Architektur des Kolleges Amberg

1. Lage
2. Bedarfszahlen und Raumprogramm
3. Architektur Kolleg Amberg
4. Architektur der Gesamtanlage Kolleg Amberg

Kolleg Amberg
G. Bodenehr, 1721(?)
Kolleg Amberg, G. Bodenehr, um 1721

1. Lage

Das ehemalige Kolleg Amberg nimmt ein grosses Areal am Westrand der Stadt ein. Es wird rückwärtig von der Stadtbefestigung abgeschlossen.

Lageplan ehem. Kolleg Amberg
Lageplan ehem. Kolleg Amberg

Die Raumordnung für das geplante Jesuitenkolleg erforderte die Neuanlage eines neuen Strassenzuges und die Schliessung, bzw. den Neubau einer Toranlage. Zum geplanen Kollegbau wurden dreizehn Häuser und eine Kapelle (St. Ulrich) niedergerissen. Der Grund- und Häusererwerb wurde erst durch massives Einwirken des Landesherrn ermöglicht.

2. Bedarfszahlen und Raumprogramm

Die Bedarfszahlen für das Kolleg Amberg539: Die Zahl der Jesuiten des Kolleges Amberg differierte in der ersten Jahrhunderthälfte von 5 (1621) bis etwa 18 oder 19 Personen (1651). Dieser Personenstand wuchs zum Jahrhundertende leicht an auf 25 (1690). Die Schüler- und Studentenzahl erreichte gegen die Jahrhundertmitte etwa den Personenstand von 152 (1650); diese Personenzahl stieg im Verlauf der zweiten Jahrhunderthälfte kontinuierlich an und verdoppelte sich gegen Ende des Jahrhunderts auf 300 Personen (1698).

Die Architekturen des Kollegiums Amberg waren: die Kirche (Altbau) mit Sakristei (am Chorende, erbaut 1672) und das Kolleg (erbaut 1665 bis 1669) mit anliegendem dreiflügeligen Kollegbau, erbaut 1684ff. in einer Achse mit dem Gymnasium (1672/74).

Das Raumprogramm des Kolleges Amberg weist eine klare räumliche Aufteilung in die einzelnen Funktionsbereiche auf540: Im Kollegtrakt befanden sich die Räume der Jesuitenkommunität, das Internat des Ordens mit dem Seminar und das Gymnasium mit dem Kongregationssaal. Der umfangreiche Wirtschaftsbereich (mit Keller- und Vorratsräumen) diente zur Versorgung der Bewohner.

Das Kolleg Amberg war ein grossdimensioniertes Kolleg. Für die seit der Mitte des Jahrhunderts stetig ansteigenden Personal- und Schülerzahlen musste ein ausreichend grosses Raumangebot zur Verfügung gestellt werden. Infolge der politischen Unsicherheit konnte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zunächst kein Gebäudeneubau realisiert werden. Der 1630/31 begonnene Kollegbau musste in den folgenden Jahren eingestellt werden. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wurden jedoch in der zweiten Jahrhunderthälfte des 17. Jahrhunderts die Grosskomplexe von Kollegtrakt und Gymnasium errichtet.

3. Architektur Kolleg Amberg

Bereits kurz nach seiner Ankunft in Amberg adaptierte der Jesuitenorden 1622 die Kirche St. Georg, einige anliegende Altbauten wie den alten Pfarrhof von St. Georg und das um die Kirche gelegene Areal. Um 1629/31 erfolgten dann auf Betreiben Kurfürst Maximilians I. umfangreiche Planungstätigkeiten und erste Baumassnahmen für das Kollegium Amberg582.

Ansicht von Süden
ehem. Kolleg Amberg, Ansicht von Süden

Kirche und Gymnasium von Süden
Kirche und Gymnasium von Süden

Die Realisierung der geplanten Neubauten noch während der Regierungszeit Maximilians I. wurde durch die politische Lage ab September 1631 verhindert. Der begonnene Neubau des Kollegbaues musste bereits nach kurzer Bauzeit eingestellt werden; erst drei Jahrzehnte später konnte mit der Umsetzung des Neubauprogrammes begonnen werden.

Die Kollegkirche St. Georg (Baubeginn 1349; Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert) ist in der Grundstruktur ein gotischer Bau.

St. Georg, Blick in den Chor
St. Georg, Blick in den Chor

Der einschiffige Chor mit drei Jochen und einem 7/12-Schluss ist geostet. Das dreischiffige Kirchenschiff mit basilikalem Aufbau umfasst sieben Joche. Fünf Rundsäulen und ein mächtiger Kreuzpfeiler je Langhausseite tragen die Obergadenwand. Der mächtige eingezogene Westturm überragt die Anlage; im Unterbau nimmt er die Breite des Mittelschiffes ein. Langhaus- und Choraussenwände werden durch ein System von Strebepfeilern stabilisiert. Chor und Langhaus besitzen ein gemeinsames durchlaufendes Satteldach von gleicher Firsthöhe.

Nach ersten Instandsetzungsarbeiten begannen die Jesuiten ab 1652 mit der Umgestaltung des gotischen Kirchenraumes zu einem hellen (früh-) barocken Innenraum durch die Veränderung der Innenarchitektur und der bauplastischen Innenausstattung und durch Einfügung neuer, lichter Glasfenster583. An das Chorhaupt der Kirche schliesst sich der Sakristeibau an (Neubau 1672).

Der Gebäudekomplex des ehemaligen Kollegiums liegt an der Nordseite der Kirche (Bau begonnen unter Maximilian 1630/31, eingestellt 1631; Neubau 1665 bis 1669, Neubau des Nordflügels 1684; Erhöhung des Westflügels um ein Geschoss 1689).

Die Anlage besteht aus vier in Form eines Quadrums angelegten Gebäudeflügeln zu je drei Geschossen. Die Gebäudeflügel formieren einen gemeinsamen Innenhof, der durch ein regelmässiges Wegenetz untergliedert wird.

Kolleg, Innenhof
Kolleg, Innenhof

Der östliche Kollegflügel bildet zusammen mit dem Gymnasiumtrakt eine lange, gemeinsam zur Stadt hin gelegene Gebäudefront mit neununddreissig Fensterachsen.

Ansicht von Südosten
Ansicht von Südosten

Der Ostflügel dieses Quadrums wird nach Süden durch einen langen Trakt verlängert.

Auf der dritten Stockwerksebene dieses sog. Kongregationssaalbaues befindet sich der Kongregationssaal (eingebaut 1676/77); er ist durch seine runden Oberlichter an der Fassade erkennbar.

Kongregationssaal
Kongregationssaal

Der Mitteltrakt mit dem Kongregationssaal wird optisch durch Fensterverdachungen hervorgehoben; diese sind im Erdgeschoss als Segment-, im ersten Obergeschoss als Dreieck- und im Mezzaninobergeschoss als gebrochene Volutengiebel gestaltet.

Am nördlichen Ende der Kollegfassade befindet sich ein Giebelaufsatz in einer Breite von drei Fensterachsen; er verweist auf den dahinterliegenden Nordflügel des Kollegquadrums. Dieser Nordflügel mit sechszehn Fensterachsen wird an der Aussenfront und einen mehrachsigen Mittelrisalit mit einem Dachreiteraufsatz untergliedert. Der Südflügel des Quadrums liegt parallel zum Langhaus der Kirche; er hat eine Breite von drei Fensterachsen und setzt direkt seitlich neben der Portalanlage der Kollegvorderfront an. Durch das Portal öffnet sich der Weg zur rückwärtig gelegenen Kirche. Die zum Kolleginnenhof gelegene Fassade besass im zweiten Obergeschoss einen einfachen Barockerker.

Kolleg, Gang 1. Stock
Kolleg, Gang 1. Stock

Der Westflügel verklammert rückseitig den Süd- und den Nordflügel. Die Aussenseiten sämtlicher Kollegflügel waren bauplastisch durch umlaufende Sohlgesimse und durch ein Dachgesims untergliedert.

Die rückwärtig gelegenen dreigeschossigen Kolleggebäude besitzen einfache Fassaden: die Fenster werden stockwerksweise durch ein durchlaufendes Sohlgesims voneinander geschieden; die Fensteröffnungen sind einfach gerahmt. Der lange Osttrakt schliesst mit zwei Zwerchgiebeln, die mit Volutenmotiven und je einem Dachreiter ausgestattet sind. Auch die breite Kollegfront mit sechsundzwanzig Fensterachsen ist zurückhaltend gegliedert. Eingangsportale befinden sich in der ersten und siebten Achse der Kollegfront; nach der achten Achse begrenzt die Gartenmauer den öffentlichen Zugang zum Kolleggebäude. Der hinter dieser Mauer liegende dritte Eingang in der vierzehnten Achse führt zum Garten- und Hofbereich. Von den drei mit Pilastern besetzten Portalen schliesst das südliche mit gerader Verdachung, die beiden anderen mit gebrochenen Giebeln.

Die Kolleganlage wird gegen die Stadt hin von einer langgestreckten Gebäudefront abgeschlossen.

Ansicht Kollegfront von Osten
Skizze um 1670
Ansicht Kollegfront von Osten, Skizze, um 1670

Dieser Gebäuderiegel untergliedert sich in einen dem Ordenskonvent eigenen Kollegtrakt und in einen Gebäudetrakt, der das Gymnasium aufnahm. Der dreigeschossige Gymnasiumbau (Neubau 1672/74, in Anschluss an den bereits bestehenden Kollegbau) mit einer Länge von dreizehn Fensterachsen liegt am südlichen Ende dieser Anlage. Der südliche Giebelaufbau zu drei Fensterachsen hat sein Pendant auf der bereits genannten gegenüberliegenden, nördlichen Seite der Gebäudefront am Nordosteck des Kolleges. In der Mittelachse des Gymnasiumbaues befindet sich eine Portalanlage mit dem öffentlichen Zugang zum Gymnasium. Die Portalanlage betont die eigenständige Funktion dieses Gebäudeteiles, dessen Front an seinem nördlichen Ende beinahe nahtlos in die Kollegfront überläuft.

Der zum Kolleg gehörige Wirtschaftshof584 lag im Osten der eigentlichen Kolleganlage. Er wurde nach Norden durch ein langgestrecktes Gebäude begrenzt, das winkelförmig in einen zum Kolleg vermittelnden Arkadengang überging. Nach Süden schlossen ein Wirtschaftsgebäude und eine zum Kolleg zulaufende Mauer das Gelände ab.

4. Architektur der Gesamtanlage Kolleg Amberg

Die Luftbildaufnahme zeigt das ehemalige Kolleg in seiner Lage und Ausdehnung.

ehem. Kolleg Amberg, Luftbild
Luftbild ehem. Kolleg Amberg

Vom Kolleg Amberg sind mehrere Zeichnungen vorhanden626. Sie zeigen den baulichen Zustand der Anlage gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit Aufblick auf das Kolleg aus nordöstlicher Richtung.

Die Anlage des Kollegium Amberg nimmt ein Segment des Geländes am westlichen Ende der Altstadt ein627. Das von den Jesuiten gewählte Gelände war von der Stadtmauer umgeben, die die Anlage in einem halbkreisförmigen Bogen umfasste. Die Kollegkirche markiert etwa die Mitte des Gebäudekomplexes. Die Standortwahl des um die St. Georgskirche gelegenen Geländes, das auch einen Friedhof einschloss, erfolgte 1629 zur Zeit Maximilians I.628. Der Kollegtrakt liegt, als Quadrum ausgeführt, im nördlichen Teil des Kolleggeländes. Die östliche Kollegfront bildet mit dem Gymnasiumtrakt eine langgestreckte Front, die das Areal wie ein Riegel zur Stadt hin abschliesst.

Aus der Gründungszeit der Kollegs Amberg sind verschiedene unter Maximilian I. entstandene Pläne aus den Jahren 1629/31 überliefert629. Der unter Maximilian erfolgte Grunderwerb und die Planierung des Geländes zur Bebauung schufen die Grundlage für den Kollegausbau ab 1631 bzw. 1665ff. Es ist somit zu unterscheiden zwischen der unter Maximilian I. erfolgten Planungsphase und den erst später infolge dieser Planungen dann tatsächlich ausgeführten Bauten.

Die in München verwahrten vier Pläne entstammen der ersten Planungsphase von 1629. Auf ihnen werden die Grundstücksflächen der in unmittelbarer Nachbarschaft von St. Georg gelegenen Anwesen aufgezeichnet und erste Vorstellungen für den beabsichtigten Bau des Kolleges entwickelt630:

Ein Lageplan631 mit der Darstellung des Friedhofs von St. Georg und der südlich gelegenen Grundstücke bzw. Häuser gibt Auskunft über die frühe Bebauung des Geländes vor der Nutzung durch die Jesuiten.

Amberg, Situationsplan, Friedhof von St. Georg und Umgebung, um 1629/30
Amberg, Situationsplan, Friedhof südlich von St. Georg und Umgebung, um 1629/30

Die auf dem Plan genannten Häuser lagen an der Südseite der später von den Jesuiten verlegten Strasse und wurden für den Bau des Südteils der Kolleganlage (= Lage des späteren Gymnasiums) abgebrochen und als Bauplatz für den Neubau geräumt. Die Lage der Kirche bleibt auf der Skizze unberücksichtigt. Ein weiterer Plan632 stellt die Lage des parzellierten und z. T. bebauten Geländes und den Geländestreifen nördlich von St. Georg dar.

Amberg, Sitatuationsplan des Geländes nördlich von St. Georg, um 1629/30
Amberg, Sitatuationsplan des Geländes nördlich von St. Georg, um 1629/30

Ein schematisch angelegter Dispositionsplan informiert über die geplante räumlich-funktionale Aufteilung des Areals des nördlich von St. Georg gelegenen Geländestreifens. Der Plan trägt die Beschriftung »Austheilung des ganzen Grundts in die 3 Hauptgebeu des Collegii, Gymnasii, Seminarii«633.

Kolleg Amberg, Situationsplan mit Schema für Kolleg, Gymnnasium und Seminar, um 1629/30
Kolleg Amberg, Situationsplan mit Schema für Kolleg,
Gymnasium und Seminar, um 1629/30

Diese Planungsvariante zur Nutzung des nördlich der Kollegkirche gelegenen Geländes wurde jedoch nicht weiter verfolgt.

Der Plan mit der Beschriftung »Idea«, entstanden um 1629/30634, sah eine grosszügig bemessene Anlage des Kollegs vor.

Lageplan 1629/30
Lageplan, 1629/30

Die Darstellung geht von einer Nutzung des gesamten Geländes beidseits von St. Georg aus635. Die Planung sah vor, dass an das östliche Chorende der Kirche ein langer querliegender Gebäuderiegel in Nord-Südrichtung angelegt werden sollte. Der nördliche Gebäudeflügel (= Kollegiumflügel) wird nur in Grundzügen anskizziert. An dieser Stelle wurde später das Gebäudequadrum des Kollegtraktes realisiert. Auf der gegenüberliegenden, südlichen Seite hingegen wurde ein quer zur Kirche liegender Gebäuderiegel (= Lage des späteren Gymnasiums) anprojektiert, an den sich längsseits ein später jedoch nicht ausgeführter Gebäudeflügel anschliesst. An das Chorhaupt der Kirche legt sich ein von der nördsüdlichen Gebäudefront rückversetzter Mittelbau an unter Bildung eines zur Stadt hin geöffneten Hofplatzes.

Die Anlage einer langen Ostfront des Kolleges Amberg wurde in der weiteren Planung weiterverfolgt und durch eine Reihe von Planskizzen vertieft. Die Pläne befinden sich heute im Staatsarchiv Amberg. Das Konzept dieser Planungen sah vor, dass der Südteil der Bauten, vom Durchgang bis zur nördlich der Georgskirche gelegenen Strasse gerechnet, mit Gymnasium und Kongregationssaal für die öffentliche Nutzung verwendet werden sollte. Der Nordteil nahm die Funktion des Kolleggebäudes und des Internats auf. Das Areal war also räumlich und funktionell in zwei unterschiedliche Nutzungsbereiche untergliedert.

Die Planskizze mit dem Titel »1a forma seu Idea Collegii« entspricht in der Anlage der Grundstücke und Gebäudetrakte mit Bildung des stadtseitigen Hofplatzes der obengenannten Planung »Idea«.

Prima Forma 1629/30
Prima Forma, 1629/30

Darüber hinausgehend tritt im nördlichen Teil des Geländes eine grosszügige Planung der Kollegflügel hinzu: drei Kollegflügel bilden mit der nördlichen Kirchenlangseite einen Innenhof; an die Enden des Nordtraktes schliessen sich weitere Kollegtrakte an.

Eine andere Planskizze mit gleicher Maßskala ist, mit geringfügigen Veränderungen, eine Wiederholung der vorstehenden Zeichnung.

Kolleg Amberg, Variante von »1a forma«, um 1629/30
Kolleg Amberg, Variante von »1a forma«, um 1629/30

Eine überarbeitete Variante der oberen Entwürfe stellt die mit »Primae Ideae« und »1a Ichnographia, ex infimae Contignationis seu sub terra subterraneae, aut seu expergea cellae Ichnographia ad agendi« betitelte Planzeichnung dar636.

Kolleg Amberg, »Primae Ideae, 1a Ichnographia ex infimae Contignationis...«, um 1629/30
Kolleg Amberg, »Primae Ideae, 1a Ichnographia ex infimae Contignationis...«,
um 1629/30

Die Hofplatzidee ist zugunsten der Bildung einer langgestreckten, durchgehenden Ostfront aufgegeben. Während der südlich der Kirche gelegene Baukomplex weitgehend bestehen bleibt, werden der Mittelbau und der nördlich der Kirche gelegene Kollegtrakt zur Stadtseite hin versetzt, unter Bildung einer einheitlichen Kollegfront.

Dieser Planung folgt auch der mit »2da forma seu Idea Collegii« betitelte Plan.

Kolleg Amberg, »2da forma seu Idea Collegii«, um 1629/30
Kolleg Amberg, »2da forma seu Idea Collegii«, um 1629/30

Er gleicht, bei leichten Veränderungen besonders im Westflügel des Kollegtraktes, wiederum der vorangehenden Planung.

Von besonderem Interesse sind die beiden Ideenskizzen, die den Plan »2da forma seu Idea Collegii« variieren.
Der Altbau der Kirche St. Georg wird in dieser Ideenskizze aufgegeben [sic!] zugunsten einer völligen Neuplanung einer neu zu errichtenden Kollegkirche [sic!]. Dieser Kirchenneubau sollte, bei identischer Grösse und bei gleichbleibender Anlage der umfassenden Kolleg- und Schulflügel, im ersten Entwurf längs,

Kolleg Amberg, Variante mit Wandpfeilerkirche längs, um 1629/30
Kolleg Amberg, Variante mit Wandpfeilerkirche längs, um 1629/30

im zweiten quer zur Ostfront der Kollegfassade zu liegen kommen637.

Plan-Variante mit Wandpfeilerkirche 1629/30
Plan-Variante mit Wandpfeilerkirche quer, um 1629/30

Die Besonderheit dieser Neuplanung besteht insbesondere darin, dass die Strukturen des »alten, gotischen« Altbaues von St. Georg eliminiert und ein »moderner« Grundriss in Form einer zur Zeit der Planung »modernen« Wandpfeilerkirche realisiert werden sollte. In den weiteren Planungsstadien obsiegte dann der Pragmatismus unter Erhaltung der vorhandenen Bausubstanz von St. Georg. Der Innenbau der Kirche St. Georg wurde ab 1652 jedoch einer weitgehenden »Modernisierung« im Stil der neuen Zeit, d.h. einer Barockisierung, unterzogen.

Als Ergebnis dieser Planungsserie ist - nach den Plänen mit »1a« und »2da« Idea - der mit »Ichnographia Tertia« betitelte Plan aufzufassen638.

Kolleg Amberg, Grundriss 2. Obergeschoss, um 1631
Kolleg Amberg, »Ichnographia Tertia«, Grundriss 2. Obergeschoss, um 1631

Dieser Plan ist, wie auch die Bezifferung der Stadttürme mit römischen Ziffern zeigt, eindeutig der ersten Planungsphase des Kollegs von 1629/31 zuzuweisen. Der in sorgfältiger Architekturzeichnung angelegte Plan stellte vermutlich auch die Planungsgrundlage für den Bau des Kolleges Amberg dar, wie er dann an das Bauamt des Ordens in Rom eingereicht wurde. Diesem Plan ist wohl auch der erhaltene Kostenvoranschlag zuzuordnen. Beide Pläne stammen vermutlich von Francesco Garbanino.

Die Ausführung der aufgezeigten Planung aus den Jahren 1630/31 wurde durch den militärischen Umschwung ab September 1631 wieder in Frage gestellt. Erst nach der Stabilisierung der politischen Verhältnisse in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts konnte dann der Ausbau des Kolleges und die Realiserung der Kolleggebäude nach den erneut überarbeiteten Plänen erfolgen.

Aus dem Jahr 1663/64, also aus der Zeit unmittelbar vor Wiederaufnahme der Bauarbeiten zum Kollegbau ab 1665, stammt ein weiterer Plan mit der Beschriftung: Recto: »Ichnographia totius Collegii Ambergensis de novo aedificandi Ao 1663«; verso: »Germa[nia]. 1664, Idea Coll[egii] Ambergensis«639.

Plan für den Kollegbau 1663/64
Plan für den Kollegbau, 1663/64

Dieser Plan knüpft in der Disposition des Gesamtbaues unverkennbar an den Ergebnissen der ersten Planphase von 1631 an; er variiert die Ausführung der Kollegbauten jedoch in einigen bemerkenswerten Details. So wird im Südtrakt auf den rückwärtigen Flügelbau verzichtet, der Chor der Kirche durch einen Anbau am Chorhaupt und seitlich des Chores an das Kolleg angeschlossen. Der Kollegtrakt liegt leicht nach Norden versetzt, die Längserstreckung des Kollegflügels wird gekürzt, der Anbau des Refektoriums fallengelassen. In diesem Planungsstadium von 1663 fand, wie die aufgeklebte Tektur zeigt, eine Umplanung des Nordflügels statt. Der Ost- und Westflügel des Kollegs wurde durch einen Verbindungsgang erschlossen, unter Bildung eines Kolleginnenhofes und einer Freistellung des nördlichen Langhausseite der Kirche.

Die Planung des Kolleges von 1663/64 bildete schliesslich auch die Grundlage für die Planung640, die Johannes Hörmann vorfand und 1686 in seinen Nachzeichnungen in den »Delineationes variae«641 dokumentiert hat.

Grundriss von Johannes Hörmann 1686
Grundriss des Kollegs Amberg von Johannes Hörmann, 1686

Hörmann zeichnete das Kolleg im Aufriss im Bauzustand von 1686, noch vor der Erhöhung der Westflügel des Kollegtraktes »Abris von dem Collegio zu Amberg da ist die dritte gatten in zwey gebein nit darauf wie ihm nachfolgenden Ris wird zu sehen sein, 1686«642.

Eine weitere Zeichnung zeigt die Anlage des Kolleges Amberg in seinem Bestand von 1689 nach Ausführung der Aufstockung im Süd- und Westflügel »Der ander ris des Collegii zu Amberg wie es völlig ausgebaut ist und auswendig anzusehen ist, 1686«.

Ansicht von Johannes Hörmann 1686
Ansicht des Kollegs Amberg von Johannes Hörmann, 1686

Durch Hörmann wurde auch der Ausbau des Nordflügels des Kolleges dokumentiert durch die Pläne mit dem Titel »Ichnographia recreationis fabrica Coll. Ambergae«. Die Teilpläne der verschiedenen Stockwerke tragen den Untertitel »Einen grundris des gebei zu Amberg 4 gatten hoch in andern theil dies disbensalerie und pfisterei im dritten theil das Refectorio sambt Kuchel und anderen Zimern in obern theil die Regreation stueb sambt der infirmeri« (mit Raumangaben)643. Unter Zugrundelegung dieser Planung wurde der nördliche Kollegtrakt bis 1689 bzw. 1692 ausgebaut und damit der Ausbau des Kolleges Amberg vollendet.