Baugeschichte des Kolleges Landshut

1. Baugeschichte des Kolleges Landshut
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Baugeschichte des Kolleges Landshut

Die Baugeschichte der Kirche St. Ignatius (1631 bis 1641) und des Kolleges Landshut450 ist gut dokumentiert.

Der Rohbau der Kirche wurde in den Jahren 1631/32 und in den Jahren 1637 bis 1641 ausgeführt. Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau St. Ignatius erfolgte am 31. Juli 1631. Zur Anlage der Fundamente musste wegen des weichen Untergrundes ein Balkengerüst verlegt werden. Die Kriegseinwirkung unterbrach den Fortgang des Baues. Ab 30. April 1637 wurde die Ausführung der Fundamente fortgesetzt. Nach Abschluss der Fundamentierung erfolgte die zügige Aufführung des Mauerwerkes451. Das Hauptgewicht lag dabei zunächst an der Chorpartie. Spätestens 1638 waren alle Aussenmauern von Chor und Langhaus hochgemauert.

Im Juli 1640 wurde die Einwölbung des Chores und bis zum 9. August 1641 die Wölbung des Langhauses abgeschlossen452. Der Dachstuhl (Konstruktion fünfstöckig, liegend) wurde 1640 ausgeführt. In der Chorpartie war der Dachstuhl sorgfältiger gearbeitet als im Langhauses. Der Dachreiter am westlichen Ende des Langhausdaches wurde im selben Jahr mit Kupfer beschlagen. Die Einweihung der Kirche erfolgte bereits am 25. November 1640. Vermutlich wurde vorerst aber nur der Chor benutzt, während die übrigen Arbeiten noch andauerten. Nach der Einwölbung der Kirche wurden 1641 die Aussenarbeiten am Gebäude wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. Dach und Aussenbau blieben bis zur späteren Fassadengestaltung weitgehend in dem bis dahin fertiggestellten Zustand453. Über den drei östlichen Jochen des Langhauses wurde das Dach und diejenige Mauerfläche, die später die Attika bilden sollte, provisorisch geschlossen. Erst 1692 wurde dem Unterbau ein Attikageschoss in der Breite des Strassenzuges aufgesetzt.

Der Innenausbau der Kirche und die Arbeiten an der Stukkaturausstattung begannen 1640, noch vor der endgültigen Schliessung der Gewölbe. Diese Arbeiten dauerten einschliesslich der Ausstattungsarbeiten bis zur erneuten Kriegseinwirkung 1647 an. Zunächst erfolgte die Stukkierung der beiden westlichen, dem Chor am nächsten gelegenen Kapellen (Kreuz- und Marienkapelle) durch Wessobrunner Gipser bzw. Stukkatoren. Die Arbeiten am Langhausgewölbe begannen an den Frontseiten der Wandpfeiler. Die Arbeiten an der Decke des Langhaus führte Matthias Schmutzer vom 6. September 1641 bis Ende November 1641 durch. Zwischen Mai 1646 und Januar 1647 wurden die Kapelle mit dem Apostelaltar stukkiert. Der ursprüngliche Stuck an Chor, Chorbogen und an den bereits bearbeiteten Kapellen wurde 1662 im Zusammenhang mit der Errichtung eines neuen Hochaltares entfernt und durch einen neuen mit plastischen Formteilen mit Engelsköpfen, Flügeln, Rosetten, usw. ersetzt. Die Ausführung erfolgte wiederum durch Wessobrunner Stukkatoren.

Die Arbeiten an der Inneneinrichtung der Kirche begannen 1640/41. Die Ausstattung wurde in der Werkstatt des Kollegs von auswärtigen Handwerkern unter Leitung eines Jesuiten ausgeführt (Fertigung von Bänken und der Kirchenstühle, Kreuz- und Marienaltar 1644 und des Apostel- und Sebastiansaltares 1645; Orgelgehäuse, Chorgestühl und Kanzel am Chorbogen).

Der Baukontrakt mit dem Orden beinhaltete neben der Zusicherung der Stiftungseinkünfte auch die Bereitstellung von Baugeräten und Materiallieferungen (Stein, Ziegel, Kalk, Sand, Holz). 1630 wurden dem Kolleg Nutzungsrechte in den kurfürstlichen Wäldern eingeräumt, was dann für die Beschaffung von Bauholz, Holz für den Fundamentierungsrost und später für den Hausbrand wichtig wurde. Ebenfalls aus fürstlichen Steinbrüchen wurden die Gesteinsbrocken für die Fundamentierung beschafft454. Es ist anzunehmen, dass auch in Landshut Hand- und Spanndienste von Bürgern der Stadt geleistet wurden. Facharbeiter und Arbeitskräfte mussten vom Orden mit den zugewiesenen Baugeldern finanziert werden. Andere anfallende Arbeiten wurden wahrscheinlich auch von Ordensangehörigen übernommen. Rektor Ulrich Speer koordinierte die Bauvorgänge. Für Planung und Bau der Kollegkirche war auf Seiten der Jesuiten vor allem der Jesuitenbruder Johannes Holl verantwortlich. Er hielt sich seit dem 19. Oktober 1630 in Landshut auf455 und blieb dort bis zu seinem Tod 1647.

Johannes Holl wird von J. Braun und R. Reiter als der Erbauer des Kirchengebäudes bezeichnet. »Der Nekrolog, ebenso wie die »Historia Templi«, weisen ihn als den alleinigen Schöpfer sämtlicher Werke in und an der Landshuter Jesuitenkirche aus, so dass diese als »Gesamtkunstwerk« Holls gelten darf«. Johannes Holl war nicht nur »Bauleiter in dem Sinne, dass er eine gewisse Bauaufsicht namens des Kollegs als des Bauherrn führte, die Löhne auszahlte u. ä., sondern er war Baumeister in der vollen Bedeutung des Wortes«457. Das Rechnungsbuch führte der Prokurator, das Zahlbuch Johannes Holl. Im Rechnungsbuch heisst Holl stets »Paumeister«. Trotz Einflüsse anderer Bauverständiger kann, nach Reiter, die Funktion Holls als leitender Architekt, d. h. als Entwerfer und Bauleiter, dem alles unterstand, als gesichert gelten. »[...] Ch. quoq. Joannes Holl, Societatis nostrae Coadiutor, ut simul fabricam curaret, priore iam anno 19. Octob. huc missus est«458, d.h. »dass er gleichzeitig [also neben der Entwurfstätigkeit] den Bau verwaltete«.

Von Holl sind keine Pläne bzw. Planzeichnungen aus dem Zeitraum vom 1630 bis 1641 überliefert. Ein von Holl geführtes Zahlbuch und eine Art Rechnungsbuch, das Notizen und Posten enthält, haben sich aber erhalten. Vermutlich entwarf Holl Pläne und Ausführungszeichnungen für den Kirchenbau und die Kirchenausstattung; er selbst war nicht handwerklich ausführend tätig459.

Neben J. Holl wirkten auch externe Baumeister und Handwerker an der Gestaltung des Kirchenbaues mit. 1631 ist die Rede von einem Meister Franz aus Roveredo; er war, wie R. Reiter annimmt, in Landshut möglicherweise beratend für den Orden tätig.

Im Verlauf des Baues der Kirche werden die Graubündener »Muratori« erwähnt, die in weit grösserem Mass am Baugeschehen beteiligt waren, als bisher angenommen wurde. Johannes Rambin - er wird als »Architectus Italus Magister Johannes Rambin« bezeichnet460 - war vom Provinzial geschickt worden461. Seine Arbeiten an der Landshuter Kirche mussten Ende Oktober 1631 kriegsbedingt unterbrochen wurden462. Im Juli 1637 erschien Jakob Rambin wieder in Landshut, zusammen mit italienischen Maurern und Tagwerkern. Unter seiner Führung gab es ab 1637 einen schnellen Fortgang der Arbeiten. Nach J. Braun endet mit den Arbeiten in Landshut auch die Erwähnung des Namens Jakob Rambin in den Archivalien.

In der ersten Phase der Stukkierung des Kircheninnenraumes ab 1640 wurden die Arbeiten von Maurern und Gipsern bzw. Stukkatoren der Wessobrunner Schule ausgeführt; dabei wird ein Georg von Wessobrunn genannt. Die Arbeit an der Decke des Langhauses wurde von Matthias Schmutzer am 6. September 1641 begonnen und bis Ende November beendet. Schmutzer war zuvor in der Kollegskirche in Innsbruck tätig463. Die plastischen Formteile wie Engelsköpfe, Flügel, Rosetten, usw. wurden bei der Umgestaltung des Stuckdekors 1662 wurden wiederum durch Wessobrunner Stukkatoren ausgeführt464.

Die zügige Ausführung der Landshuter Kollegkirche erweist - etwa im Vergleich mit dem ersten Kollegbauabschnitt in Burghausen oder der Errichtung des Kolleges Straubing - einen relativ schnellen Fortgang der Bauarbeiten bei einem grossen Bauvolumen. Für den Bau der Kirche wurden offenbar grosszügig Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Da diese Mittel von der Regierung kontrolliert wurden, ist anzunehmen, dass von dieser Seite Interesse bestand, trotz der schwierigen politischen Umstände den Kirchenbau zügig auszuführen. Andernorts waren die Bauaktivitäten für längere Zeit zum Erliegen gekommen. In Landshut knüpfte man weiter an das noch in den erfolgreichen Jahren geschlossene maximilianische Bau- und Kunstprogramm an. Die Landshuter Jesuitenkirche wurde in diesen Jahren trotz schwieriger Umstände errichtet. Sie gilt in Form und Anlage als ein Nachfolgebau von St. Michael in München.

Der Neubau der Kolleg- und Gymnasiumsgebäude: Den Plänen der Kolleg- und Gymnasiumsgebäude aus dem Jahr 1665 lagen vermutlich die jesuitischen Idealpläne aus der Entstehungszeit des Kolleges Landshut zugrunde.

Sechs Häuser wurden nach den Steuerbüchern »in das Colleg verwandt«, das Hörmann-, Puehberg-, Peisser-, Hirschvogl465 -, Glabspergerhaus und das Haus der Fraunberger (erworben 1661). Am 23. Februar 1665 begann der Abbruch der alten Häuser und die Räumung des Bauplatzes. Die weiter südlich gelegenen Gebäude blieben wohl als Wohnung der Patres einstweilen erhalten.

Idealansicht Kolleg Landshut,  1665
Idealansicht Kolleg Landshut 1665

Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Juni 1665 im Namen des Kurfürsten Ferdinand Maria. Für die Fundamente wurden Erlenholzpfähle in den Boden gerammt.

Plan Kolleg, 1664
Plan Kolleg 1664

Noch im Herbst 1665 wurde der Hauptteil des Baus (d. h. der sich von Westen nach Osten ziehende, im Süden des geschlossenen Hofes gelegene Trakt) ausgeführt466 und das Giebeldach aufgesetzt. Ab der ersten Jahreshälfte 1666 erfolgte die Innenausstattung des Neubaues; drei Gänge wurden gewölbt, der vierte eingerüstet.

Der östlich vom Innenhof bis zur Bindergasse verlaufende Bauflügel, wurde ab 1666 ausgeführt. Bis zum Herbst erreichte dieser Süd-Nordtrakt eine Höhe von zweieinhalb Stockwerken467. Am Kreuzungspunkt der neuerrichteten Gebäudeflügel wurde ein Dachreiter aufgerichtet. Der Bau schritt 1667 nur langsam voran, da »Geld und Ziegelsteine knapp« wurden. 1668 wurde das Dach aufgesetzt und eine Mauer vom nördlichen Endpunkt des neuen Flügels ostwärts in Richtung auf das Franziskanerkloster errichtet. Der Verbindungsbau zur Kirche musste einstweilen zurückgestellt werden. Die Jesuiten bezogen den neuen Bau am 6. Mai 1668; bei der Einweihung war der Provinzial anwesend.

Am 1. Juni 1668 wurde der Bau des Verbindungsflügels zwischen dem Ostwestflügel und der Kirche begonnen; er erreichte bis Ende des Jahres die Dachhöhe. 1669 war die Verbindung mit der Kirche hergestellt. 1670 wird das Kolleggebäude als vollendet bezeichnet. Zur Finanzierung des Kollegbaues wurde ein Legat von 6000fl. von Ursula Schrepf (1665) zur Verlegung der Fundamente des Kolleges verwendet. Die weiteren Baukosten betrugen 1667 7734 fl., 1668 8000fl. und 1669 4290fl. 35kr.. Die Baukosten des eigentlichen Kollegs (ohne Gymnasium) beliefen sich auf 30732fl. 35 kr. Zur Deckung der Finanzierungslücke wurde eine Zwangsbesteuerung der Kirchen der Diözese Freising über 4000fl. durchgeführt468.

Der Neubau des Gymnasiums: Zur Vollendung des Gebäudequadrums fehlten noch die beiden Flügel, welche heute den Innenhof im Westen und Norden begrenzen. Der Erwerb der erforderlichen Häuser und Grundstücke, also der Erwerb der Häuser Schrepf/Khirmair, Schwarz und Stachel (dieses bildete das Eck von Neustadt und Bindergasse) und des Propstes von Gars erfolgte 1665, 1673 und 1677. In einem Schreiben des Rektors Ludwig Reustorf vom 11. Juni 1681 an den Kurfürsten wird das alte Gymnasium als baufällig bezeichnet. Die Kosten des geplanten Neubaues wurden im beigelegten Kostenanschlag auf 10000fl. geschätzt. Eine Begutachtung des Gebäudes bestätigte die Baufälligkeit des vorhandenen Gebäudes.

Am 19. April 1688 wandte sich Rektor Ferdinand Gugler in einer erneuten Bitte um einen Gymnasiumneubau an den Kurfürsten. Das Gutachten des Geistlichen Rats an den Kurfürsten469 betonte die Notwendigkeit eines Neubaues. Daraufhin erfolgte am 23. Juni 1688 die Genehmigung zum Neubau durch den Kurfürsten. Die Grundsteinlegung fand am 26. April 1688 statt, nach Abbruch der benachbarten Häuser. Die Mauern wurden 1688 innerhalb weniger Monate hochgezogen und das Dach noch vor Eintritt des Winters aufgesetzt. Erst 1691 war der Bau vollendet (Einzug am 28. Mai 1691). Die Baukosten aus den Baujahren 1689 bis 1691 beliefen sich auf insgesamt rund 15570 Gulden. 1688 erfolgte die Errichtung eines eigenen Brauhauses an der Ostmauer des Kolleghofes.

Baumeister des Kollegbaues war der Vorarlberger Michael Beer. Nach seinem Tod 1666 übernahm Michael Thum die Ausführung der Gebäudetrakte470. Die erhaltenen Pläne für das Neubauprojekt der Gesamtanlage von Kolleg- und Gymnasiumflügel471, entstanden um 1665, werden dem Jesuiten Max v. Lerchenfeld zugeschrieben472. Von 1665 bis 1667 war auch Frater Heinrich Mayer in einer nicht näher bekannten Form am Bau des Kollegtraktes beteiligt473.

Für die Errichtung der Gebäudeflügel des zweiten Bauabschnittes verpflichteten die Jesuiten mit einem Vertrag vom 13. August 1688 Johannes Antonio Viscardi als Baumeister. Über die Rolle der Jesuiten bei der Bauausführung liegen keine weiteren Angaben vor.

Zur Baugeschichte siehe auch unter "Geschichte Landshut".