Die Fossillagerstätte Korbacher Spalte – ihre Entstehung und Einordnung in den Zechstein Nord-Hessens

Die Fossillagerstätte Korbacher Spalte bei Korbach in Nordhessen ist eine der seltenen Fundstellen, in denen Reste einer oberpermischen Wirbeltierfauna überliefert sind. Die Fauna setzt sich aus Pareiasauriern (Ursprünglichen Reptilien), Archäosauriern (Vorfahren der Dinosaurier) und Therapsiden (Sä...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Bökenschmidt, Sven
Beteiligte: Zankl, Heinrich (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Geologie und Pal
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Fossillagerstätte Korbacher Spalte bei Korbach in Nordhessen ist eine der seltenen Fundstellen, in denen Reste einer oberpermischen Wirbeltierfauna überliefert sind. Die Fauna setzt sich aus Pareiasauriern (Ursprünglichen Reptilien), Archäosauriern (Vorfahren der Dinosaurier) und Therapsiden (Säugetierähnlichen Reptilien) zusammen. Vergleichbare, jedoch wesentlich besser erhaltene Faunen sind aus anderen Teilen Pangäas lediglich aus dem südlichen Afrika und dem südlichen Ural in Russland bekannt. Im Werra-Karbonat (Zechstein 1) wurde eine mehrere Meter weit geöffnete Spalte angelegt, in deren sedimentärer Füllung die stark fragmentierten Reptilknochen erhalten sind. Die Vorgänge, die zur Entstehung der Spalte sowie ihrer Verfüllung mit Sediment und Fossilien führten, erweisen sich nach sedimentologischen, sedimentpetrographischen und geophysikalischen Untersuchungen als eine Folge ruptureller Öffnungsphasen und Umlagerungen im terrestrischen Umfeld. Da das Profil an der Typlokalität, im ehemaligen Steinbruch Fisseler, in jüngerer Zeit erosiv gekappt wurde, kann eine Datierung der Spaltenentstehung dort nicht vorgenommen werden. Als Schlüsselstellen für eine Datierung sind die neu entdeckten, vollständigen Profile vom Randkarbonat (z1Ca) bis in den Oberen Werra-Ton (z1Tb) bei Vöhl-Dorfitter und in der Bohrung Korbacher Spalte anzusehen. Hier konnten die Entstehung der Spalte und ihre Füllung mit Sediment und Fossilresten an der Grenze zwischen Randkarbonat (z1Ca) und Oberem Werra-Ton (z1Tb) festgelegt werden. Die Erhaltung der Fossilien zeigt, dass die Korbacher Spalte keine primäre Fossillagerstätte ist. Die Tiere lebten bereits vor der Spaltenöffnung, ihre Überreste wurden mit dem Sediment in die Spaltenfüllung umgelagert. Unter Berücksichtigung der paläogeographischen und paläoklimatischen Situation zur Zeit der Werra-Folge sind die landlebenden Reptilien in faunistische, räumliche und zeitliche Zusammenhänge mit seltenen, sehr gut erhaltenen Funden aus dem Kupferschiefer (z1T) zu bringen. Dadurch kann der Zeitraum eingeengt werden, in dem die Reptilien am Ostrand der Rheinischen Masse lebten. Dort ist zur Zeit des Kupferschiefermeeres im Raum Frankenberg/Eder eine Flora überliefert, die den Wirbeltieren als Nahrungsgrundlage diente. Die im Laufe der Werra-Folge zunehmende Aridität des Klimas führte zum Absterben der Flora und entzog der Fauna die Nahrungsgrundlage. Am Ufer des Kupferschiefermeeres verendete Tiere wurden am Meeresboden eingebettet und perfekt erhalten. Auf der Rheinischen Masse verendete Tiere wurden auf der zunehmend verödenden Landoberfläche zunächst in einer primären Fossillagerstätte eingelagert. Als die Korbacher Spalte entstand, führten Starkregenereignisse zu einer Umlagerung von höheren Regionen in die östlich vorgelagerte Küstenebene. Dort wurde die Korbacher Spalte mit Sediment und den durch die Umlagerungen fragmentierten Knochen gefüllt. Die Korbacher Spalte ist somit mindestens eine sekundäre, wahrscheinlich sogar tertiäre Fossillagerstätte, in der eine umgelagerte Wirbeltierfauna aus der Zeit des Kupferschiefers überliefert ist.