Publikationsserver der Universitätsbibliothek Marburg

Titel: Freiwillige Aufnahme von Kokain und Morphin im Tiermodell bei gemeinsamer und getrennter Darbietung sowie deren Beeinflussung durch eine vorangehende, erzwungene Aufnahme
Autor: Schulze, Katrin
Weitere Beteiligte: Vohland, Horst-Wilhelm (PD Dr.)
Erscheinungsjahr: 2004
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2004/0711
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2004-07118
DOI: https://doi.org/10.17192/z2004.0711
DDC: 610 Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Voluntary self-administration of both morphine and cocaine by rats.

Dokument

Schlagwörter:
Kokain, Cocaine, Freiwillige Aufnahme, Self-administration, Drogenabhängigkeit / Morphin, Ratten, Rats, Morphine, Morphin

Zusammenfassung:
Während der letzten Jahrzehnte finden Probleme des gleichzeitigen Mißbrauchs mehrerer psychoaktiver Drogen zunehmend Beachtung. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob Drogen wie Morphin und Kokain in gleichem Maß als Belohnung empfundene Reaktionen auslösen können. Die Frage wurde im Tierexperiment mit männlichen Sprague-Dawley-Ratten untersucht. Dazu wurde das Modell der Zwei- oder Drei-Flaschenwahl benutzt, bei dem die Versuchstiere die Drogen Morphin und Kokain über das Trinkwasser aufnehmen. Drei Teilaspekte der obigen Frage standen im Mittelpunkt: 1. Beeinflusst eine zum freien Konsum angebotene psychoaktive Substanz die freiwillige Aufnahme einer anderen? 2. Welche Folgen hat ein temporärer Aufnahmezwang für den nachfolgenden freiwilligen Konsum? 3. Welche Bedeutung hat es, wenn die Drogen parallel nebeneinander oder kombiniert als Gemisch angeboten werden? Vier Versuche lieferten die nachfolgend genannten Ergebnisse, die zu einem besseren Verständnis der eingesetzten Methode und zu Antworten auf die zentrale Frage führten. Ergebnisse zum experimentellen Vorgehen: 1. Ratten konsumieren freiwillig Morphin und Kokain, wenn diese Stoffe parallel nebeneinander oder als Gemisch angeboten werden. 2. Der freiwillige Konsum von Morphin und Kokain wies bei männlichen Sprague-Dawley-Ratten große interindividuelle Schwankungen auf, ist jedoch intraindividuell recht konstant. 3. Die tägliche Flüssigkeitsaufnahme wurde durch Morphin und Kokain nicht beeinflusst, wenn die Drogen zum freiwilligen Gebrauch parallel oder als Gemisch oder unter Zwang aufgenommen wurden. 4. Die Zugabe von Saccharin zur Maskierung des Drogengeschmackes führte dauerhaft zu keiner statistisch relevanten Änderung der freiwilligen Aufnahme von Morphin oder Kokain. 5. Die Zugabe von Saccharin zur Trinklösung in Konkurrenz zu Morphin und Kokain veränderte nicht die Aufnahme von Morphin, führte jedoch zu einer größeren Aufnahme von Kokain. 6. Die Positionierung der Trinkflaschen im Käfig führte zu keiner nennenswerten Änderung der freiwilligen Aufnahme von Morphin oder Kokain. Diese Befunde belegen die Brauchbarkeit des eingeschlagenen experimentellen Vorgehens zur Untersuchung von Fragen der freiwilligen Aufnahme von Drogen. Resultate zu Wirkungen der Testsubstanzen: 1. Bei parallelem Angebot war der freiwillige Konsum von Kokain größer als der von Morphin. 2. Bei Angebot einer Morphin-Kokain-Lösung blieb der freiwillige Konsum von Morphin etwa gleich, der Konsum von Kokain nahm dagegen ab. 3. Bei alleinigem Angebot von Morphin oder Kokain im Sinne eines Aufnahmezwanges erhöhte sich die Aufnahme beider Drogen entsprechend der täglichen Gesamtflüssigkeitsaufnahme. 4. Ein temporärer Aufnahmezwang von Morphin erhöhte nachfolgend die freiwillige Aufnahme von Morphin. Die freiwillige Aufnahme von Kokain wurde dagegen vermindert. 5. Ein temporärer Aufnahmezwang von Kokain erhöhte nachfolgend den freiwilligen Konsum von Kokain und Morphin praktisch nicht. Damit wird deutlich, daß Kokain besser angenommen wird als Morphin. Die freiwillige Aufnahme von Kokain wird jedoch durch Morphin supprimiert. Offenbar sind belohnende Wirkungen, die Morphin stimulieren kann stärker ausgeprägt als diejenigen von Kokain. Diese Befunde können die Annahme stützen, daß verschiedene Belohnungssysteme angesprochen werden, wobei das Morphinzentrum das Kokainzentrum dominiert.

Summary:
Voluntary self-administration of cocaine and/or morphine was studied in rats. Male rats were offered water bottles or bottles containing either cocaine or morphine, both cocaine and morphine (combination) or cocaine and morphine as a mixture. Alternating the three drug-containing bottles had no effect on drug choice. When offered alone, rats consumed about 12 +/- 8 mg/kg/day of cocaine or 0.3 +/- 0.3 mg/kg/day of morphine. When both drugs were offered in combination, they consumed a higher amount of cocaine (22 +/- 7), but the same amount of morphine (0.4 +/- 0.3). Availability of cocaine/morphine mixture kept morphine consumption constant (0.3 +/- 0.1), but markedly decreased cocaine intake (0.3 +/- 0.2). Addition of saccharin to the drug solutions only slightly increased consumption of both drugs, whereas saccharin added as a competitor or distracter to the drug solution reduced cocaine but not morphine self-administration. Animals showed wide interindividual variations but surprisingly small intraindividual variations in self-administration of cocaine or morphine under all conditions. No correlation between cocaine and morphine intake was apparent in the combination situation. Forcing animals first with cocaine had no effect on subsequent intake of cocaine or morphine presented in combination. However, forcing animals first with morphine subsequently increased morphine and reduced cocaine intake. In conclusion, morphine intake was the same if offered alone, in combination or as a mixture, whereas cocaine intake increased during a combination but decreased in the mixture situation. Cocaine pre-exposure had no effect on subsequent voluntary morphine or cocaine choice, whereas morphine pre-exposure increased subsequent voluntary morphine but decreased cocaine intake. These results suggest the possibility of two reward centers, one for each drug, the morphine center exerting a dominant influence over the cocaine center


* Das Dokument ist im Internet frei zugänglich - Hinweise zu den Nutzungsrechten