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Titel:Skalendifferenzierte Auswirkungen großflächiger Beweidung auf die Artenvielfalt des Südschwarzwaldes
Autor:Kostrzewa, Stefan
Weitere Beteiligte: Plachter, Harald Prof. Dr.
Erscheinungsjahr:2004
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2004/0100
DOI: https://doi.org/10.17192/z2004.0100
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2004-01009
DDC: Biowissenschaften, Biologie
Titel(trans.):Consequences of large scale pasturing on species diversity of the Southern Black Forest

Dokument

Schlagwörter:
Black Forest, Heuschrecken, Beweidung, Südschwarzwald, Orthoptera, land use, Heuschrecken, Raumskala, Landnutzung, Landnutzung, Artenvielfalt, Artenvielfalt, scale dependend, Species diversity, Beweidung, pasture, Südschwarzwald, Raumskala

Zusammenfassung:
Zur Zeit werden in den so genannten peripheren Regionen Mitteleuropas alternative Nutzungskonzepte für freifallende landwirtschaftliche Flächen gesucht, die sowohl naturschutzfachliche als auch landwirtschaftliche Ziele vereinen. Entsprechend des Leitbildes ?halboffener Weidelandschaften? wird daher die Etablierung großflächiger ?Extensivweidesysteme? diskutiert, die momentan mit modellhaftem Charakter, meist auf kleinen Flächen, erprobt werden. Als Zielzustand bzw. Vorbild wird unter den herangezogenen traditionellen, gemeinschaftlichen Landnutzungssystemen besonders häufig der Südschwarzwald mit seinen noch großflächig erhaltenen Allmendweiden genannt. Es gilt also zu überprüfen, ob diese Allmendweidesysteme des Südschwarzwaldes tatsächlich so ?vorbildlich? sind und entsprechende Referenzzustände künftiger Alternativstrategien des Naturschutzes darstellen können. Dazu werden die Südschwarzwälder Allmendweiden, heute im Rinder-Jungviehbetrieb, anderen lokalen Landnutzungsformen der grünlanddominierten Untersuchungsregion gegenübergestellt. Die Allmendweiden weisen eine vielfältigere Raum- und Vegetationsstruktur auf als Wiesen unterschiedlicher Nutzungsintensität und als Milchviehweiden. Außerdem leisten sie einen wesentlich höheren Beitrag zur regionalen Biodiversität als alle anderen Landnutzungsformen, indikatorisch untersucht am Beispiel der Heuschrecken- und Tagfaltergemeinschaften. Diese hohe Artenvielfalt der Jungvieh-Allemendweiden kommt vor allem durch geringe Besatzdichten (Besatzstärken sind mit 0,5-0,6 GVE/ha relativ konstant), große Flächengrößen sowie historische Nutzungsaspekte zustande. Unter den früheren Nutzungseinflüssen sind die sog. Nebennutzungen, Dienstleistungen im Regelsystem der Allmendwirtschaft, hervorzuheben. Diese wirken durch teils erhebliche Offenhaltungs-, Rodungs- oder Düngemaßnahmen bis heute auf die Weideflächen. Allerdings sind diese Nebennutzungen in den vergangenen zwei Jahrhunderten genauso starken Wandlungen unterworfen wie die gesamten Landnutzungssysteme des Südschwarzwaldes, was mittels GIS flächenscharf für drei Gemarkungen gezeigt werden kann. Aufgrund dieser regionaltypischen Entwicklungsgeschichte ist eine Ableitung überregionaler, allgemeingültiger Leitlinien aus den Allmendweidesystemen nur mit Einschränkungen möglich. Dennoch sind sie als Zielzustände des Naturschutzes insgesamt bestens geeignet. Außerdem bestehen Kenntnislücken hinsichtlich der Funktionsweise großflächiger Beweidungssysteme, ihren Einflüssen auf Vielfalt und Verbreitung von Organismen sowie entsprechender Steuerungsmöglichkeiten. Daher besteht eine zweiter Schwerpunkt dieser Arbeit in der Analyse des Raumnutzungsmuster großflächiger Rinderbeweidung und seinen Auswirkungen auf die Vegetationsstruktur und das Verbreitungsmuster von Indikatorartenkollektiven (Wirkungskette: ?Weidemanagement/Standort-Rind-Vegetationsstruktur -Artenverbreitung?). Hierzu wurden auf mittlerer Raumebene die Jungvieh-Allmendweiden des Gletscherkessel Präg im Südschwarzwald bearbeitet. Das durch Gegenhangfotografie untersuchte Raumnutzungsmuster der Rinderherden weist charakteristische Verhaltensabläufe an bestimmten Weideabschnitten auf, so dass die Weiden in funktionale Einheiten unterteilt werden können. Grund diese heterogenen Beweidungsmusters sind neben Vegetation und räumlichen Nachbarschaftseffekten vor allem Einflüsse des Weidemanagements. ,wie geostatistische Regressionsmodelle zeigen. Diese Beweidungsmuster generiert ein charakteristisches Vegetations- und Strukturmuster auf den Weideflächen, welches auf den häufiger frequentierten Weidegründen besonders vielfältig, aber auch in starken Maße vom Standort bestimmt wird wie eine zweite Modellebene belegt. Als dritte Analyseebene kommen die Auswirkungen der Beweidung auf das Verbreitungsmuster von Heuschrecken und Tagfaltern hinzu. Ihre Vorkommen werden durch den beweidungsbedingten Strukturreichtum der Vegetation bzw. ein hohes Blütenangebot bestimmt, aber auch Standortfaktoren und räumliche Nachbarschaftseffekte besitzen ähnlich großem Einfluss, wie die dritte Modellebene zeigt. Auf räumlich niedrigster Ebene werden einige spezielle Effekte und Funktionen der großflächigen Extensivbeweidung herausgegriffen, wozu Kleinstrukturen unterschiedlicher Grünlandnutzungen untersucht werden. Diese Kleinstrukturen sind in hohem Maße für den Artenreichtum der Weiden, besonders der großflächigen Extensivweiden, verantwortlich. Sie stellen Schlüsselhabitate im Lebenszyklus der untersuchten Invertebraten dar, beispielsweise bei der Reproduktion von Heuschrecken oder dem Blütenbesuch von Tagfaltern.

Summary:
Due to the increasing rate of fallow land Central Europe? s rural landscapes are in need of alternative land use concept s, combining the aims of Conservation and agriculture. According to the approach of ?semi-open pasture landscapes? the implementation of large scaled low-intensity-pasture-systems are actually discussed and partially tested only in small areas. As target state the traditional, collaborative land use systems of the Southern Black Forest with it? s widely well preserved `Állmende? pastures are often mentioned. It is necessary to check the model character of the Southern Black Forest `Allmende?-pasture-systems and their future roll as target state of alternative land use and conservation strategies . Therefore the `Állmende? (young cattle) pastures are compared with other local land use forms of the grassland dominated region. The `Állmende? (young cattle) pastures feature a more diverse vegetation structure than meadows with different mowing regimes and than dairy cattle pastures. Also their contribution to regional biodiversity is much higher, analysed with indicator groups as locusts (orthoptera) and butterflies (lepidoptera). The high biodiversity of the `Állmende? pastures is mainly caused by low stocking rates (cp. Stocking capacity is constant ~0,5-0,6GVE/ha), area size and aspects of historic land use. The latter effect is composed of different `beside-utilisations?, which were services in the regulating system of the `Allmende? like clearing, cutting or fertilising. But these `beside-utilisations? have changed in the past two centuries as much as the land use system itself, what could be demonstrated for three boundaries in the Southern Black Forest using GIS. Because of the region-typical history of development a transfer to general guidelines is restricted. Anyhow `Állmende? pastures are optimally qualified as target states of nature conservation Still there is a lack of knowledge of the functionality of large scaled pasture systems and their effects on diversity and distribution of organisms. A second main focus analyses the utilisation patterns of cattle and their consequences for vegetation structure and distribution of indicator species groups, refereeing to a functional chain: pasture management ®pasturing®vegetation structure®species distribution. Therefore `Állmende? pastures were analysed on meso-scale. utilisation patterns of cattle was detected with serial-photos from the opposite mountainside. Characteristic cattle behaviour were found in certain areas why the pastures could be divided in functional objects. Vegetation, spatial neighbourhood effects and pasture management were reasons for this heterogeneous utilisation patterns, what could be proofed in geostatistic regression models (glm). The utilisation patterns generate characteristic patterns of vegetation structure, which is mainly affected by site as a second level of regression models show. Third level of analysis are the effect of pasturing on the distribution of locusts and butterflies. Their occurrences are affected by vegetation structure (e.g. high density of blossoms), site and spatial neighbourhood effects, shown by the third level of regression models. Special effects and functionality of `Állmende? pastures were analysed on micro-scale. Therefore different `Micro-structures? under varying land use influence were studied. The Variety of `Micro-structures? are responsible for high species diversity of `Állmende? pastures. Besides they are keystone habitats in the life cycle of species e.g. the reproduction and oviposition of locusts.


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