Baugeschichte des Kolleges Mindelheim

1. Baugeschichte des Kolleges Mindelheim
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Baugeschichte des Kolleges Mindelheim

Am Kolleg Mindelheim382 konnte von den Jesuiten zunächst die Modernisierung der Kirche und des angrenzenden Anbaues gegen anfängliche Bedenken von Behördenseite (wegen der Finanzierung) durchgeführt werden.

Nach der Erhebung der Niederlassung Mindelheim zum Kolleg 1622 begannen im Mai 1623 die Bauvorbereitungen für den Umbau des Kirchenbaues und des Altbaues. Zunächst wurde geplant, die vorhandene Klosteranlage mit einem einfachen Umbau der bestehenden Kirchen- und Klostergebäude für den Orden einzurichten.

Davon rückte die Ordensleitung nach der Visitation durch den Provinzial Christoph Grenzing im Laufe des Jahres offenbar ab. Der Orden wandte sich im Frühjahr 1624 mit einem neuen Konzept des Jesuiten Konrad Bürgi an den Kurfürsten mit der Bitte um Übernahme der Baukosten. Der neue Plan sah einen weitestgehenden Umbau des Kirchenbaues vor, unter Beibehaltung der Fundamente, des Chores und einiger Grundmauern der alten Kirche. Maximilian I. übergab die Angelegenheit zur Prüfung der finanziellen Möglichkeiten an den Hofkammerpräsidenten Oswald Schuss383, der den Bauplänen zustimmte. Daraufhin bewilligte der Geistliche Rat Material (100 000 Ziegelsteine, 50000 Dachplatten, 400 Bäume für Bauholz, 1500 Karren Sand) und ausserdem 27000 Gulden, zahlbar in jährlichen Raten von 2000 fl.

Der Vertreter des Mindelheimer Pflegamtes S. Sauerzapf kam der Auszahlung der bewilligten Mittel jedoch nur sehr schleppend nach. Diese Verzögerung hatte offenbar ihren Grund in einer zwischenzeitlich erwogenen Konzeptionsänderung von kurfürstlicher Seite her bezüglich der Anlage des Kolleges. Dabei wurde geplant, das Jesuitenkolleg vom Westen der Stadt an die Ostseite zu verlegen und den Jesuiten die dort gelegene Pfarrkirche St. Stephan einzuräumen. Die vorgefundenen baulichen Verhältnisse am ehemaligen Augustinerkloster waren schlechter als vermutet und erforderten grössere Mittel zum Umbau der vorhandenen Gebäude als zunächst vorgesehen. Man erwog deshalb eine Änderung des Konzeptes noch vor Auszahlung der Mittel. Die Unschlüssigkeit dauerte das Jahr 1624 über an.

Eine Verschärfung der Bausituation ergab der Einsturz der Kapelle der Augustinerkirche am 3. Februar 1625. Eine hochrangig besetzte Kommission, bestehend aus dem Kammerpräsidenten Oswaldt Schuss, dem Hofkammerrat Jakob Sober und dem Architekten Heinrich Schön und von Seiten der Jesuiten aus den kurfürstlichen Beichtvätern Adam Contzen und Jakob Keller sowie dem Münchener Rektor Johannes Manhart, versammelte sich am 29. April 1625 zum Ortstermin in Mindelheim. Die Kommission hielt am Bauplatz fest. Als erste Baumassnahme sollte der Kirchenumbau nach dem Konzept von Konrad Bürgi vom Mai 1624 erfolgen (über den Neubau des Westflügels, etc. wurde erst 1629/30 mit Vorlage der Pläne erneut verhandelt).

Die Bauleitung für den Umbau der Kirche und des Altbaues übernahm der Jesuit Johannes Holl. Holl hielt sich von 1625 bis Oktober 1630 in Mindelheim auf. Neben den Vertragsleistung von fürstlicher Seite her wurden auch von der Mindelheimer Bürgerschaft Fuhrleistungen zugesichert. Die die Bauarbeiten ausführenden Facharbeiter (Maurer, Zimmerleute, Stukkateure) kamen aus Augsburg und München [!]; Handlanger aus der Umgebung wurden in Lohnzahlung genommen. Für den geplanten Kirchenumbau wurde das alte Langhaus in der Zeit vom 9. Juli bis 23. August 1625 weitgehend niedergelegt. Der formelle Baubeginn für den Kirchenumbau bzw. Neubau erfolgte mit der Grundsteinlegung am 24. August 1625.

Im Verlauf der Bauarbeiten an Kirche und dem nördlich anliegenden Altbau kam es zu weiteren Unstimmigkeiten zwischen dem Orden und dem kurfürstlichen Vertreter vor Ort S. Saurzapf: die Ausführung der Bauarbeiten am Chor mit Kosten von 914 Gulden war angeblich ohne Vorwissen des Stadtpflegers erfolgt. Die Beitragsleistungen für das laufende Jahr wurden erneut bis Februar 1626 ausgesetzt. Auch im weiteren Bauverlauf, bei dem die Südseite bis zum Grund niedergelegt und neu aufgezogen wurde, entstanden Schwierigkeiten um die Geldauszahlung von 3000fl. (Mai 1626). Im Juli 1626 erfolgte die Aufrichtung des Dachstuhles. Im September wurde das Langhaus mit einer getäfelten Holzdecke und dem Bodenpflaster versehen. Die Kirchweihe erfolgte am 11. Oktober 1626. Danach wurden die Ausstattungsarbeiten durchgeführt. Weitere bauplastische Arbeiten im Kircheninneren erfolgten vermutlich um 1656 im Zusammenhang mit der Einrichtung des Gymnasiumsgebäudes; in dieser Zeit wird als Stukkator »Georg von Wessenbrunn« genannt.

Der Umbau des Altbaues dauerte bis 1628. Dabei wurde über die Mindel ein Bogen geführt und auf diesem Bogen die Sakristei errichtet. Das Stockwerk über der Sakristei wurde als Hauskapelle eingerichtet (vollendet 1629), das 2. Stockwerk enthielt Wohnräume.

Der Kollegbau: Der erhaltene Plansatz von 1629/30 mit der Idea Mindlhemiani stammt wahrscheinlich von Johannes Holl. Über den Erhaltungszustand des alten Ostflügels wurden 1630 zwei Gutachten von Hans Alberthaler aus Dillingen und Meister Daniel N. aus Kaufbeuren eingeholt. Beide bestätigten den noch guten Bauzustand dieses Gebäudetraktes und äusserten unabhängig voneinander, dass die Mauern des Querflügels sehr fest seien und dass der Flügel entlang der Mindel nach einigen Umbauten noch auf Jahre hinaus bewohnt werden könne. Dagegen wurde der Westtrakt 1629/30 neu projektiert. Die Bauausführung erfolgte offensichtlich durch Alberto Vaironi (auch: Vairan), aus Roveredo/Graubünden, wohl nach Plänen Holls384, der möglicherweise als Bauleiter tätig war. Vaironi wie die ihm unterstehenden Arbeiter und Handwerker wurden wohl direkt vom Kolleg ausgezahlt (vgl. den Finanzengpass durch Einstellung der Geldraten wegen der politischen Lage ab September 1631). Im Oktober 1630 verliess J. Holl das Kolleg Mindelheim, um die Ausführung des Kirchenbaues in Landshut zu leiten.

Nach dem Weggang Holls wurde der Bau auf der Ordensseite wohl von Rektor Reeb geleitet. Gehilfe des Rektors Georg Reeb in Bauangelegenheiten war seit April 1630 der Jesuit Michael Kepler385. Die Grundsteinlegung für den Westtrakt des Kolleges erfolgte am 3. September 1630. Der Bau wurde vom Stadtpfleger und der Stadt (Überlassung eines Grundstückstreifens) unterstützt. Bis Ende des Jahres wurde der erste Stock fertiggestellt, bis August 1631 der ganze Bau unter Dach gebracht. Nach dem Umschwenken der militärischen Lage im September 1631 unterblieb die Auszahlung der Geldraten; es mussten Anleihen aufgenommen werden. Die Bautätigkeit wurde zeitweise eingestellt.

Umbau des Gymnasiums: Die Schulräume befanden sich bis 1628 offenbar in den alten Klostergebäuden und wurden wohl ab Oktober 1628 in einem nahegelegenen, 1627 neuer-worbenen Gebäude (ehemals Metzgerhaus) eingerichtet. Der Erwerb eines danebenstehenden zweiten Gebäudes erfolgte 1631. Ein Gymnasiumneubau nach den 1629/30 vorgelegten Plänen wurde wohl durch die Kriegseinwirkung verhindert. Zusätzlich zu den bestehenden beiden Schulgebäuden wurde den Jesuiten mit kurfürstlicher Erlaubnis am 17. Juni 1656 ein weiteres Haus (nach Enteignung) übereignet; dieses wurde umgehend abgerissen. Im Anschluss erfolgte der Umbau der beiden älteren Gebäude und - nach der Grundsteinlegung am 11. Juli 1656 - der Neubau des weiter südlich gelegenen Gebäudes386. Die Baumassnahmen für das neue dreistöckige Schulgebäude waren am 12. Dezember 1659 abgeschlossen. Die Bauausführung in zwei Bauabschnitten erfolgte durch Maurermeister Michael Wittmer (Witwer) aus Mindelheim. Die Finanzierung des Gymnasiumsbaues übernahmen die Stadt mit 5300fl. (26. April 1655) auf Ersuchen von P. Martin Frei und der Landesfürst durch eine Schenkung von 1000 fl. Wegen Zahlungsschwierigkeiten wurde 1658 eine Kollekte zugunsten des Gymnasiumsbaues durchgeführt.

Errichtung des Ostflügels und des Verbindungsflügels: Der laut Gutachten von 1630 noch funktionsfähige Ostflügel war in den 1660er Jahren baufällig geworden und sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Die Planung des Osttrakts stammt wohl von Michael Thum387. Die neuen Pläne orientierten sich vermutlich an den 1629/30 im Idealplan formulierten Planvorstellungen. Am 8. Februar 1668 erfolgte der Vertragsabschluss mit Michael Thum über den Neubau des Ostflügels: Thum verpflichtete sich, den an der Mindel gelegenen Teil des Kollegs von der rückwärtigen Einfahrt an bis zum Refektorium niederzulegen und in einer Länge von 122 Fuss (= 35,4 m), einer Breite von 38 Fuss (= 11,2 m) und einer Höhe von 28 Fuss (= 8,1 m) neu aufzubauen. Die Jesuiten lieferten Baugerätschaften und Baumaterialien. Thum stellte die Arbeiter und erhielt hierfür etwa 750 Gulden. Von geringen Änderungen abgesehen, sollte der Bau nach denjenigen Plänen ausgeführt werden, die bereits (wohl 1630) dem Provinzial und dem Ordensgeneral vorgelegt worden waren388. Der alte Ostflügel wurde 1668 laut Vertrag durch Michael Thum abgetragen und der Platz für den Neubau geräumt. Die Mitte Mai 1668 von Thum begonnenen Bauarbeiten gingen zügig voran. Zum 3. Dezember 1668 (Xaveriusfest) konnte das neue Refektorium bereits benützt werden.

Auch die Errichtung des Quer- oder Verbindungsbaues wurde von Michael Thum geleitet und ausgeführt. Für die Errichtung dieses Flügels sollte Thum laut Vertrag 1200fl. erhalten. Vermutlich war in dieser Summe die Bezahlung der Abbrucharbeiten und der Lohn für die Bauarbeiter enthalten. Baumaterialien, Gerätschaften etc. wurden wieder durch den Orden gestellt. Trotz fürstlicher Unterstützung gestaltete sich die Finanzierung dieses Bauabschnittes schwierig. Der vorhandene Altbau389 wurde niedergelegt. Ab 1669 erfolgte der Bau des Verbindungsflügels. Die Bauarbeiten waren 1671 abgeschlossen390. 1679 wurde das Brauhaus am nördlichen Ende des Kolleggrundstückes errichtet.