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Autor: Marten-Mittag, Birgitt
Titel: Bewältigung chronischer Krankheiten am Beispiel der Leberzirrhose
Titel (eng): Coping with chronic diseases considering liver cirrhosis as an example
Erscheinungsjahr: 2004
Fachbereich: Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie, Philipps-Universität Marburg
Institut: Medizinische Soziologie und Sozialmedizin
Format: Portable Document Format (PDF 820K)
URL: http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0135/
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2005-01358
DDC-Sachgruppe: 610  Medizin


Dokument 1 Prüfsumme (MD5)

Kurzfassung in Deutsch:
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, am Beispiel der Leberzirrhose (LZ) zu unter¬su¬chen, welche gesellschaftlichen, psychischen und physiologischen Faktoren das Überleben mit einer chronischen Krankheit beeinflussen. Aus sozialepidemiolo¬gi¬scher Sicht stellen LZ-Patienten eine vernachlässigte Gruppe unter den chronisch Kran¬ken dar. Für sie existieren kaum Studien zur Krankheitsbewältigung; die meisten Untersuchungen zur LZ beschränken sich auf Überlebenszeitprognosen durch medi¬zi¬nische und Labor¬para¬meter. Beim empirischen Teil handelt es sich um eine Sekundäranalyse eines Längsschnitt-Datensatzes von 673 LZ-Patienten einer Rehabilitationsklinik der Bundesversiche¬rungs¬¬anstalt für Angestellte. Der Beobachtungszeitraum beträgt für jeden Patienten minde¬stens 10 und maximal 16 Jahre. Als empirisches Kriterium für die Bewältigung der Krank¬¬¬heit LZ wurde die Überlebenszeit mit der Krankheit gewählt, defi¬niert durch den Zeitraum zwischen Erstdiagnose und Tod bzw. Studienende. Hauptzielsetzung der em¬pi¬rischen Arbeit ist die Prüfung, ob und in welchem Ausmaß soziale Faktoren wie Ge¬schlecht, Alkoholkonsum (operationalisiert durch 4 Katego¬rien von Gamma-Gluta¬myl¬transferase-Werten (GGT)), Erwerbstätigkeit und soziale Schicht neben den eher medi¬zini¬schen Variablen Ätiologie und Krankheitsgrad die Überle¬bens¬zeit mit LZ beein¬flus¬sen. Darüber hinaus wird der Frage nachgegan¬gen, welche Faktoren be¬stimmend für die Erwerbslebenszeit (Dauer des Erwerbsle¬bens nach Diagnose von LZ) sind. Als statistische Methode zur Schätzung des Einflusses der vorhandenen Kovariaten auf die genannten Zeitvariablen wird das Proportional-Hazards-Regressionsmodell von Cox verwendet. Ergebnisse werden in Form von adjustierten Harzard Ratios (HR) und 95%-Konfidenzintervallen (KI) berichtet. Ergebnisse: Es sind vor allem 5 Faktoren, die die Überlebenszeit nach Diagnose von LZ signifikant beeinflussen: Medizinischer Krankheitsgrad, Geschlecht, Alkoholkon¬sum, Alter bei Diagnose und Erwerbslebenszeit. Erwartungsgemäß geht ein hoher Krank¬heits¬grad mit niedrigen Überlebensraten einher. Männer weisen gegenüber Frauen ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko auf (HR 1,9; KI 1,4 ? 2,8; p<0,001). Patienten mit stark erhöhten GGT-Werten zeigen die schlech¬teste Pro¬gno¬se: im Vergleich zu Patien¬ten mit normalen GGT-Werten (entspr. niedrigem Alkohol¬konsum bzw. Abstinenz) wei¬sen sie ein über 3 mal so hohes Ster¬be¬risiko auf (HR 3,2; KI 2,0 ? 5,3; p < 0,0001). Erwartungsgemäß ist das Sterbe¬risiko der Patien¬tengruppe über 55 Jahre signifikant höher als das der bis 45-Jährigen (HR 1,9; KI 1,3 ? 2,8; p< 0,001). Da es sich bei der Erwerbslebenszeit um eine Größe handelt, die zwar auch von der Über¬lebenszeit abhängt, jedoch derart, daß sie durch diese begrenzt wird, konnte sie nicht als Kovariate im Cox-Modell geprüft werden. Es wurden mittlere Überlebens¬zei¬ten (Kaplan-Meier) für 3 Kategorien von Erwerbslebenszeiten berechnet: (ELZG1: bis max. 1 Jahr; ELZG2: 1 bis 5 Jahre und ELZG3: >5 Jahre nach Diagnose von LZ er¬werbstä¬tig). ELZG1 weist mit 171 (KI 150-192) Monaten eine mehr als doppelt so ho¬he Überlebenszeit auf wie ELZG2 mit 82 (KI 74-90) Monaten; ELZG3 hat erwar¬tungs¬gemäß den höchsten Wert: 189 (KI 169-209) Monate (Log-Rank-Test p<0,0001). Die¬se Unterschiede zwischen ELZG1 und ELZG2 bestehen ebenso für die beiden jün¬ge¬ren Altersgruppen und sowohl für Männer als auch für Frauen. Für die Variablen Ätiologie und soziale Schicht konnte kein statistischer Zusammen¬hang mit der Überlebenszeit nach Diagnose von LZ gefunden werden. Als Determinanten für die Dauer des Erwerbslebens konnten Alter bei Diagnose, me¬di¬zinischer Krankheitsgrad und Geschlecht identifiziert werden. Frauen haben nach Dia¬gnose von LZ eine 1,2 mal höhere Wahrscheinlichkeit berentet zu werden als Män¬ner (HR 1,2; KI 1,0 ? 1,5; p = 0,049). Gamma-GT-Werte als Indikatoren für Alko¬hol¬kon¬sum, die Ätiologie und die soziale Schicht waren nicht signifikant mit der Erwerbsle¬bens¬zeit assoziiert. Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, Patienten mit LZ, ihren spezifischen Bela¬stungen und Bewältigungsmöglichkeiten einen höheren Stellenwert einzuräu¬men als die internationale Literatur bisher kennen läßt.


Kurzfassung in Englisch:
Aim of this study is to investigate the influence of social, mental and physiological fac¬tors on survival with a chronic disease considering liver cirrhoses (LC) as an example. LC-patients seem to be a particularly neglected subgroup among the chroni¬cally ill: Most studies o LC focus on prognostic values of medical and laboratory parameters; little attention is paid to social and psychological coping facets. On longitudinal data from 673 patients with LC secondary analyses were conducted. Survival time defined by the period between date of first diagnosis of LC and death resp. end of the study was regarded as coping criterion. Primary objective was to examine, whether and to which extend social factors as gen¬der, alcohol consumption (measured by four categories of gamma glutamyl¬transferase levels (GGT)), employment and social class affect survival time with LC along with more medical variables like etiology of LC and disease severity score. Secondary objective was to identify predictive factors of the employment time (time remaining in employment after diagnosis of LC). Cox proportional hazards regression revealed four variables as independent predic¬tors of survival time after diagnosis of LC: disease severity score, gender, alcohol con¬sumption, age at diagnosis. As expected a higher disease severity score is associated with lower survival rates. Men showed a nearly twofold risk for death (HR 1.9; CI 1.4 ? 2.8; p< .001) compared to women. Patients with highly augmented alcohol intake had the worst prognosis: compared to patients with low or no alcohol intake they showed a more than threefold risk of death (HR 3.2; CI 2.0 ? 5.3; p< .0001). As ex¬pec¬ted older age at diagnosis is associated with shorter survival. The variable employ¬ment time could not be incorporated in the Cox model as its asso¬ciation to survival time exist in such a way that employment time is limited by survival time. Mean survival times (Kaplan Meier) were computed for three categories of em¬ployment time (ET): ET1: < 1 year, ET2: 1 year up to 5 yrs and ET3: >5yrs. remai¬ning in employment after diagnosis of LC. ET1 showed a more than twofold survival time (171 months; CI 150-192) compared to ET2 (82 months; CI 74-90). As expected ET3 showed the highest survivaltime (189 months; CI 169-209) (Log-Rank-test p< .0001). Similar differences in mean survival time between ET1 and ET2 exist in the two youn¬ger age groups and exist for men as well as for women. Etiology of LC and social class revealed no statistical association with survival time after diagnosis of LC. Age at diagnosis, disease severity score and gender turned out to be predictive factors for employment time. After diagnosis of LC women are more likely to get retired than men (HR 1.2; CI 1.0 ? 1.5; p = .049). GGT as indicator for alcohol consumption, etio¬¬logy of LC and social class were not significantly associated with employment time. Further studies, with similarly prolonged follow-up, are needed to exlore the role of psychosocial factors in coping with liver cirrhosis.


SWD-Schlagwörter: Leberzirrhose
Freie Schlagwörter (deutsch): Krankheitsbewältigung , Soziale Faktoren
Freie Schlagwörter (englisch): Coping , Chronic diseases , Psychosocial factors
Erstgutachter: Mueller, Ulrich (Prof. Dr. Dr. )
Tag der mündlichen Prüfung: 2005-04-20
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