Untersuchungen zur Konzentrationsfähigkeit von sprachentwicklungsgestörten Vorschulkindern

Konzentrationsstörungen bei Kindern sind ein häufig beklagtes Phänomen, und obwohl sie häufig erst im Grundschulalter zum Problem werden, bestehen sie in den meisten Fällen schon lange vor dem Schuleintritt. Ihre Auswirkungen auf den Entwicklungsverlauf der betroffenen Kinder sind nicht zu unterschä...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Ozdyk, Ina
Beteiligte: Berger, Roswitha (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2005
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Konzentrationsstörungen bei Kindern sind ein häufig beklagtes Phänomen, und obwohl sie häufig erst im Grundschulalter zum Problem werden, bestehen sie in den meisten Fällen schon lange vor dem Schuleintritt. Ihre Auswirkungen auf den Entwicklungsverlauf der betroffenen Kinder sind nicht zu unterschätzen. Es ist deshalb von größter Wichtigkeit, Defizite im Konzentrationsvermögen so früh wie möglich zu erkennen, um noch vor Schuleintritt gezielt therapeutisch eingreifen zu können. Allerdings stehen derzeit nur sehr wenige geeignete Testverfahren zur Beurteilung des Konzentrationsvermögens von Kindern im Vorschulalter zur Verfügung. In Anlehnung an das Konzentrations - Handlungs - Verfahren von Koch und Pleissner wurde das Marburger Konzentrations – Untersuchungsverfahren für Vorschulkinder (MKVK) entwickelt, das speziell für die Altersgruppe der 3-6 jährigen konzipiert ist. Es handelt sich um ein einfaches Karten-Sortier-Verfahren, bestehend aus einem Satz von 80 Karten. Auf jeder Karte sind zwölf verschiedene Symbole zu sehen, die anhand von zwei Merkmalen (Hund und Gans) vier verschiedenen Stapeln zugeordnet werden müssen: Hund und Gans, nur Hund, nur Gans, weder Hund noch Gans. Auswertungskriterien sind die zum Sortieren aller 80 Karten benötigte Zeit sowie die Anzahl der dabei gemachten Fehler. Das Verfahren wurde in einer Pilotstudie mit hochgradig schwerhörigen Kindern durchgeführt, wonach in weiteren Studien die Normwerterhebung und Validierung durch die Testung von gesunden und auditiv wahrnehmungsgestörten Kindern erfolgte. Neben der guten Praktikabilität des Verfahrens zeigten sich hierbei auch signifikante Unterschiede bezüglich der Konzentrationsleistungen der gesunden und der entwicklungsauffälligen Kinder. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Anwendung des MKVK an insgesamt 58 sprachentwicklungsgestörten Kindern, die teils einem heilpädagogischen Kindergarten und teils dem Patientenkollektiv der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Universitätsklinik Marburg entstammten, sowie dem Vergleich der gewonnenen Ergebnisse mit den Daten von 56 gesunden Vorschulkindern aus der vorhergehenden Studie. Es stellte sich heraus, dass zwischen den beiden Gruppen auffälliger Kinder keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Zeit oder der Fehlerzahl bestanden, so dass sie für die Auswertung zu einer gemeinsamen Gruppe zusammengefasst werden konnten. Beim Vergleich der Testergebnisse dieser Gruppe mit den Daten der gesunden Vorschulkinder aus der Vorstudie hingegen ergaben sich signifikant höhere Zeit- und Fehlerwerte in der Gruppe der sprachentwicklungsgestörten Kinder. Des Weiteren wurde eine Differenzierung nach Arbeitsstilen als Ansatz zur Unterscheidung zwischen auffälliger und unauffälliger Leistung vorgenommen. Hierbei ergab sich zur gemeinsamen Betrachtung der beiden Variablen Zeit und Fehlerzahl folgende Gruppeneinteilung: 1. Kinder, die schnell arbeiten und wenig Fehler machen (S&W) 2. Kinder, die schnell arbeiten und viele Fehler machen (S&V) 3. Kinder, die langsam arbeiten und wenig Fehler machen (L&W) 4. Kinder, die langsam arbeiten und viele Fehler machen (L&V) Es zeigte sich, dass die Gruppe der Kinder, die viel Zeit benötigen und viele Fehler machen, unter den auffälligen Kindern den größten Anteil ausmachte, während sie auf der Seite der gesunden Kinder den kleinsten Teil einnahm. Sowohl im direkten Vergleich der Zeit- und Fehlerwerte im MKVK als auch in der Aufteilung nach Arbeitsstilen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Konzentrationsleistungen der sprachentwicklungsverzögerten und der gesunden Kinder. Die vorliegende Arbeit verdeutlich hiermit nicht nur einen Zusammenhang zwischen einer gestörten Sprachentwicklung und Konzentrationsdefiziten, sondern sie stellt mit dem MKVK auch ein einfaches, kostengünstiges und gut für den Vorschulbereich geeignetes Konzentrationsuntersuchungsverfahren vor, durch dessen routinemäßigen Einsatz in der Praxis ein Beitrag zur Früherkennung von eventuell vorhandenen Konzentrationsschwächen bei Kindern geleistet werden kann.