Digitale Bibliothek der Universität Marburg
| Autor: |
Müller, Martin |
| Titel: |
Kultur und ökonomische Entwicklung - Eine
empirische Untersuchung kultureller Umwelt und
unternehmerischer Fähigkeiten in der indonesischen Provinz
Papua (West-Neuguinea) |
| Titel (eng): |
Culture and Economic Development - An
Empirical Study of Cultural Environment and Entrepreneurial
Abilities in the Indonesian Province of Papua (West New
Guinea) |
| Erscheinungsjahr: |
2005 |
| Fachbereich: |
Fachbereich
Wirtschaftswissenschaften,
Philipps-Universität
Marburg |
| Institut: |
Wirtschaftswissenschaften |
| Format: |
Portable Document Format
(PDF 3.3M)
|
| URL: |
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0148/ |
| URN: |
urn:nbn:de:hebis:04-z2005-01484 |
| Andere Ausgaben: |
Martin Müller, Kultur und
ökonomische Entwicklung - Eine empirische Untersuchung
kultureller Umwelt und unternehmerischer Fähigkeiten in der
indonesischen Provinz Papua (West-Neuguinea), Verlag Görich
& Weiershäuser, Marburg 2005. |
| DDC-Sachgruppe: |
330
Wirtschaft |
Kurzfassung in
Deutsch:
Im Mittelpunkt der Untersuchung
stehen die kulturellen Ursachen für die Marginalisierung des
indigenen Volkes der Papua im modernen ökonomischen Bereich
der indonesischen Provinz Papua. Den theoretischen
Hintergrund der Arbeit bilden Schumpeters Entwicklungslogik
und die darauf aufbauende Entwicklungstheorie Röpkes. Die
empirischen Daten wurden mittels Fragebogen in drei
ländlichen Regionen Papuas, und zwar dem jeweiligen Gebiet
der Volksgruppe der Maibrat, Kemtuk und Dani, erhoben. In
diesen Untersuchungsgebieten wird hauptsächlich
familienbetrieblich organisierte, stark subsistenzorientierte
Landwirtschaft betrieben, die von geringer Beherrschung der
natürlichen Umwelt und niedriger Produktivität gekennzeichnet
ist. Die Gesellschaften sind partikularistisch ausgerichtet
und schamorientiert. Die meisten der diskutierten Elemente
der volksgruppeneigenen kulturellen Umwelt wirken sich
hemmend auf unternehmerisches Handeln und ökonomische
Entwicklung aus. Im einzelnen sind dies eine mechanistische,
mittelbare, rituell-manipulative, vom Animismus beeinflußte
Beziehung zu Gott; ein hoher Grad an Mißtrauen gegenüber
Nicht-Verwandten; sowie ein stark ausgeprägtes
Egalitätsprinzip, das die Akkumulation von Reichtum für
persönliche Zwecke inakzeptabel sein läßt, einen Zwang zum
Teilen bedingt und zu einem Antiüberschußprinzip führt. Die
zu stark ausgeprägte soziale Solidarität gegenüber Verwandten
hat zur Konsequenz, daß die Großfamilie sich als Falle für
eine ökonomische Entwicklung erweist. Die Ausprägungen der
meisten diskutierten unternehmerischen Fähigkeiten
unterstützen unternehmerisches Handeln und damit ökonomische
Entwicklung nur wenig. Bedingt durch animistisch geprägte
Vorstellungen über die Genese von Reichtum und Wohlstand sind
internale Kontrollüberzeugungen deutlich vermindert. Es
herrscht eher ein Harmonie- statt ein Autonomiebedürfnis.
Zurückhaltung zeigt sich bei der Bereitschaft, Probleme zu
lösen. Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Antizipation von
Zukunftsmöglichkeiten ist nur in geringem Maße gegeben.
Innovationen können nur schwerlich durchgesetzt werden, wenn
sie im Konflikt mit der Vatergeneration und der Tradition
stehen. Die durch den Kontakt zur fremden kulturellen Umwelt
neu entstehenden Möglichkeiten werden wenig genutzt. Für das
Dani-Gebiet gilt, daß die bloße Existenz von
Vermarktungsmöglichkeiten nicht automatisch zu mehr
Verkaufsorientierung führt. Neuerungen werden nur sehr
selektiv mit dem Ziel einer Abrundung oder Absicherung der
eigenen Kultur übernommen. Bei der Bereitschaft zum Aufschub
von Genuß zeigt sich eher eine konsumtive Tendenz.
Autoritarismus, Anschluß- und Anerkennungsmotiv sind stark
ausgeprägt. Es herrscht eine Prestigewirtschaft vor, die
ökonomische Entwicklung kaum zum Ziel hat. Das Erfolgsmotiv
ist in allen drei Untersuchungsgebieten nur gering
ausgeprägt. Für das Maibrat- und Kemtuk-Gebiet
aussagekräftige Ergebnisse bestätigen aber die zentrale Rolle
des Erfolgsmotivs bei ökonomischer Entwicklung. Verschiedene
kulturelle Elemente, darunter auch Polygynie, beeinträchtigen
die Herausbildung des Leistungsmotivs bei Individuen.
Unternehmer genießen kaum Ansehen und Wertschätzung in der
Gesellschaft. Im Hinblick auf die Fähigkeit der
Untersuchungsgebiete zur ökonomischen Entwicklung ist eine
durchgreifende ökonomische Entwicklung eher nicht zu
erwarten. Damit eine von den Papua selbst getragene
ökonomische Entwicklung stattfinden kann, ist eine
Beschneidung der großfamiliären Forderungen in Verbindung mit
einem tiefgreifenden Kulturwandel, einer Transformation der
Gesellschaft, notwendig. Dabei kommt christlicher Ethik eine
maßgebliche Rolle nicht zuletzt auch im Hinblick auf eine
kulturelle Revitalisierung zu. Weiterhin bedarf es einer auch
die Muttersprachen der verschiedenen Volksgruppen Papuas
berücksichtigende Bildungsarbeit sowie einer kulturspezifisch
ausgerichteten Kleinunternehmerförderung.
Kurzfassung in
Englisch:
This study focuses on the cultural
reasons for the marginalization of the Papuan indigenous
people in the modern economy of the Indonesian province of
Papua. The theoretical background for this study is grounded
on the development logic of Schumpeter and the development
theory of Röpke which itself is based on Schumpeter's logic.
The empirical data were collected through questionnaires in
three rural regions of Papua, that is the respective area of
the ethnic group of the Maibrat, Kemtuk, and Dani. People in
the three research areas rely highly on subsistence
agriculture organized within the family. Agriculture is
characterized by a low degree of control of the natural
environment and low productivity. The societies are
particularistic and shame-oriented. Most discussed elements
of the ethnic groups' own cultural environment have an
inhibiting effect on entrepreneurial action and economic
development. In particular these elements consist of a
mechanistic, indirect, ritual-manipulative relationship with
God influenced by animism, a high degree of mistrust towards
non-relatives, and a very pronounced principle of
egalitarianism. This latter principle forbids the
accumulation of wealth for personal purposes. It is the
reason for a compulsion to share, leading to an antisurplus
principle. The over-pronounced social solidarity towards
relatives in consequence renders the extended family to be a
trap for economic development. The characteristics of most
discussed entrepreneurial abilities only support
entrepreneurial action, and with it economic development, on
a small scale. Due to animistically influenced concepts of
the genesis of wealth and affluence, any internal locus of
control is clearly diminished. There is a desire for harmony
rather than for autonomy. There is aloofness when it comes to
solving problems. The ability to anticipate future chances is
unincisive. Innovations can hardly be accomplished as they
are in conflict with the father's generation and tradition.
Newly emerging opportunities triggered by the contact to the
foreign cultural environment are not used very much. Evidence
from the Dani area shows that the mere existence of marketing
opportunities does not automatically lead to more market
orientation. Innovations are adopted very selectively in
order to complete or secure the own culture. There is rather
a consumptive tendency concerning the ability to defer need
gratification. Authoritarianism as well as the need for
affiliation and recognition are very pronounced. A prestige
economy prevails which is hardly aimed at economic
development. The success motive (hope of success as part of
the achievement motive) exists only on a small scale in all
three of the research areas. But significant results for the
Maibrat and Kemtuk area confirm the central role the success
motive plays in economic development. Different cultural
elements, as for example polygyny, hinder the development of
the achievement motive of individuals. Entrepreneurs barely
enjoy prestige and appreciation in society. Regarding the
ability of the research areas for economic development, a
drastic economic development can hardly be expected.
| SWD-Schlagwörter: |
Entwicklungsökonomie , Ureinwohner
, Papua , Indonesien , Papua <Provinz> , Brat , Dani ,
Unternehmerausbildung , Unternehmer |
| Freie Schlagwörter (deutsch): |
Kultur ,
ökonomische Entwicklung , Neuguinea , Irian Jaya , Kemtuk ,
Maibrat , unternehmerische Fähigkeiten , kulturelle
Umwelt |
| Freie Schlagwörter (englisch): |
New Guinea ,
Indonesia , Development economics , Culture , Indigenous
people , Entrepreneurial abilities , Cultural environment ,
Economic development |
| Erstgutachter: |
Erstgutachter: Röpke, Jochen (Prof.
Dr.) |
| Tag der mündlichen Prüfung: |
2005-04-05 |
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