Evaluation von Vorhersage-Scores für Übelkeit und Erbrechen in der postoperativen Phase bei Kindern

Übelkeit und Erbrechen in der postoperativen Phase gilt bei Kindern als eine der häufigsten postoperative Komplikationen und als häufigster Grund für eine stationäre Aufnahme bei primär ambulant geplanten Eingriffen (28,33,34). In die heutigen Empfehlungen für antiemetische Strategien geht vor allem...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Guber, Daniel Theodor
Beteiligte: Eberhart, Leopold (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2005
Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Übelkeit und Erbrechen in der postoperativen Phase gilt bei Kindern als eine der häufigsten postoperative Komplikationen und als häufigster Grund für eine stationäre Aufnahme bei primär ambulant geplanten Eingriffen (28,33,34). In die heutigen Empfehlungen für antiemetische Strategien geht vor allem eine risikoadaptierte Prophylaxe mit ein(16,28,44). So werden unnötige Nebenwirkungen vermieden, es kann kosteneffizient gearbeitet werden und es zeigt eine verbesserte Zufriedenheit vor allem bei Patienten mit einem erhöhten Risiko. Für erwachsene Patienten wurden in den letzten Jahren von verschiedenen Autoren Prognosesysteme (Palazzo 1993, Koivuranta 1997, Apfel 1998, Apfel 1999, Sinclair 1999) entwickelt, um das individuelle Risiko eines Patienten vorhersagen zu können. In dieser prospektiv durchgeführten Studie wurden die perioperativen Daten von 425 Kinder einem multizentrisch erhobenen Datensatz von insgesamt 1250 Jungen und Mädchen im Alter von 0 - 17 Jahren beigesteuert, mit dem anhand einer ROC die Vorhersagekraft der einzelnen Prognosesysteme für Kinder zu untersuchen. Das Auftreten von Übelkeit und/oder Erbrechen wurde dazu über einen Zeitraum von 24 Stunden dokumentiert. Neben einer Patientenbefragung bezüglich einer positiven PONV-Anamnese und einer positiven Anamnese für Kinetosen, wurden die perioperativen Daten bezüglich der Anästhesie und der Operation festgehalten. Das Anästhesie-Regime war dabei nicht standardisiert, Kinder die eine TIVA mit Propofol oder eine antiemetische Prophylaxe erhielten wurden ebenso ausgeschlossen, wie Patienten mit einem unvollständigen Datensatz. Die verbleibenden 1069 Kinder wurden in die Auswertung einbezogen. Als Ergebnis der ROC zeigte sich, dass alle Risikomodelle besser vorhersagen als der Zufall, und die AUC lagen zwischen 0,56 (Palazzo 1993) und 0,65 (Sinclair 1999). Im Vergleich zu Evaluationsstudien an erwachsenen Patienten (AUC > 0,7) zeigte sich allerdings, dass diese Prognosesysteme für Kinder weniger geeignet sind. Des Weiteren wurde eine lineare Regressionsanalyse durchgeführt, um zu untersuchen inwieweit sich die Prognosesysteme für ein Patientenkollektiv eignen. Hierbei zeigte der Risiko-Score von Koivuranta (y = 0,94x - 3) ein erstaunlich gutes Ergebnis. In einem weiteren Schritt wurden die Daten einer explorativen multivariaten Analyse zugeführt. Als Ergebnis blieben die positive Anamnese für PONV oder Kinetosen (OR = 3,5), der postoperative Einsatz von Opioiden (OR = 2,6), Mittelohreingriffe oder Strabismuschirurgie (OR = 2,4), eine Anästhesiedauer > 45 min. (OR = 1,9) und das Alter von 6 Jahren oder älter (OR = 1,7) als unabhängige Risikofaktoren übrig. Diese Risikofaktoren lassen sich in ein Prognosesystem überführen, um das individuelle Risiko eines Patienten zu berechnen. Allerdings sollte dazu vorher eine Evaluation an einem unabhängig erhobenen Datensatz durchgeführt werden.