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Titel:Zusammenhänge zwischen Zwangsstörungen und Ticstörungen in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Inanspruchnahmepopulation
Autor:Behrendt, Julia
Weitere Beteiligte: Mattejat, Fritz (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2008
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2008/0891
DOI: https://doi.org/10.17192/z2008.0891
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2008-08915
DDC: Medizin
Titel(trans.):Relations between obbsessive compulsive disorders and tic disorders in child psychiatric population
Publikationsdatum:2008-12-01
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Zwangsstörung, Tourette syndrome, Tourette-Syndrom, Tic disorder, Ticstörung, Obsessive compulsive disorder

Zusammenfassung:
FRAGESTELLUNG: Zwischen Tic- und Zwangsstörungen besteht eine enge Verbindung. Bisher gibt es jedoch noch keine umfassenden und systematischen Beschreibungen der Unterschiede von Patienten mit reinen Zwangsstörungen, reinen Ticstörungen und einer gemischten Störung beider Krankheitsbilder. Ein wesentliches Ziel der vorliegenden Arbeit ist die explorative Datenbeschreibung einer klinischen Stichprobe aus drei Untergruppen (Patienten mit reiner Zwangsstörung / reiner Ticstörung / beiden Störungen gemischt). Darüber hinaus werden, bezüglich dieser drei Untergruppen, vier Hypothesen (Geschlechterverhältnis; sozialer Status; komorbide Störungen; Therapieerfolg) genauer überprüft. METHODIK: Für die Auswertung wurden die kinder- und jugendpsychiatrische Basis-, Befund- und Leistungsdokumentation herangezogen. Eine Teilstichprobe von N = 68 aus der Gesamtinanspruchnahmepopulation wurde in die drei folgenden Untergruppen eingeteilt: 8 Patienten mit reiner Ticstörung, 44 Patienten mit reiner Zwangsstörung und 16 Patienten mit Zwangs- und Ticstörung gemischt. ERGEBNISSE: Die Überprüfung der Zuverlässigkeit der klinischen Diagnose von Zwangs- und Tic-Patienten erbrachte folgendes Ergebnis: Die Übereinstimmung zwischen der vorhandenen klinischen Diagnose, laut Dokumentation und einem im Rahmen der Dissertation aufgrund der gesamten Krankengeschichte erstellten Expertenurteil, ist bei Zwangsstörungen mäßig und bei Ticstörungen gut. 66,7% der Tic-Patienten (16 von 24) weisen eine komorbide Zwangsstörung auf und 26,7% der Zwangs-Patienten (16 von 60) zeigen komorbide Tics. In der klinischen Diagnose laut Dokumentation werden weniger komorbide Diagnosen gestellt, als nach Forschungskriterien (Expertenurteil) vorliegen. Die Hypothesenüberprüfungen erbrachten folgende Ergebnisse: - Die Annahme, dass Jungen mehr Ticstörungen und Mädchen mehr Zwangsstörungen zeigen, kann bestätigt werden. - In der vorliegenden Untersuchung ergeben sich keine signifikanten Unterschiede in Hinsicht auf den sozialen Status. - Zwischen den drei Untergruppen zeigt sich kein signifikanter Unterschied im Vorhandensein von komorbiden psychiatrischen Störungen. - Bei der Beurteilung des Therapieerfolges kann kein signifikanter Unterschied zwischen den drei Untergruppen festgestellt werden. Im explorativen Vergleich zeigen sich bei folgenden Einzelmerkmalen signifikante Unterschiede zwischen den drei Untergruppen: Behandlungsdauer, Familienverhältnis, Sprachentwicklung, gegenwärtig besuchte Schule, schulbezogene Störungen, akut belastende Lebensereignisse und chronische zwischenmenschliche Belastungen im Zusammenhang mit Schule oder Arbeit. DISKUSSION: Bei Patienten mit Ticstörung muss im klinischen Alltag besser darauf geachtet werden, dass eine komorbide Zwangsstörung bestehen kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Patienten mit Zwangs- und Ticstörungen viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Dennoch lassen sich bei den einzelnen Störungen krankheitsspezifische Unterschiede erkennen. Die größten Unterschiede bestehen dabei zwischen den Patienten mit reinen Zwangs- und reinen Ticstörungen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sprechen für die Annahme, dass Zwangs- und Ticstörungen auf einem Symptomkontinuum angeordnet werden können. Dies reicht von einfachen Tics, über eine Kombination von Tics und Zwängen, bis hin zu eindeutigen Zwangsgedanken und / oder Zwangshandlungen.

Summary:
Tic disorders and obsessive compulsive disorders show a high comorbidity. Up to now in the scientific literature there are no systematic comparisons of the subgroups - patients with tic-disorders only, - patients with OCD only and - patients with OCD and tic-disorders. The primary objective of this dissertation is a explorative data description of a clinical sample composed of three groups (44 patients with clear obsessive compulsive disorder / 8 patients with clear tic disorder / 16 patients with mixed disease). Four hypotheses are tested (gender ratio; social state; comorbid disorder; therapeutic success). The concordance between clinical diagnosis and diagnostic classification by research criteria proved to be moderate for obsessive compulsive disorder and good for tic disorder. 66,7% of tic patients show a comorbid obsessive compulsive disorder and 26,7% of patients with obsession und compulsion present comorbid tics. The hypothesis, that boys have more tics und girls have more compulsive disorders was confirmded. Significant differences between the three groups in respects of social state; comorbid disorder and therapeutic success were not found. Explorative comparisons showed significant differences between the three groups on the following variables: treatment, family background, language development, present attend school, school based disorder, acute stressed personal experiences and chronical interpersonal strain with school or work. It is concluded, that in clinical practice it is necessary to consider that in patients with tic disorders additionally an obsessive compulsive disorder may be present. Although patients with obsessive compulsive disorders and tic disorders show many similarities, disease-specific differences can be descirbed. The most marked discrepancies exist between patients with obsessive compulsive disorder and tic disorder only. The results of the dissertation support a dimensional model with a continuum of symptoms ranging from single tics to a mixed disorder up to clear obsessions and compulsions.


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