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Titel: Geschlechterunterschiede bei Kindern und Jugendlichen mit schizophrener Erkrankung
Autor: el Hafid, Zoubida
Weitere Beteiligte: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2008
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2007/0822
DOI: https://doi.org/10.17192/z2007.0822
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2007-08221
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Gender differences in childhood-onset schizophrenia

Dokument

Schlagwörter:
Jugend, Symptombelastung, IQ, Gender differences, Kinderpsychiatrie, Ersterkrankungsalter, Early-onset schizophrenia, Kognitive function, Krankheitsverlauf, Schizophrenie, Course of Illness, Geschlechterverhältnis, Geschlechterunterschieder, Early-onset-Schizophrenie, Symptom-load, Krankheitsverlauf

Zusammenfassung:
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine prospektive Untersuchung mit retrospektiven Elementen. Die an Schizophrenie erkrankten Kinder und Jugendlichen wurden nach der stationären Aufnahme prospektiv nach einem vorher festgelegten Regime regelmäßig untersucht. Anhand des „instrument for the retrospective assessment of the onset of schizophrenia“ („IRAOS“) wurde retrospektiv der Beginn der schizophrenen Erkrankung festgelegt. Ziel der Studie war die Untersuchung von an Schizophrenie erkrankten Kindern und Jugendlichen auf Geschlechterunterschiede hinsichtlich zahlenmäßiger Unterschiede, Erkrankungsalter, Krankheitsverlauf, Symptombelastung und kognitiver Leistungsfähigkeit. Untersucht wurden alle Patienten, die vom 01.05.1991 bis zum 30.11.1999 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marburg mit der Diagnose Schizophrenie stationär aufgenommen wurden und bei denen ein Drogenkonsum und eine organische Ursache für die Symptomatik ausgeschlossen werden konnte. Bei Aufnahme wurde durch einen erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater eine ausführliche Anamnese mit den Erziehungsberechtigten durchgeführt, die Kranken-geschichte durch Informationen aus Arztbriefen, soweit eine vorhergehende Kontaktaufnahme mit einer medizinischen oder psychologischen Einrichtung statt gefunden hat, ergänzt und nach Stabilisierung des klinischen Zustands mit den Patienten die persönliche Anamnese erhoben. Sobald der an Schizophrenie Erkrankte als hierfür belastbar eingestuft wurde, erfolgte die Testung des Intelligenzquotienten nach HAWIK. In wöchentlichen Interviews wurde die Psychopathologie anhand der „Brief psychiatric rating scale“ (BPRS) im Verlauf untersucht. Wo es nötig war, wurde die Diagnose im Verlauf revidiert und der Patient aus der Studie ausgeschlossen. Die Fragestellungen und Hypothesen der vorgestellten Studie lassen sich auf der Grundlage der Diskussion, in der die entsprechende Literatur zitiert wurde, die unsere Resultate untermauert, zusammengefasst wie folgt beantworten: (1) Bei Erstmanifestation der Schizophrenie vor dem vollendeten 14. Lebensjahr erkranken Jungen häufiger als Mädchen. Liegt der Beginn der schizophrenen Erkrankung jenseits davon, gibt es keine Bevorzugung eines Geschlechts. (2) Es gibt keinen Geschlechterunterschied bezüglich des Alters bei Beginn der Schizophrenie, weder bei der Very-early-onset-Form noch bei Erkrankung ab dem Alter von 14 Jahren. (3) Unter den schizophren Erkrankten mit kontinuierlichem Verlauf nehmen männliche Betroffene einen Anteil von 58% ein. In der Very-early-onset-Gruppe nimmt die Schizophrenie mit 64% häufiger einen kontinuierlichen Verlauf als in der Gruppe, die jenseits des 14. Lebensjahres erkrankt, hier beläuft sich der Anteil an kontinuierlich Erkrankten 37% (erste Anzeichen für eine psychische Störung). (4) Es gibt keinen Geschlechterunterschied in der Symptombelastung bei Erkrankungsbeginn. (5) Auch bezüglich des Intelligenzquotienten als Hinweis für die kognitive Leistungsfähigkeit finden sich zwischen den Geschlechtern keine Differenzen. An Schizophrenie erkrankte Kinder und Jugendliche weisen einen niedrigeren IQ auf als die Durchschnittsbevölkerung. Kinder mit Very-early-Onset der Schizophrenie verfügen über einen niedrigeren Intelligenzquotienten als Jugendliche, die später erkranken. Insgesamt lassen sich unsere Ergebnisse gut mit dem bisher zu diesem Thema Ver-öffentlichten in Einklang bringen. Zu den Geschlechterunterschieden bezüglich der Symptombelastung und Unterschieden in der kognitiven Leistungsfähigkeit zwischen der Very-early- und der Early-onset-Gruppe haben wir keine Literaturangaben gefunden. Da die übrigen Resultate aufgrund der guten Übereinstimmung mit den Literaturangaben als relativ repräsentativ gelten können, gehen wir davon aus, dass unsere Ergebnisse bezüglich der zwei weiter oben genannten Punkte ebenfalls als repräsentativ gelten können. Eine Überprüfung durch weitere Studien ist allerdings unabdingbar, zumal die Arbeit - wie fast alle, die sich mit kindlicher Schizophrenie beschäftigen - gewissen Einschränkungen unterliegt.

Summary:
The paper on hand is a prospective investigation containing retrospective elements. After hospitalisation, children and adolescents with schizophrenia are examined prospectively on a regular basis according to a previously determined regimen. The onset of the schizophrenic disorder was established retrospectively using the “instrument for the retrospective assessment of the onset of schizophrenia“ (“IRAOS“). Target of the study was the investigation of children and adolescents with schizophrenia for gender differences with regard to numerical differences, age at onset, course of the disease, symptoms and cognitive function. All patients diagnosed with schizophrenia and hospitalised at the Marburg Mental Health Clinic for Children and Adolescents from 1 May 1991 until 30 November 1999 were investigated, after drug consumption and organical causes for the symptoms were ruled out. On admission, a comprehensive anamnesis was carried out by an expert psychiatrist for children and adolescents, together with the legal guardian. The medical history was supplemented with information from physicians’ letters, if prior contact was made with a medical or psychological institution, and the personal history was carried out together with the patients after stabilisation of their clinical status. As soon as the schizophrenic patient was seen fit, the intelligence quotient was tested according to HAWIK. During weekly interviews, the psychopathology was investigated during the course by means of the “brief psychiatric rating scale” (BPRS). The diagnosis was revised during the course when necessary and the patient excluded from the study. On the basis of the discussion quoting the corresponding literature, which supports our results, the issues and hypotheses of the study presented can be summarised as follows: (1) If the primary manifestation of schizophrenia falls before the age of 14, boys contract the disease more often than girls. If the onset of the schizophrenic disease falls beyond this age, there is no gender preference. (2) There is no gender difference with regard to age at the onset of schizophrenia, neither in association with the very early onset form nor if the disease sets in after the age of 14. (3) Among schizophrenic patients with continuous course, the percentage of males with the disease is 58%. In the very early onset group, the ratio of schizophrenic patients with continuous course is 64% and therefore higher than in the group in which the disease sets in after the age of 14. Here, the rate of schizophrenic patients with continuous course is 37% (first signs of mental disorder). (4) At the onset of the disease, there is no gender difference with regard to symp-toms. (5) Neither are there gender differences in terms of intelligence quotas as indication of cognitive function. Children and adolescents with schizophrenia have a lower IQ than the average population. Children with very early onset schizophrenia have a lower intelligence quota than adolescents who contract the disease at a later time. Overall, our results are well consistent with previous publications on this subject. We found no bibliographical references regarding symptoms and differences in cognitive function between the very early onset group and the early onset group. Since the remaining results can be regarded to be relatively representative because they are well in line with the bibliographical references, we assume that our results in terms of the two other issues mentioned above can be regarded to be representative as well. However, verification with a further study is necessary, especially because the paper is subject to certain limitations – as are almost all papers dealing with the subject of childhood schizophrenia.


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