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Titel: Evaluation und Standardisierung von Hauttestungen zur Diagnostik der irritativen Kontaktdermatitis
Autor: Gebhard, Kerstin Luise
Weitere Beteiligte: Effendy, Isaak (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2004
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2004/0209
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2004-02098
DOI: https://doi.org/10.17192/z2004.0209
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Evaluation and standardization of diagnostic skin tests for irritant contact dermatitis

Dokument

Schlagwörter:
Transepidermaler Wasserverlust, Kontaktekzem, transepidermal water loss, irritant dermatitis, Hautphysiologische Untersuchungsverfahren, sodium dodecyl sulfate, Natriumdodecylsulfat, Epikutantest, skin irritancy tests, Kontaktdermatitis

Zusammenfassung:
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, durch Variation verschiedener Applikationszeiten, Konzentrationen und Vorbehandlungen (VB) der Teststellen zu evaluieren, ob der bisher übliche 24-stündige epikutane Irritationstest auf 4 Stunden verkürzt werden kann. Hierzu wurde an 36 hautgesunden Probanden ein epikutaner Natriumlaurylsulfat-Test (NLS-Test) auf die oberen Rückenpartien appliziert. Folgende Variablen wurden hierzu angewendet: a) Applikationszeiten: 4 und 24 Stunden b) Meßzeitpunkte: 4, 24 und 72 Stunden c) Testkonzentrationen: 0,5 %, 1 %, 2 %, 5 % NLS-Lösung in aqua dest. d) Fünf verschiedene VB der Teststellen, wie folgt: VB1 Reine Applikation ohne VB, VB2 Prick-Test mit Lanzette, VB3 Prick-Test mit Teststempel, VB4 Skarifikation mit Lanzette, VB5 Definierte Inzision mit Skalpell. Die Testreaktionen wurden mittels hautphysiologischer Untersuchungsmethoden erfaßt. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) wurde mittels TEWAMETER, das Erythem (EI) mittels MEXAMETER, sowie die Hydration (HY) mittels CORNEOMETER gemessen. Desweiteren wurden die Teststellen durch ein visuelles Scoring (VS) bewertet. Vor Testbeginn wurden jeweils die Basiswerte gemessen. Hinsichtlich der angewandten VB lassen sich die Testwerte klar in zwei Gruppen aufteilen: VB 1 - 3 und VB 4 - 5. Aufgrund dieser eindeutigen Gruppierung liegt die Vermutung nahe, daß den VB 4 und 5 ein anderer Reaktionsmechanismus zugrunde liegt. NLS dringt hier, vermutlich bedingt durch die Verletzung der Hautbarriere und die Kapillarwirkung, direkt in tiefere Epidermisschichten bzw. ins Korium ein und es wirkt eine geringere Menge NLS über die Epidermis. Hierdurch wird der für irritative Reaktionen verantwortliche Reaktionsmechanismus, die Penetration des NLS durch Stratum corneum und Epidermis und die Interaktion mit deren Strukturen, weitestgehend umgangen. Vermutlich findet zudem bei den VB 4 - 5 eine irritative Reaktion in den tieferen Hautschichten statt, wobei der exakte Wirkmechanismus hier noch nicht vollständig erforscht ist. Gemäß der bekannten Dosisabhängigkeit der NLS-Reaktion treten bei diesen VB geringere visuelle Reaktionen auf. Die alleinige Applikation hat sich gegenüber der Applikation mit VB bewährt, da hier der klassische Reaktionsmechanismus nicht beeinträchtigt ist. Diese Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, daß die Reaktion umso ungenauer und unprediktiver ist, desto invasiver die VB ist. Die alleinige Applikation kann somit als Methode der Wahl bzw. ?Goldstandard? bestätigt werden und die Anwendung von VB der Haut vor Testapplikation wird abgelehnt. In der vorliegenden Studie konnten sowohl für den VS als auch den EI verzögerte Reaktionen, sogenannte Crescendo-Reaktionen, beobachtet werden. Die für den TEWL beschriebenen verzögerten Reaktionen konnten durch vorliegende Testergebnisse nicht bestätigt werden. Nachmessungen der Teststellen scheinen daher nur für den VS, den EI und die HY sinnvoll, nicht jedoch für den TEWL. Aufgrund der Korrelation zwischen VS und EI und der schwachen Aussagekraft des EI wird für ein klinisches Scoring nur die additive visuelle Bewertung, zusätzlich zur Messung des TEWL, für sinnvoll erachtet. Zusammenfassend kann die Etablierung eines 4-Stunden NLS-Irritationstest befürwortet werden. Die Testdauer wird damit enorm verkürzt, der Test für den klinischen Alltag praktikabler und angenehmer für den Patienten. Der 4-stündige Provokationstest erzielt in ausreichend hohen Konzentrationen des Detergenz eine gute Aussagekraft hinsichtlich erhöhter Hautempfindlichkeit für Irritantien. Wegen der limitierten Spezifität des NLS-Tests sollten Testergebnisse stets kritisch interpretiert werden. Folgendes Procedere erscheint demnach geeignet: Ein 4-stündiger epikutaner Irritationstest mit einer Konzentration zwischen 2 und 5 % NLS in aqua dest. wird ohne VB okklusiv auf die Haut appliziert. Die Bewertung der Teststellen erfolgt sowohl mit dem TEWAMETER zur Messung des TEWL sowie einem visuellen Scoring, einmalig zum Zeitpunkt 24 Stunden nach Abnahme der Testkammern. Es sind weiterführende Studien erforderlich, um ein hierfür optimales Testprotokoll zu evaluieren. Hierin sollte die Konzentration und Applikationsdauer so gering wie möglich gewählt werden, um etwaige dosisbedingte Langzeitschäden der Haut zu vermeiden.

Summary:
Irritant patch testing is often performed as a 24 or 48 hour (h) occlusive patch test with low concentrations of sodium lauryl sulfate (SLS). The aim of this study was to investigate potential ways to shorten this test procedure and precise test results. 36 healthy volunteers underwent irritant patch testing with different pretreatments (PT) of the test fields. Occlusive test chambers were applied on the upper back with SLS 0.5%, 1%, 2% and 5% in large Finn Chambers. The patches were removed after 4 and 24 h, respectively, depending on the used concentration. Test fields were pretreated as follows: PT 1. field without any PT (control), PT 2. prick with lancet, PT 3. prick with test stamp, PT 4. scratch with lancet, PT 5. incision with standardized incision instrument (0.1-0.2 mm depth). Skin reactions were evaluated by transepidermal water loss (TEWL), skin erythema (EI) and skin hydration (HY) and as well by a visual score (VS) at 4, 24 and 72 h. Data show an obvious distinction between PT 1 - 3 and PT 4 - 5 at all measurement methods. The average TEWL values with PT 4 - 5 were higher than these with PT 1 - 3, especially on the 4 h-course. This distinction may derive from shape and size of the skin impairment achieved by PT 4 - 5, leading to a mechanical barrier disruption. However, SLS may infiltrate directly into deeper skin layers supported by capillarity. Consequently, no or little penetration through the epidermis and interaction with its structures occurs, which is responsible for irritant skin reactions. The SLS dose in the upper skin layers is therefore lower at these PT. The less remaining dose of SLS also explains this distinction, especially for the VS. Additionally, there are presumed reactions in deeper layers of the epidermis and dermis at PT 4 - 5. All these data suggest a different reaction pattern from the classical irritant response. Therefore, application without any PT seems to be best suited for irritancy skin testing, especially for visual assessment. PT prior to irritant patch testing have shown to be unjustifiable. In the current study crescendo reactions were seen at visual scoring and the skin erythema. For the TEWL no delayed reactions have been discovered. Repeated measurements therefore are only useful for VS, skin erythema and skin hydration. A 4-hour test procedure for the SLS-skin irritation test can be recommended to make the test more practicable for the patient and the clinic. The following test procedure seems to be appropriate: Application of a 4-hour epicutaneous irritancy test with concentrations of SLS between 2 and 5 % without any pretreatment of the test fields. An appropriate clinical scoring consisting of TEWL and VS can be recommended.


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