Kognitive Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen: Modelle, Indikation, Wirkfaktoren

Zahlreiche empirische Forschungsergebnisse belegen die Effektivität kognitver Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen. Spätestens mit aktuellen Metaanalysen (Hoffman, Papas, Chatkoff, & Kerns, 2007) und Reviews (van Tulder et al., 2001) gelten positive Therapieeffekte hier als gesiche...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Glombiewski, Julia Anna
Beteiligte: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Zahlreiche empirische Forschungsergebnisse belegen die Effektivität kognitver Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen. Spätestens mit aktuellen Metaanalysen (Hoffman, Papas, Chatkoff, & Kerns, 2007) und Reviews (van Tulder et al., 2001) gelten positive Therapieeffekte hier als gesichert. Diese Erfolge in der Praxis fördern zugleich die weitere Etablierung der psychobiologischen Modelle, die der kognitiven Verhaltenstherapie theoretisch zu Grunde gelegt werden, und die die Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen erklären wollen. Das übergeordnete Ziel dieses Dissertationsprojekts war es, zum Verständnis der Prozesse in der kognitiven Verhaltenstherapie chronischer Rückenschmerzen beizutragen um dadurch die Weiterentwicklung wirksamer und ökonomischer psychologischer Behandlungen chronischer Schmerzen zu fördern. Dies erfolgte anhand einer Stichprobe von 128 Rückenschmerzpatienten, die an einer Therapieevaluationsstudie an der Psychotherapieambulanz der Universität Marburg teilgenommen haben. Das erste Ziel des war die Überprüfung der allgemeinen Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie chronischer Rückenschmerzen und des Zusatzeffektes von Biofeedback. Anhand der vorläufigen Ergebnisse erwies sich die Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen im einzeltherapeutischen Setting auf verschiedenen Ebenen als wirksam. Die Biofeedback Behandlung war hilfreich bei der Erhöhung bzw. Herstellung der Behandlungsmotivation. Das zweite Ziel des Projektes war die Testung von Modellannahmen. Zwei zentrale Annahmen konnten dabei bestätigt werde: Erstens reagierten Schmerzpatienten auf Stressreize mit spezifischer dysfunktionaler Anspannung ihrer unteren Rückenmuskulatur, wie im Diathese-Stress Modell beschrieben (Flor, Birbaumer, Schugens, & Lutzenberger, 1992a). Zweitens zeigte sich ein Zusammenhang von niedergeschlagener Stimmung mit stärkeren Schmerzen und mit höherer subjektiver Beeinträchtigung durch Schmerzen. Dies bestätigt, dass Depressivität als psychologischer Faktor mit Verschlimmerung und Chronifizierung der Rückenschmerzen assoziiert ist. Das dritte Ziel war die Entwicklung differentieller Indikationsempfehlungen. Es konnte gezeigt werden, dass Patienten, die weniger Belastung durch psychische Symptome erleben, eher zum Abbruch der psychologischen Behandlung chronischer Schmerzen neigten. Andererseits hatte komorbide Depressivität zum Therapiebeginn, im Gegensatz zu Befunden aus nichtpsychologischen Studien, keinen Einfluss auf den Therapieerfolg. Hieraus konnte geschlussfolgert werden, dass kognitive Verhaltenstherapie chronischer Rückenschmerzen sowohl für schwer depressive als auch für nicht depressive Patienten geeignet sei, dass aber um Therapieabbruch zu verhindern, spezielle Programme für psychisch weniger beeinträchtige Patienten entwickelt werden sollten. Das vierte Ziel des Projektes war die Aufdeckung zentraler Wirkmechanismen. Es konnte gezeigt werden, dass die Reduktion der depressiven Symptomatik mehr inkrementelle Varianz aufklärt als die Veränderung schmerzbezogener Kognitionen oder das Erlernen von Coping-Strategien. So scheint die nachgewiesene Besserung der Schmerzsymptomatik eng mit der Besserung der Stimmung verknüpft zu sein, was bei der Weiterentwicklung bestehender Behandlungen berücksichtigt werden sollte. Insgesamt ist es gelungen einen Beitrag zur Evaluation der zugrunde liegenden Modelle, als auch zum Verständnis von Indikation, Wirksamkeit und Wirkfaktoren zu leisten. Design und Methodik der Studien werden kritisch diskutiert.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0063