Charakterisierung des Autoantikörperprofils von Pemphigus vulgaris Patienten unter Einsatz rekombinanter Autoantigene

Der Pemphigus vulgaris (PV) ist eine durch intraepidermale Blasenbildung gekennzeichnete Autoimmundermatose, deren Pathogenese durch die Bildung von Immunglobulin G (IgG)-Autoantikörpern gegen das desmosomale Adhäsionsprotein, Desmoglein 3 (Dsg3), initiiert wird. Vorausgehende Studien zeigten, dass...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Svoboda, Vera
Beteiligte: Hertl, Michael (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Hautkrankheiten
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Der Pemphigus vulgaris (PV) ist eine durch intraepidermale Blasenbildung gekennzeichnete Autoimmundermatose, deren Pathogenese durch die Bildung von Immunglobulin G (IgG)-Autoantikörpern gegen das desmosomale Adhäsionsprotein, Desmoglein 3 (Dsg3), initiiert wird. Vorausgehende Studien zeigten, dass pathogene Autoantikörper vorwiegend konformationelle Epitope innerhalb der aminoterminalen Ektodomäne von Dsg3 erkennen. Zielsetzung der vorgelegten Arbeit war es, die IgG-Reaktivität der Seren eines klinisch gut charakterisierten Kollektivs an PV-Patienten gegen definierte Bereiche der extrazellulären Domäne von Dsg3 mittels Enzyme-Linked-Immunosorbent-Assay (ELISA) zu analysieren. Weitere Untersuchungen sollten zeigen, ob die Interaktion von PV-spezifischen Autoantikörpern mit Dsg3-Epitopen konformationsabhängig ist. Eine Voraussetzung für die Durchführung der ELISA-Experimente stellte die Produktion der gesamten Dsg3-Ektodomäne, Dsg3EC1-5, sowie ihrer fünf Subdomänen im Baculovirusexpessionssystem dar. Im Anschluss an die Klonierung der extrazellulären Dsg3-Domänen in einen geeigneten Baculovirustransfervektor erfolgte eine Kotransfektion mit Baculovirus-DNA in Insektenzellen. Nach Amplifizierung des Virus-Titers konnten die rekombinanten Proteine exprimiert und affinitätschromatographisch aufgereinigt werden. Insgesamt wurde eine Kohorte von 94 PV-Patienten, charakterisiert durch die jeweilige Krankheitsaktivität (akut (n=39), chronisch (n=42), Remission (n=13)) und den klinischen Phänotyp (mukosal (n=21), mukokutan (n=62), kutan (n=11)) untersucht. Darüber hinaus erfolgte die Analyse der Seren von zwei einzelnen PV-Patienten im Krankheitsverlauf. Innerhalb dieser Kohorte zeigten 91 % der Seren IgG-Reaktivität gegen die vollständige extrazelluläre Domäne, während jeweils 15 % bis 50 % der Autoantikörper auch einzelne Dsg3-Subdomänen erkannten. Die IgG-Autoantikörperantwort und IgG-Titer gegen die gesamte Dsg3-Ektodomäne korrelierten dabei mit der Krankheitsaktivi-tät der PV-Patienten. Weiterhin war die IgG-Reaktivität gegen den NH2-Terminus (Dsg3EC1) im Krankheitsverlauf einzelner PV-Patienten sowie gegen die extrazellulären Domänen Dsg3EC2, Dsg3EC3 und Dsg3EC4 in der Gesamtkohorte mit aktiven Krankheitsstadien des PV assoziiert. Die Autoantikörperantwort gegen die vier NH2-terminalen Subdomänen wies außerdem eine Assoziation mit einem schleimhautdomi-nanten Phänotyp auf. ELISA-Experimente mit nativen und denaturierten rekombinanten Dsg3-Proteinen demonstrierten, dass IgG-Autoantikörper aus PV-Seren sowohl mit konformationellen als auch mit nicht-konformationellen Epitopen innerhalb der Dsg3-Ektodomäne reagieren. Insgesamt zeigte die Auswertung der Autoantikörperprofile, dass die IgG-Reaktivität mit verschiedenen, vornehmlich aminoterminalen, nicht-konformationellen Epitopen hauptsächlich mit einem schleimhautdominanten Phänotyp assoziiert ist und mit der Krankheitsaktivität von PV-Patienten korreliert. Diese Resultate deuten darauf hin, dass während des „natürlichen Krankheitsverlaufs“ beim PV von der mukosalen zur vorwiegend kutanen Manifestation der Läsionen eine Verschiebung der Epitop-Erkennung von NH2-terminalen Bereichen zu anderen antigenen Determinanten der Dsg3-Ektodomäne stattfindet. Dieses Phänomen des „Epitope spreading“ wird auch bei anderen Autoimmunkrankheiten beobachtet. Die Verfügbarkeit der rekombinanten Dsg3-Proteine könnte, anhand einer detaillier-ten Charakterisierung des Dsg3-Autoantikörperprofils im ELISA, verfeinerte serologische Kriterien zur Erfassung der Krankheitsaktivität von PV-Patienten definieren.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0426