Einfluss verschiedener Antibiotikaprophylaxen auf Histaminfreisetzung und hämodynamische Instabilität beim chirurgischen Zwischenfall: Eine Klinik modellierende prospektive, randomisierte Studie am Tiermodell.

Die Vorteile perioperativ applizierter Prophylaxen in der Chirurgie wurde bisher vereinfacht nach der Wirkung auf ihre spezifischen Zielkomplikationen (z.B. Infektion, Thrombose, kardiovaskuläres Risiko) beurteilt, ohne dabei die komplizierten Interaktionen der verschiedenen applizierten Medikamente...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Thiel, Thomas
Beteiligte: Celik, Ilhan (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Vorteile perioperativ applizierter Prophylaxen in der Chirurgie wurde bisher vereinfacht nach der Wirkung auf ihre spezifischen Zielkomplikationen (z.B. Infektion, Thrombose, kardiovaskuläres Risiko) beurteilt, ohne dabei die komplizierten Interaktionen der verschiedenen applizierten Medikamente mit intraoperativen Komplikationen (z. B. Blutverlust, Stress, Auskühlung) zu untersuchen. Im vorliegenden Versuchsaufbau wurde der Effekt verschiedener, zur Sepsis- und Infektionsprophylaxe verabreichter Antibiotika auf die kardiovaskuläre Stabilität während eines standardisierten chirurgischen Eingriffes (Laparatomie) mit typischen intraoperativen Komplikationen (schwerer Blutverlust und nachfolgender Reperfusion mittels kolloidaler Infusionslösung und nachfolgender anaphylaktoider Reaktion) untersucht. Methoden: 30 Pietren-Schweine beiderlei Geschlechtes zwischen 25 und 30 kg Körpergewicht wurden mittels Randomliste drei Gruppen zugeordnet und erhielten NaCl-Lösung (Kontrollgruppe), Amoxicillin/Clavulansäure (Gruppe 1) oder Cefuroxim/Metronidazol (Gruppe 2) intravenös als Antibiotikaprophylaxe. Die Anästhesie wurde mittels Piritramid/ Pancuronium eingeleitet und aufrecht erhalten, die Tiere wurden endotracheal intubiert und maschinell beatmet. EKG, Blutdruck und Herzfrequenz wurden zeitgleich aufgezeichnet. Nach Antibiotikainfusion und einem "Steady-State" von 20 Minuten wurde eine mediane Laparatomie als Modelloperation mit anschließender Eventeration des Darmes und Zug am Peritoneum durchgeführt. Nach weiteren 20 Minuten wurden den Tieren 25% ihres errechneten Blutvolumens entzogen und 5 Minuten später durch kolloidale HAES-Lösung ersetzt. Unmittelbar nach der Reperfusion wurden den Tieren 15 mg/kg Körpergewicht Polymyxin B zum Auslösen einer anaphylaktoiden Reaktion verabreicht. Die Tiere verblieben für weitere 50 Minuten in diesem Status. Während des gesamten Versuchsablaufes wurden an zehn definierten Zeitpunkten Blutproben zur Bestimmung des Plasmahistamingehaltes (Fluorometrische Bestimmung nach Vorschlag Prof. Dr. Lorenz) und verschiedener anderer Parameter entnommen. Ergebnisse: Unser Modell erwies sich bezüglich der Anästhesie als stabil und zeigte eine reproduzierbare, regelmäßige Induktion von Hypovolämie und anaphylaktoider Reaktion. Die medianen Histaminwerte waren signifikant unterschiedlich (p < 0,04) nach Blutverlust (Kontrollgruppe 8,62 [2,74 - 16,6], Gruppe 1 11,45 [4,0 - 40], Gruppe 2 7,85 [3,92 - 13,3] ng/ml). Histaminfreisetzungsreaktionen (Histamin > 2 Standardabweichungen auf Basis der Basalwerte) konnten nach Blutverlust und nach Gabe von Polymyxin B beobachtet werden, wurden nach Gabe von HAES 10% jedoch nie beobachtet. Die Inzidenz der Histaminfreisetzungsreaktionen waren in den drei Versuchsgruppen unterschiedlich: Kontrolle: 3x nach Blutverlust, 8x nach Gabe von Polymyxin B, Amox./Clav.: 5x nach Blutverlust, 7x nach Gabe von Polymyxin B, Cef./Metron.: 1x nach Blutverlust, 3x nach Gabe von Polymyxin B. Diskussion: Die durchgeführten Experimente zeigen deutlich, dass Medikamente, die zur Modifikation einer bestimmten Zielgröße gegeben werden, mit anderen Risiken während einer Operation interferieren und sich gegenseitig beeinflussen. Antibiotika haben also mehr als antimikrobielle Effekte. Sie beeinflussen substanzabhängig wesentlich die peri- und intraoperative kardiovaskuläre Stabilität. Dabei werden diese Eigenschaften erst in der Komplikation offensichtlich und sind daher auch nur im komplexen Tiermodell nachweisbar.