Lavage kontaminierter Oberflächen: Eine in-vitro Studie zur Überprüfung der Effektivität unterschiedlicher Systeme

Die Lavage ist eine Methode der mechanischen Wundreinigung zur Keimreduktion kontaminierter Oberflächen und Entfernung von Fremdkörpern und avitalem Gewebe. Sie findet u. a. Anwendung im Rahmen der chirurgischen Erstversorgung oder in der sept. Chirurgie bei Protheseninfekten. Hierbei wird eine Spül...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Frank, Thomas Wolfgang Richard
Beteiligte: Stiletto, Rafael (PD Dr. med.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2005
Hygiene u. Med. Mikrobiologie mit Medizinaluntersuchungsamt
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Lavage ist eine Methode der mechanischen Wundreinigung zur Keimreduktion kontaminierter Oberflächen und Entfernung von Fremdkörpern und avitalem Gewebe. Sie findet u. a. Anwendung im Rahmen der chirurgischen Erstversorgung oder in der sept. Chirurgie bei Protheseninfekten. Hierbei wird eine Spüllösung in ein Zielgebiet mittels einer mechanischen Applikationsmethode eingebracht. Die Zielsetzung der Studie war es die Effizienz 3 unterschiedlicher Spülmethoden zur Keimreduktion von 3 Testkeimen auf den non-vitalen Testoberflächen Palakos und Titan zu untersuchen. Getestet wurden als Vertreter der LPL die 50 ml Spritze mit manueller Applikation, als Vertreter der HPL mit pulsierender Spülung das Jet-Lavage System sowie ebenfalls als Vertreter der HPL jedoch mit kontinuierlicher Spülung der Drucksprüher der Firma Gardena. In der Studie erfolgte ein direkter Vergleich der Systeme in einer standardisierten Versuchsanordnung. Getestet wurden Staph. Aureus, Pseud. Aeruginosa und Ent. faecalis auf Palakos und Titan Testoberflächen. Es erfolgte eine Spülung mit 300 ml Aqua dest. aus je einem der 3 Testsysteme (Distanz 25 cm, Winkel 60°). Für die Keimreduktion insgesamt zeigt sich als Haupteffekt, dass die kontinuierliche Spülung (2,53 Log Reduktion) signifikant höhere Keimreduktionsraten erzielt, als die pulsierende (2,1) und manuelle (1,6). Am geringsten reduziert damit die manuelle Spülung. Betrachtet man die durchschnittlichen Reduktionsraten der Keime, zeigt sich, dass Staph. Aureus signifikant schlechter reduziert wird als Ent. Faecalis und Pseud. aeruginosa. Keime werden von der Titanoberfläche (1,65) schlechter reduziert als von der Palakosoberfläche (2,58). Vor allem Staph. Aureus erweist sich auf Titan besonders resistent. Betrachtet man nun die Interaktionen untereinander, dann ist die kontinuierliche Spülung gegenüber Staph. Aureus und in geringerem Maße auch gegenüber Ent. Faecalis signifikant effizienter als die pulsierende und die manuelle Spülung. Bei Pseud. Aeruginosa erzielen beide druckunterstützten Systeme ähnliche Reduktionsraten. Die Ergebnisse der Studie in Verbindung mit der vorliegenden Literatur zeigen, dass sich die Lavage eignet um eine Keimreduktion zu erzielen. Eine manuelle Spülung ist bei leicht kontaminierten, begrenzten Arealen geeignet eine Keimreduktion zu erreichen. Mit steigendem Grad der Kontamination und Anteilen avitalen Gewebes bzw. zeitlicher Einwirkzeit pathogener Keime ist die druckunterstützte Spülung notwendig. Bei der Lavage von non-vitalen Oberflächen (besonders) Titan bzw. einer Kontamination mit Keimen die Adhärenzfaktoren/Biofilm ausbilden (Staph. Aureus), erbringt eine kontinuierliche Spülung im Vergleich zu einer pulsierenden eine weitere Steigerung der Effizienz. Ein eventueller Gewebeschaden und eine damit verbundene Heilungsverzögerung muss dabei im Hinblick auf die Infektvermeidung in Kauf genommen werden. Je nach klinischer Situation und unterschiedlicher Keimbesiedelung sollte die optimale Lavagemethode gewählt werden, um ein Höchstmaß an Therapieerfolg bei geringst möglichem Gewebeschaden zu erzielen.