Architektur des Kolleges Burghausen

1. Lage
2. Bedarfszahlen und Raumprogramm
3. Architektur Kolleg Burghausen
4. Architektur der Gesamtanlage Kolleg Burghausen

Kolleg Burghausen, G. Bodenehr, 1721(?)
Kolleg Burghausen, G. Bodenehr, um 1721

1. Lage


Das Jesuitenkolleg Burghausen wurde in der sog. »Zaglau« eingerichtet.

Lageplan des ehem. Kolleges Burghausen
Lageplan des ehem. Kolleges Burghausen

Das Gelände, auf dem seit 1629 das Jesuitenkollegium Burghausen entstand, liegt am Nordrand der Altstadt519, vor dem ehemaligen Zieglau- oder Jesuitentor der Stadtbefestigung Burghausens. Das Gelände wurde flussabwärts von der äusseren Mauer der Stadtbefestigung begrenzt. Der schmale, hochwassergefährdete Schwemmlandstreifen zwischen Salzach und Burgberg war seit alter Zeit Eigentum der bayerischen Herzöge. Hier befand sich der »Alte« Salzstadel, der um 1600 vom grösseren »Neuen« Salzstadel in seiner Nutzung abgelöst wurde.

Grundriss der Gesamtanlage des ehem. Kollegs, um 1817
Grundriss der Gesamtanlage des ehem. Kollegs, um 1817

Der Platz des Alten Salzstadels wurde für den Baugrund der neuen Jesuitenkirche geräumt. Die auf dem Gelände erbauten Häuser wurden nachfolgend für das Kollegium der Jesuiten erworben520. Die Grundzuweisung und der Häusererwerb für das Kolleg Burghausen erfolgte durch nachdrückliche Unterstützung durch den Landesherrn. In der Folgezeit erbauten die Jesuiten das Kolleg Burghausen

Ansicht Kolleganlage, von Osten
Ansicht Kolleganlage, von Osten

2. Bedarfszahlen und Raumprogramm

Die Bedarfszahlen für das Kolleg Burghausen529: Die Anzahl der Jesuiten im Kolleg Burghausen differierte in der ersten Jahrhunderthälfte sehr stark; sie betrug im Durchschnitt wohl etwa 14 Personen. Die Anzahl stieg gegen das Jahrhundertende leicht an. Die Schülerzahlen betrugen zur Mitte der Jahrhunderts ca. 135, auch hier mit ansteigender Tendenz, bis wohl auf etwa 200 Schüler zum Ende des Jahrhunderts.

Die Bauten für das Kollegium Burghausen sind: der Kirchenbau (errichtet im wesentlichen in den Jahren 1630/31. 1651 wurde an der östlichen Kirchenseite ein Anbau errichtet. Das Kolleg: erster Teil des Kolleges (erbaut 1643/44); erst in der zweiten Jahrhunderthälfte wurde der zweite Kollegtrakt angefügt (1682 bis16 87 Kolleg und Seminar). Der Schulneubau wurde 1662/64 errichtet.

Für das Raumprogramm des Kollegtraktes ist keine konkrete Beschreibung aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Die Raumeinteilungen lassen sich unter Heranziehung verschiedener Archivalien und Pläne, meist aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, erschliessen530:
Kirche mit Vorraum; ein Sakristeiraum im Erdgeschoss des Anbaues. Im 1. Obergeschoss befand sich der Aufbewahrungsraum für die Kongregation; im 2. Obergeschoss die Bibliothek. Oratorien waren im Anbau untergebracht531. Der Kollegbau umfasste den Keller mit Lagerungsmöglichkeiten; im Erdgeschoss lagen der Eingangsbereich für Kolleg mit Pforte, Sprechzimmer, Prokuratur mit Archiv; Treppenanlagen, Sanitärbereiche; Zellen.
Im ersten Stock lag das Zimmer für den Rektor und den Präses der Kongregation. Im zweiten Stock befand sich das für den Provinzial reservierte Zimmer mit Nebenzimmer. Infolge der Erbauung des zweiten Kollegbauabschnittes ergab sich teilweise eine Umstrukturierung der Raumeinteilung des Kollegtraktes. Die Erweiterung des Kollegtraktes wurde zur Unterbringung des Internates (Konviktes) bzw. des Seminares genutzt. Die Veränderung betraf im Erdgeschoss vor allem die Lage der Küche mit »Speis« (Verlagerung in den nach Westen abwinkelnden Trakt); im Erdgeschoss lagen Räume der Seminaristen. Im 1. Obergeschoss befanden sich das Schlafzimmer (Dormitorium), das »Museum«, das Rekreationszimmer, das Inspektorat und Aufenthaltsräume.
Im 2. Obergeschoss lagen weitere Aufenthaltsräume und wohl das Krankenzimmer. In allen Stockwerken traten synchron übereinanderliegende Verbindungsgänge und Treppenanlagen hinzu.

Die Raumeinteilung des Gymnasiumneubaues von 1662/64 ist durch verschiedene Pläne und deren Beschriftungen überliefert532.
Im Erdgeschoss, »Infima Contignatio«, befanden sich die Klassenräume der Syntax maior und der Rhetorik mit Gang und Treppenanlage, eine Holzlege (verwendet auch als »Straflokal« der Studenten); hier befand sich die sog. »kleine Aula« (oder der sog. »kleine Kongregationssaal«).
Im 1. Obergeschoss, »Media Contignatio«, befanden sich weitere Klassenräume für die Rudimenta, Grammatica, Syntax minor und Humanitas.
Im 2. Obergeschoss, »suprema Contignatio«, lag die »grosse Aula«. Die Planung von 1629 sah eine grosse Kolleganlage mit einer einheitlichen Anlage der Bauflügel vor.

Das Raumprogramm der 1629/1630 unter Kurfürst Maximilian I. von Bayern geplanten Anlage war Gegenstand der Erörterung zwischen dem Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz Walter Mundbrodt und dem Bauamt des Generalates in Rom im Rahmen des Genehmigungsverfahrens der neuen Kolleganlage. In den drei erhaltenen Schriftsätzen533 wurden die verschiedenen Gebäudeflügel und Raumnutzungen detailliert diskutiert und verschiedene Nutzungsvarianten und Verbesserungsvorschläge besprochen.

Unter Kurfürst Maximilian I. konnten lediglich die Kirche und der erste Kollegtrakt der geplanten Anlage errichtet werden; die Ausführung weiterer Teile unterblieb; für den Lehrbetrieb mussten Altbauen genutzt werden. Der Anstieg der Schülerzahlen und unhaltbare bauliche Zustände erforderten den weiteren Ausbau der Kolleganlage: der Neubau des Schulgebäudes und des Erweiterungsbaues des Kollegtraktes erfolgte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter den Nachfolgern Maximilians I.

3. Architektur Kolleg Burghausen

Die ehemalige Kollegkirche St. Josef (Neubau 1630/31 unter Maximilian) ist genordet und in Süd-Nordrichtung angelegt.

St. Josef, ehemalige Jesuitenkirche mit Stanislauskapelle und Kirchengang, Grundriss
St. Josef, ehemalige Jesuitenkirche mit Stanislauskapelle und Kirchengang, Grundriss

Die Haupt- oder Südfassade ist auf den Stadtplatz hin ausgerichtet.

St. Josef, Hauptfassade
St. Josef, Hauptfassade

Der Unterbau der Fassade wird durch die vier Kolossalpilaster strukturiert. In der Mitte der Fassade befindet sich ein zentrales Mittelfeld; es wird durch den Haupteingang und eine Figurennische untergliedert.

Das Portal liegt versenkt in einer rundbogigen, von einem Archivolt eingefassten Nische und wird von zwei toskanischen Pilastern und Gebälk umrahmt. Darauf lagert die Widmungstafel des Kurfürsten Maximilian auf mit den Wappentafeln links des bayerischen Kurfürsten, rechts seiner Gemahlin Elisabeth von Lothringen.

Widmungsinschrift
Portal Kirche, um 1635
Widmungsinschrift Portal Kirche, um 1635

Oberhalb des Portals befindet sich eine gerahmte Muschelnische mit einer Skulpturengruppe550. Die beiden flankierenden Seitenfelder nehmen hochrechteckige Fenster auf. Darunter liegen querovale architekturgerahmte Nischen. Schmale Architekturbänder führen vom Unterbau empor und verkröpfen sich mit der Architekturrahmung der beiden Seitenfenster. Das Mittelfenster der Fassade durchtrennt das Hauptgebälk des Unterbaues und reicht zum oberen Gesims der Attika, mit dem es durch eine Bosse verbunden ist. Ein Fries (früher mit Triglyphen bemalt) und das stark reliefierte Gesims schliessen den Unterbau ab und leiten zur Attikazone über. Die seitlich von Voluten eingefasste Attikazone wird durch ein flaches Architekturrelief vertikal, der Volutengiebel durch Horizontalfelder in drei Zonen untergliedert. Die Unterzone besitzt zwei aussenstehende Doppelfenster, die zweite Zone zwei an der Mittelachse liegende Rundfenster, die dritte Zone trägt eine Rundbogennische mit einer Statue des Heiligen Franz Xaver.

Die Farbgebung des Kirchenaussenbaues ist in braun-roten und gelb-braunen Ockertönen gehalten551.

Die westliche Langhauswand wird durch vier Pilaster und vier Fenster gegliedert.

St. Josef und Kolleg, Westfassade
St. Josef und Kolleg, Westfassade

Über den Fenstern schliesst eine Rahmenarchitektur mit einem je darunterliegenden gerahmten Wandfeld an. Die schräge schmale Dachzone des Pultdaches vermittelt zur Langhaus-Hochwand; diese trägt als Wandgliederung vier Zwergpilaster und querrechteckige Wandfelder mit Rosetten und entspricht damit den Feldern der Langhauswand. Über dem Dachgesims steigt das Satteldach des Langhauses auf.

Der Turm der Kirche mit vier Untergeschossen liegt an der westlichen Langhausaussenwand an. Die Westseite der Chorwand wird durch zwei Fenster und den Sakristeivorbau (siehe Aufrisszeichnung der Langhaus-Westseite, 1874) untergliedert. Die ungegliederte Ostseite des Kirchenlanghauses besitzt drei Fenster. Den oberen Abschluss bildet ein zur Hochwand überleitendes Pultdach; ein Kranzgesims vermittelt zum Satteldach. Der 1651 erbaute Kirchengang wurde 1867 abgebrochen. An die Langhauswand schliesst der Chor der Kirche mit drei Kirchenfenstern an. Die östliche Seitentüre führte ursprünglich in die 1867 abgebrochene Stanislauskapelle.

Das Kircheninnere

St. Josef, Blick in den Chor
St. Josef, Blick in den Chor

St. Josef, Blick auf den Musikchor
St. Josef, Blick auf den Musikchor

Das Langhaus weist vier von je drei Wandpfeilern voneinander geschiedene Joche auf552. Das vierte, rückwärtige ist ein Emporenjoch. Die beiden folgenden Joche553 bergen an ihren Längsseiten je zwei Wandnischen für in die Wand eingelassene Beichtstühle. Das nördliche Langhausjoch nahm an seinen Stirnseiten die beiden Seitenaltäre auf. Der Chorbogen vermittelt vom Langhaus zum Chor der Kirche554. Der Chor schliesst mit einer halbrunden Apsis (mit zwei Pfeilervorlagen), die Chorwand555 wird durch je zwei Pilaster, durch zwei Fensteröffnungen und durch zum Schulhof und der Sakristei führende Türen untergliedert. An der westlichen Seite des Chores im Übergang zum Langhaus liegt der Turm der Kirche an.

Die ursprüngliche Innenarchitektur und Innenausstattung der ehem. Jesuitenkirche ging bei der Brandkatastrophe vom 2./3. August 1863 bzw. den nachfolgenden Massnahmen zur Wiederherstellung zugrunde556.

Die Architekturgliederung des Innenraumes der Kirche St. Josef stammt weitgehend aus den Jahren des Wiederaufbaues in den Jahren 1863 bis 1874. Beim Wiederaufbau wurde die innere Struktur des Baues verändert. Eine wesentliche Veränderung des ursprünglichen Raumeindrucks betrifft die Ersetzung des ursprünglich vorhandenen Tonnengewölbes des Langhauses durch eine mit einfachem Stuck versehene Flachdecke. Auch die bauplastische Gliederung der Kircheninnenräume der ehemaligen Jesuitenkirche ging bei Brand und Wiederaufbau verloren.

Die Rekonstruktion des ehemaligen Bauzustandes stützt sich im wesentlichen auf eine um 1863 entstandene Skizze der westlichen Kircheninnenwand des Langhauses.

Zeichnung der Westwand der ehem. Jesuitenkirche St. Josef, um 1863
Zeichnung der Westwand der ehem. Jesuitenkirche St. Josef, um 1863

Die genannte Skizze wurde nicht maßstabsgerecht ausgeführt. Insbesonders entsprechen die Abstände der Kirchenjoche und die Höhe des Langhausscheitels nicht den realen Verhältnissen. Die Zeichnung gibt vermutlich den Zustand der Innengestaltung der Kirche vor dem Brand von 1863 wieder; sie wurde wohl nach dem Brand zu ersten Planungen des Neuausbaues der Kirche herangezogen. Der nachträglich eingezeichnete niedere Deckenansatz und die angedeuteten Kassettierungen weisen wohl auf eine im Zuge des Wiederaufbaues entstandene Planung hin557. Die wiedergegebenen Doppelpilaster, der Chorbogen, die einfachen Pilaster mit Kapitell und Kämpferzonen und Stichkappen beim Gewölbeansatz von Langhaus und Chor dürften der ursprünglichen Innenarchitektur der ehem. Jesuitenkirche entsprechen.

Ein bemerkenswertes Detail stellt die Wiedergabe der beim Brand verlorengegangenen Wandverkleidungen durch Pilaster dar, welche mit einem Medaillon und mit nach unten und oben rankenden Girlanden und Rocaillen in den Formen des Rokoko dekoriert waren. Der Schmuck der Gewölbetonne wurde in der Zeichnung nicht wiedergegeben. In die Aufrisszeichnung wie auch in der darunterliegenden Wiedergabe des halben Kirchengrundrisses, welcher die Kirchenwand genau verzeichnet, wurden zahlreiche Massangaben eingezeichnet.

Anhand dieser Zeichnung und unter Verwendung von Abmessungen der Westwand und der Ansteigewinkel der Gewölbe von Langhaus und Chor lässt sich die westliche Längsansicht der Kircheninnenwand der ehem. Jesuitenkirche St. Josef vor dem Brand von 1863 rekonstruieren558.

Die bauplastische Innendekoration aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde mit einfachem Stuckrahmenwerk ausgeführt; sie wurde bei späteren Umgestaltungen teilweise durch einen plastischen Stuck ersetzt. Eine spätere Veränderung an den Lisenen erfolgte durch Auftragen einer Rokokoornamentik. Über die ehemaligen Altäre des 17. Jahrhunderts, deren Abmessungen und deren Aussehen, finden sich Angaben in den Litterae Annuae559. Unterhalb des Querschiffes der Kirche befindet sich die ehemalige Jesuitengruft560.

Das Kolleg St. Ignatius (Neubau 1. Bauabschnitt 1643/44; 2. Bauabschnitt mit Querflügel 1682 bis 1687) ist ein Baukörper von verhältnismässig geringer Breite mit zwei Hauptfronten.

Burghausen, Kollegflügel, 1774
Burghausen, Kollegflügel, 1774

Der Baukörper ist dreigeschossig und besitzt ein spitzgiebeliges Satteldach.

Querschnitt Kolleg, Linie A-B, 1824
Querschnitt Kolleg, Linie A-B, 1824

Die zur Flußseite gelegene Kollegfront ist Ergebnis mehrfacher Umgestaltungen von Tür- und Fensteröffnungen seit dem Ende seiner ursprünglichen Nutzung als Kollegbau und Unterkunft der Ordenskommunität.

Kolleg, Ostfassade, mit Gymnasium
Kolleg, Ostfassade, mit Gymnasium

Die vom Fluss ab- und dem ehem. Salzstadel (abgebrochen 1863) zugewandte, mit einer geringeren Zahl von Fensteröffnungen versehene Gebäudewestfront besitzt noch die ursprüngliche Befensterung. An seinem Südende wird der ehem. Kollegbau von Kirche und Mesnerstock begrenzt. Der ehemals am Nordende des Kollegbaues anliegende Querflügel wurde 1836 abgebrochen561.

Die Innenräume des Gebäudetraktes wurden vielfach verändert und umgebaut. Die Korridore des Kollegbaues besitzen an ihrer Westseite einen regelmässig alternierenden Rhythmus von Fenster- und Mauerzonen.

Kolleg, Gang Erdgeschoss
Kolleg, Gang Erdgeschoss

Von den Laibungen der Fensteroberkanten steigen Kreuzgrat-Gewölbe an. Das ehem. Kolleggebäude grenzt über einen Zwischenbau an seiner Südseite, den sog. Sakristei- oder Mesnerstock, an den nördlichen Anbau der Kirche St. Josef an. Dieser aus der Erbauungszeit der Kollegkirche stammende Zwischenbau wurde Sakristei- oder Mesnerstock genannt562. In seinem Erdgeschoss befand sich in einem grossen, kreuzgrat-gewölbten Raum die Sakristei und im zweiten Obergeschoss die ehemalige Jesuitenbibliothek.

Der Gymnasiumbau St. Franz Xaver (Neubau 1662 bis 1664) ist ein einzelstehender Baukörper563.

Gymnasium, Südansicht
Gymnasium, Südansicht

Die südliche Giebelfront des Gymnasiums besitzt im Unterbau drei Fensterachsen zu je drei Fenstern mit »geohrten« Fensterrahmungen. Über der obersten Fensterreihe befindet sich ein gerahmter Fensteroculus je Fensterachse. Durch ein Gesims vom Unterbau abgesetzt, steigt der hohe Giebel zum Dachfirst an. Das Giebelfeld ist durch querliegende Architekturfelder in drei Zonen unterteilt, die ihrerseits durch vertikal eingesetzte Lisenen und durch je zwei längsrechteckige, hochovale und durch vierpassige Fensteröffnungen untergliedert werden. Voluten leiten vom Giebelfeld zum Giebelreiter über, der an seinen vier Seiten mit Schallöffnungen versehen und von einer Zwiebelhaube bekrönt wird.

Die Langseiten des Gymnasiums tragen heute vierzehn Fensterachsen zu je drei Fenstern (mit Oculus). Die Westfassade des ehemaligen Gymnasiumbaues hat neun zu drei Fensterachsen mit breiten Fensterzwischenwänden.

Plan Fassade des Gymnasiums 1663
Plan Westfassade des Gymnasiums, 1663

Die Zentralachse wird durch das Eingangsportal und die in sein Giebelfeld eingefügte Widmungsinschrift hervorgehoben.

Widmungsinschrift
Portal Gymnasium 1666
Widmungsinschrift Portal Gymnasium, 1666

Die unteren Fenster des Gymnasiums besitzen ein vierteiliges, kleines Fensterfeld, die des nördlichen Gymnasiumanbaues mit fünf Fensterachsen und schmalen Mauerzwischenwänden ein sechsteiliges Fensterfeld. Die gegenüberliegende Gymnasiumslängsseite (= Ostseite) entspricht in ihrer Gliederung von neun Fensterachsen derjenigen der Westseite564. Die nördliche Ansichtsseite des Gymnasiumanbaues weist abweichend von der Südseite nur zwei Fensterachsen auf.

Ein Querschnitt durch den Gymnasium-Anbau (von Süden) verdeutlicht die Gebäudekonstruktion.

Gymnasium, Plan 19. Jh.
Gymnasium 19. Jahrhundert

Die flußseitigen Fundamente wurden tiefer gesetzt als das hofseitige Fundament. Dadurch setzte das Erdgeschoss der Gebäudewestseite eine halbe Treppenhöhe über dem Bodenniveau der zum Fluss gewendeten Gebäude-Ostseite an565. Der Querschnitt zeigt ausserdem die Gesamthöhe der grossen Aula (in Burghausen auch als Kongregationssaal genutzt), die aus der Geschosshöhe des zweiten Obergeschosses und einem Halbgeschoss gebildet wird, und die Dachkonstruktion des Gymnasiumanbaues.

Burghausen, Kongregationssaal, Aula
Burghausen, Kongregationssaal, Aula

Die Korridore des Erd- und ersten Obergeschosses entsprechen einander weitgehend in Lage (an der Hofseite des Gymnasiumsgebäudes) und Höhe.

Die Belichtung des Ganges erfolgt von der Westseite. Beim Gewölbesystem des Korridors im Erdgeschoss setzt jedes Kreuzgratgewölbe einzeln an und ist der jeweiligen Fensterachse zugeordnet.

Gymnasium, Gang Erdgeschoss
Gymnasium, Gang Erdgeschoss

Im Gang des 1. Obergeschosses wurde zwischen jedes zweite Kreuzgrat-Gewölbe aus Konstruktionsgründen ein Gewölbegurt eingezogen. Der Korridorboden des Erdgeschosses ist mit Untersberger Rotmarmor, im Obergeschoss mit Solnhofer Platten belegt. Ein dem Haupteingang des Gymnasiums schräg gegenüberliegendes Portal verweist auf den dahinterliegenden Musiksaal bzw. die ehem. kleine Aula der Studentenkongregation566.

4. Architektur der Gesamtanlage Kolleg Burghausen

Der Ausbau des Kolleges Burghausen im Verlauf des 17. Jahrhunderts ist durch Bild- und Planquellen gut dokumentiert603. Die Darstellung der Gesamtanlage Burghausen erfolgt daher mit Hilfe überlieferter Grundrisse, Abbildungen und Pläne604. Das Sandtnermodell, angefertigt 1574, zeigt die damalige Bebauung der Stadt521.

Ansicht Bebauung Zaglau, Sandtner-Modell, 1574
Ansicht Bebauung Zaglau, Sandtner-Modell, 1574

Der spätere Baugrund für das Kollegium und den um 1600 errichteten »Neuen« Salzstadel ist zu dieser Zeit von einer Anzahl mittelgrosser Häuser und Stadel besiedelt.

Drei Pläne aus der Gründungszeit des Kolleges Burghausen von 1629/30 werden mit dem Kolleg Burghausen in Verbindung gebracht605. Der mit »Idea S. Anna, [S. Anna durchgestrichen] darüber: Burghus[iana]« überschriebene Plan606

Plan, betitelt »Idea Burghus.«, wohl für Kolleg Ensisheim, um 1628
Plan, betitelt »Idea Burghus.«, wohl für Kolleg Ensisheim, um 1628

stellt in seinem Grundriss den westlich gelegenen Seitenflügel des Kolleges Ensisheim dar.

Plan des Kolleges Ensisheim, nach 1656
Plan des Kolleges Ensisheim

Der Plan diente vielleicht als Planvorlage für das Kolleg Burghausen607.

Der vom Rentmeister von Burghausen einem Schreiben vom 16. November 1629 beigelegte mit »Burckhusium« betitelte Plan608 kann aufgrund der exakten Platzbeschreibung und der Wiedergabe von Neuem Salzstadel und Stadtmauer mit Zieglautor, sowie der dazu erhaltenen Korrespondenz des Rentmeisters von Burghausen an Kurfürst Maximilian I. eindeutig als eine Planskizze zum geplanten Kollegiumbau in Burghausen angesprochen werden609.

Plan Collegium Burghusianum vom 16.11.1629
Plan Collegium Burghusianum vom 16.11.1629

Der Plan diente zur Darstellung des Abstandes zwischen Salzstadel und der Westfront des Kollegium-Neubaues.

Die Planzeichnung gibt einen Eindruck vom Planungsstadium der Kolleganlage im November, also vor der Grundsteinlegung am 1. Mai 1630, wieder. Die geplante Anlage ist den Platzverhältnissen angepasst. Die Aussen- und Umfassungsmauern des Kollegs bilden ein Trapez mit zwei Innenhöfen610. Anders, als drei Jahrzehnte später realisiert, steht die Schule auf dem Plan in einer Front mit der Fassade der Kirchensüdseite und der Hauptfassade. Nach Anweisung Maximilians wurde die Lage des Kollegbaues verändert, während die der Kirche, »herein gegen die Stadt mehrers Prospects halb gesetzt«, unverändert blieb.

Der neue Planungszustand, wie er im mit »Burckhusium« betitelten in Paris aufbewahrten Plan611 vorliegt, entstand wohl Anfang 1630612.

Plan 1629/30
Plan 1629/30

Mit Ausnahme der Kirche (Grundsteinlegung am 1. Mai 1630) konnten die übrigen Gebäude infolge der Kriegsumstände und der im Februar eingestellten Geldleistungen nicht in der geplanten Form und stark abgeändert erst Jahre später verwirklicht werden615. Der Plan war Gegenstand des Schriftwechsels über die »Idea Burghusianum Collegii« zwischen P. Provinzial Walter Mundbrodt und dem Ordensgeneral Vitelleschi in Rom, der den Plan auf seine Übereinstimmung mit den Bauleitlinien des Ordens untersuchte und genehmigte.

Ein aus dem Jahr 1661 stammender Plan zeigt die Kollegiumanlage in ihrem damaligen Bauzustand:


Kolleg Burghausen, Plan, 1661

An das Chorhaupt der Kollegkirche mit Kirchengang schliesst der erste Bauabschnitt des Kollegbaues aus den Jahren 1643/45 an. Das Gebäude ist durch eine Hofmauer mit der Nordwand des Neuen Salzstadels verbunden. Zwei längs nebeneinander gelagerte Stadelbauten bilden Verlängerung der Gebäudefront nach Norden; an deren hinteren Ende schliesst ein abgestuftes Doppelgebäude, das spätere Wirtschaftsgebäude mit Garten, an616.

Vom Kolleg Burghausen existieren darüber hinaus mehrere aus dem 17. Jahrhundert stammende Zeichnungen und Abbildungen. Sie zeigen die Anlage übereinstimmend in einer Ansicht von Südosten.

Um 1681 entstand das Gemälde der Stadt Burghausen von Tobias Schinnagl.

Kolleg Burghausen,1681, Gemälde von Tobias Schinnagel
Kolleg Burghausen, Gemälde von Tobias Schinnagel, 1681

Das Kolleg Burghausen wird von der Burganlage oben und dem Flussverlauf unten eingefasst und liegt am Ende des nördlichen Stadtviertels. Erkennbar ist die hoch aufragende Fassade von St. Josef einschliesslich ihrer Architekturgliederung der Kirchenostseite mit dem bis in halbe Höhe reichenden Kirchengang von 1652. Dahinter, an das Sakristei-Gebäude anschliessend, folgt das erst in den darauffolgenden Jahren verlängerte Kolleggebäude des ersten Bauabschnittes. Von dem 1662 bis 1664 errichteten neuen Gymnasiumgebäude ist die zur Salzach gelegene Ostseite und die Südfassade mit ihrer Fenstergliederung und der hohe Giebel sichtbar.

Michael Wening schuf 1699 einen Kupferstich der Stadt Burghausen. Er benutzte dafür das Gemälde von Tobias Schinnagl als Vorlage. Abweichend vom Gemälde wird der Kollegbau jedoch schon mit dem 1682 bis 1687 ausgeführten zweiten Bauabschnitt dargestellt, der in einer Front an den ersten Kollegbauteil anschliesst617.

Von Michael Wening stammt auch der 1702 entstandene Kupferstich mit dem Titel »Kirch und Collegium Societatis Jesu, in Burckhausen« mit einem Wappenschild und den Initialen »IHS«, dem Signet der Gesellschaft Jesu618.

Die Vorlage für den Stich dürfte das Gemälde mit dem Titel »Colleg SJ Burghusii« sein619.

Gemälde ehem. Kolleg Burghausen, nach 1721
Kolleg Burghausen, Gemälde, nach 1721

Das Gemälde wurde nach der mit »Collegium Burghusianum« betitelten und im römischen Ordensarchiv aufbewahrten Federzeichnung angefertigt. Es lassen sich Abweichungen gegenüber Wenings 1699 entstandenen Kupferstich erkennen. Der Stich zeigt die Südfront von St. Josef mit zwei getrennt gezeichneten, nicht zusammenhängenden Kirchenfenstern seitlich des Haupteinganges und des vorgelagerten Kapellenanbaues mit Sakristeianbau. Daran lagert der langgestreckte, mit einer grossen Anzahl von Fensterachsen und einer Reihe von Dachgauben gegliederte Kollegbau an. Der rückwärtige Querflügel winkelt hackenförmig zum hinteren Hofraum ab, der aus Wirtschaftsgebäude, Holz- und Wagenremise und der südlichen Hofabschlussmauer gebildet wird.