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Titel:Entwicklungschancen von Demokratie und Föderalismus in einem Entwicklungsland am Beispiel des Sudan im Vergleich zu Nigeria und Südafrika
Autor:Ali Abdelrahman, Zakaria Mohamed
Weitere Beteiligte: Berg-Schlosser, Dirk (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2005
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0141
DOI: https://doi.org/10.17192/z2005.0141
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2005-01419
DDC: Philosophie
Titel(trans.):chances of development for democracy and federalism in developing country for example Sudan in comparision with Nigeria and South-Africa
Publikationsdatum:2005-09-26
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Föderalismus, Sudan, Federalism, Föderalismus, Sudan, Bundesstaat, Demokratie, Demokratie, Multiethnical state, Multiethnischer Staat, Federal state, Democracy

Zusammenfassung:
Im Rahmen diese Arbeit wurden die politischen Systeme der Länder Süd-Afrika, Nigeria und Sudan vorgestellt und miteinander verglichen. Den drei Staaten ist gemeinsam, dass sie eine heterogene Gesellschaft aufweisen. Daraus folgt, dass innerhalb der einzelnen Gesellschaften unterschiedliche Traditionen, Sprachen, Kulturen und auch Religionen existieren. Jeder der drei Staaten besitzt ein koloniales Erbe. Ziel der Arbeit war es, die politischen Systeme der drei Länder zu vergleichen und mögliche Handlungsalternativen für den multiethnischen Staat Sudan aufzuzeigen, um einen dauerhaften Frieden in diesem Land zu sichern. Es wurde deutlich, dass ein echter Föderalismus, der den Bundesstaaten mehr Autonomie zugesteht und die lokale Ebene stärkt, eine Chance für Sudan sein kann. Sudan kann hier von den beiden afrikanischen Staaten Nigeria und Südafrika lernen. Diese Staaten haben sehr unterschiedliche Entwicklungen vollzogen, um föderale Strukturen zu etablieren und damit den Interessen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden. Um ein stabiles System zu etablieren, bei dem der Großteil der sudanesischen Bevölkerung zufrieden ist, muss ähnlich wie in Südafrika die Macht- und Finanzverteilung auf Bund, Länder und Kommunen stattfinden. Dabei ist es wichtig, dass es Kontrollinstitutionen gibt, die, wie z. B. in Nigeria die Finanzverteilung regelmäßig überprüfen und bei Bedarf Änderungsvorschläge unterbreiten. Um den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Regionen gerecht zu werden, sollte, wie in Nigeria, bei der Besetzung von öffentlichen Ämtern, besonders auch bei den Bundesaufgaben, ein Rotationssystem eingeführt werden und Stellen prozentual entsprechend der Bevölkerungszusammensetzung besetzt werden. Eine restriktive Sprachpolitik, wie sie im Sudan in den letzten Jahrzehnten betrieben wurde, ist ein Unterdrückungsinstrument gegenüber zahlreichen einheimischen Ethnien. Hier muss, ähnlich wie in Südafrika und Nigeria, die Möglichkeit bestehen, die eigene Sprache zu erhalten, und auch in der Schule diese Sprache parallel zu der Nationalsprache zu erlernen. Dies vermittelt Selbstbewusstsein und verdeutlicht, dass Sudan keine arabische Nation mit einer Sprache, einer Religion und einer Kultur ist. Wichtige Voraussetzung ist, dass die sudanesische Regierung bereit ist, mit allen gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere auch aus den marginalisierten Gebieten über die Zukunft des Sudans zu verhandeln. Südafrika hat diesen Weg gewählt, um das Land von einem Apartheidregime in ein demokratisches System umzuwandeln. Die sudanesischen Machthaber fürchten jedoch, ihre über 50 Jahre innehabende Macht abgeben zu müssen. Die Daten aus dem Schwarzen Buch haben diese Tatsache untermauert. Derzeit hat die Regierung nur mit Südsudan ein Friedensabkommen abgeschlossen. In diesem Abkommen wurde auch festgehalten, wie die Ressourcen und die Macht zwischen diesen beiden „Parteien“ zu verteilen sind. Ziel dieser Politik war, die internationale Gemeinschaft zu zeigen, dass die sudanesische Regierung den Frieden im eigenen Land sucht. Sie hat jedoch kein Interesse daran, einen gerechten Frieden für das Land auszuhandeln. Eine Macht- und Ressourcenverteilung zwischen Süd- und Nordsudan ist keine Lösung für Gesamt-Sudan. Die Krisenherde in Nubabergen, Darfur, Blauer Nil-Region und Ostsudan zeigen, dass es im Sudan „brodelt“. Derzeit weigert sich noch die Militärregierung, alle gesellschaftlich relevanten Gruppen an der Macht zu beteiligen, aber je länger sie wartet, desto heftiger wird der Widerstand werden. Die Beispiele Südafrika und Nigeria haben gezeigt, dass sich diktatorische Regimes, bei denen nur eine Minderheit regiert, nicht auf Dauer an der Macht halten können.

Summary:
The author of this study compares the political systems of three African countries: Nigeria, South-Africa and Sudan in order to find political alternatives for a peaceful future of the multi-ethnical state of Sudan. All of them are multi-ethnical countries with a federal organization. Sudan is currently governed by a dictatorial regime which privileges only certain ethnic groups. The conflicts in Southern Sudan, in Darfur and in other regions of the country show this clearly. It is argued that people have to fulfill the following requirements in order to participate in the political and economical system: They have to be Arabic Muslims originating from Northern Sudan. The examples of Nigeria and South-Africa demonstrate that a peaceful change is possible. This can be realized by introducing a real federalism which allows the states more autonomy and increases the power of local communities. In order to establish a good governmental system, power-sharing and a fair distribution of finances between the federal states and the local community is necessary. The interests of the different ethnic groups have to be taken into consideration. The most important issue is that the government has to be prepared to negotiate with all political and social groups of Sudan about the future of the country. The author’s opinion is, that the Sudanese government is not really interested in a fair peace and therefore does not negotiate seriously. But he is convinced that the pressure of the marginalized regions will increase and the dictatorial regime will not govern forever.


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