Immunglobulintherapie bei entzündlichen Herzmuskelerkrankungen

In der vorliegenden prospektiven Posthoc-Analyse wurden insgesamt 114 Patienten vor und nach einer Immunglobulintherapie untersucht, bei denen mittels immunohistochemischer Methoden und der Polymerasekettenreaktion aus der Endomyokardbiopsie die Diagnose einer entzündlichen Herzmuskelerkrankung ohne...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Haake, Hendrik
Beteiligte: Maisch, Bernhard (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Innere Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:In der vorliegenden prospektiven Posthoc-Analyse wurden insgesamt 114 Patienten vor und nach einer Immunglobulintherapie untersucht, bei denen mittels immunohistochemischer Methoden und der Polymerasekettenreaktion aus der Endomyokardbiopsie die Diagnose einer entzündlichen Herzmuskelerkrankung ohne Virusnachweis gestellt wurde. Die Diagnose der entzündlichen Herzmuskelerkrankung basierte auf dem Nachweis von ≥ 14 Lymphozyten und Makrophagen pro mm2 Myokardgewebe in der Endomyokardbiopsie und / oder einem positiven histopathologischen Ergebnis nach den Dallas-Kriterien. Unter Einbeziehung der transthorakalen Echokardiographie sowie der Laevokardiographie im Rahmen der Herz-katheteruntersuchung konnte ferner eine weitere Differenzierung der Patienten-gruppe vorgenommen werden. So wurde bei 44 (39%) der 114 Patienten eine Herzvergrößerung im Sinne einer inflammatorischen Kardiomyopathie (DCMi) nachgewiesen, bei den übrigen 70 (61%) Patienten zeigte sich ein normal großes Herz und die Diagnose einer Myokarditis konnte gestellt werden. Die Behandlung mit dem Immunglobulinkonzentrat Pentaglobin®, bestehend aus IgG und IgM, erfolgte am ersten und dritten Tag eines dreitägigen Behandlungszyklus in einer Dosierung von 10ml/kg Körpergewicht/Tag über einen Zeitraum von sechs bis acht Stunden. Insgesamt wurden 45 (40%) Patienten innerhalb von 6 Monaten nach der Therapie zur Verlaufskontrolle einer erneuten Endomyokardbiospie unterzogen. Zur Beurteilung des Nutzens der Pentaglobin®-Therapie wurden die linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF), der linksatriale Diameter (LAD), der linksventrikuläre enddiastolischen Diameter (LVEDD), die Verkürzungsfraktion (SF) in der Echokardiographie und die linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF) und der linksventrikuläre enddiastolische Index (LVEDVI) in der Herzkatheteruntersuchung im Verlauf ausgewertet, soweit eine zweite Herzkatheteruntersuchung vorlag. Ebenso wurden Ergometrie-Ergebnisse, der Herzinsuffizienzgrad nach NYHA und epidemiologische Daten (Alter, Geschlecht, Herzinsuffizienzmedikation) vor und nach der Therapie bei allen Patienten ermittelt und befundet. Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass durch eine intravenöse Immunglobulinbehandlung die kardiale Funktion bei Patienten mit einer entzündlichen Herzmuskelerkrankung insgesamt verbessert werden konnte. So konnte für die Gesamtgruppe aller 114 Patienten eine Zunahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion, sowohl echokardiographisch als auch invasiv gemessen, nachgewiesen werden. Dieser günstige Verlauf der messbaren hämodynamischen Parameter wurde von einer deutlichen Verbesserung der Beschwerdesymptomatik – dokumentiert durch die Klassifizierung nach NYHA und die Belastbarkeit in der Ergometrie – begleitet. Hier konnte einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit gezeigt werden. Bei 32 (71%) der 45 rebiopsierten Patienten konnte keine entzündliche Komponente der Erkrankung in der zweiten Endomyokardbiopsie mehr nachgewiesen werden. In dieser Subgruppe verbesserten sich die hämodynamischen (LVEF und LVEDVI) sowie die morphologischen Parameter (LVEDD und LAD) signifikant. Ebenso zeigten sich die klinischen Werte in dieser Gruppe im Verlauf deutlich gebessert. Hingegen kam es in der Gruppe der Patienten, bei denen die Entzündung im Verlauf persistierte (n=13), zu einer Abnahme der linksventrikulären Pumpfunktion (LVEF) und einer Zunahme der Herzgröße (LVEDD). Anhand dieser Daten lässt sich als Umkehrschluss vermuten, dass die Entzündungselimination – vermittelt durch die intravenöse Immunglobulingabe – die Grundlage zur Verbesserung der hämodynamischen und klinischen Situation ist. Zusammenfassend kann anhand der Ergebnisse geschlossen werden, dass eine Immunglobulinbehandlung in der Lage ist, die Krankheitsprogredienz im Sinne einer Verbesserung der Herzfunktion – mindestens aber einer Stabilisierung – günstig zu beeinflussen und die Beschwerdesymptomatik der Patienten zu lindern. Darüber hinaus scheint sich die intravenöse Immunglobulingabe auch positiv auf die Entzündungselimination im Myokard auszuwirken. Es wird deutlich, dass nur in weiterführenden kontrollierten klinischen Studien geklärt werden kann, ob sich die guten Ergebnisse unserer Untersuchung reproduzieren lassen und welchen Stellenwert diese Behandlungsmethode bei der Myokarditis und der inflammatorischen Kardiomyopathie tatsächlich hat.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0417