für die postoperative Lagekontrolle verschiedener Mittelohrimplantate und ihrer angrenzenden anatomischen Strukturen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die DVT eine sinnvolle Ergänzung auf dem Gebiet der radiologischen Felsenbeindiagnostik darstellt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0995