1. Baugeschichte des Kolleges Burghausen
2. Die Vorgänge im Einzelnen
Jesuitische Kräfte waren an der Plangestaltung beteiligt. Vertreter staatlicher Stellen wie der Rentmeister von Burghausen waren in das Planungsverfahren eingebunden; von diesem stammt der Plan vom 16. November 1629392. Im dazu anliegenden Schreiben wurden praktische Fragen der Bauplanung behandelt, die sich aus der Nähe der neuen Kolleganlage zum angrenzenden Salzstadel und der Benutzung des gemeinsamen Strassenzuges ergaben. Von behördlicher Seite war Hofbaumeister Isaak Pader mit der Ausarbeitung des Planes für das Kolleg Burghausen befasst. Die »Idea Burghusianum Collegii«393 war im Herbst 1630 Gegenstand des Briefwechsels zwischen der jesuitischen Baubehörde in Rom und dem Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz Walter Mundbrodt, der für die Kollegbauten seiner Provinz zuständig war.
Die Vorgänge im Einzelnen394: Am 18. April 1629, dem Tag der Erhebung der Jesuitenmission in Burghausen zur Residenz, wurde die vom Landesherrn angebotenen Grundstücke in der sog. Zaglau vom Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz Walter Mundbrodt und von Superior Nicasius Widmann zum Bauplatz des neu zu erbauenden Jesuitenkollegs bestimmt. Aus dem am 30. Juli 1629 ausgestellten Finanzierungs- und Dotierungsdekret geht hervor, dass der Landesherr beabsichtigte, »ein Collegium, Gymnasium und Kirchen von Neuem erbauen, fundieren und stiften zlassen«, wozu er den Jesuiten Grundstücke, einen Teil des neuerbauten Salzstadels und eine Geldsumme von 40000 Gulden aus den Hällingschen Salzgefällen (= Gewinnabgaben) aus dem 1594 verstaatlichten Salzhandel übereignete.
Die für den Kollegneubau vorgesehenen Grundstücke konnten, da weite Teile der sog. Zaglau Grundurbar der Landesherren waren, noch im Laufe des Jahres erworben und abgefunden werden. Die Landesregierung wurde von den Vorgängen durch den Rentmeister von Burghausen unterrichtet395.
Mit der am 31. August 1629 zugestellten ersten Ratenzahlung aus den Salzgefällen über 7000 Gulden wurden »sogleich erhandelte Häuser, Gründt und Stadel bezahlt«. Die Auszahlung der Gelder wurde von Hofkammerdirektor Johann Mändl kontrolliert, der sich im September 1629 in Burghausen aufhielt396. Zur selben Zeit erfolgten erste Planungen für den Kollegneubau mit Hilfe des Hofbaumeisters Isaak Pader397. Zunächst wurde die Lage der geplanten Kollegkirche im Zusammenhang mit der Frage behandelt, ob für den Neubau der innere Ring der Stadtbefestigung geöffnet werden sollte, um damit - und das ist der Hintergrund der Anfrage - einen freien Blick auf die neu zu errichtende Kirchenfassade bzw. auf den Stadtplatz zu erhalten398, »weilen das Kirchenportal herein gegen der Stadt mehrers Prospects halb gesetzt [sei]«399. Das Memoriale vom 10. September 1629 forderte neben anderen Anordnungen einen Lageplan vom Bebauungsgelände zur besseren Koordination des Planungsfortganges und zur organisatorischen Vorbereitung des Baues400.
In den nachfolgenden Schreiben wurden praktische Fragen behandelt, die sich aus der Nähe der neuen Kolleganlage zum angrenzenden Salzstadel und der Benutzung des gemeinsamen Strassenzuges ergaben. Der Rentmeister äusserte Bedenken über die bereits gemachten Planungen, die den Wendeplatz zwischen Salzstadel und Kollegiumwestfront betrafen401. Der Rentmeister veranlasste daraufhin die Zeichnung eines Planes402 und berichtete auf Anfrage vom 12. Oktober403 am 16. November 1629, er habe vom Bauplatz »den Werkschuh anschlagen, solches zu Papier bringen und gleichsam in Grund legen lassen«. Vermutlich lag der Abmessung ein Plan vom »Maurermeister, welcher den Aufriss des bedeutenden Baues gemacht«, zugrunde. Am 30. Dezember 1629 wurde von der Münchener Behörde angefragt404, »auf was für eine Weis der Abriss oder Visier eigentlich gestellt« sei. Es folgte die Aufforderung zur Erstellung der Kollegsfundation »wie solches an anderen Orten geschehen« im Zusammenhang mit dem Hinweis auf den baldigen Baubeginn der Kollegkirche, »da die Herrn Patres den Grund zu graben und diesen Paus einen Anfang machen wollten«.
Der Rentmeister von Burghausen berichtete auf diese Anfrage hin, dass der »chftl. Mauermeister« das Gelände vermessen und abgesteckt habe405. Der Bauplatz war zu diesem Zeitraum (Anfang Januar 1630) von der Vorgängerbebauung bereits geräumt. Nach Anweisung Maximilians, die Kollegfront um 15 Schuh (= 4,4 m) zurückzuverlegen, wurde nun die Lage des Kollegbaues verändert, während die der Kirche, »herein gegen die Stadt mehrers Prospects halb gesetzt«, unverändert blieb.
Der neue Planungszustand wurde möglicherweise von einem Architekten des Ordens im Frühjahr 1630 gezeichnet. Dieser Plan406 war Gegenstand des Schriftwechsels über die »Idea Burghusianum Collegii« zwischen P. Provinzial Walter Mundbrodt und dem Ordensgeneral Vitelleschi in Rom, der den Plan auf seine Übereinstimmung mit den Bauleitlinien des Ordens untersuchte und genehmigte407. Dem Plan wurde ein Kostenvoranschlag mit Baukosten über 55396 Gulden beigelegt408.
Angeblich wurden vom geplanten Kollegbau zwei Modelle angefertigt409. Beim neuerlichen Aufenthalt des Provinzials Walter Mundbrodt am 10. März 1630 in Burghausen war die Planung vermutlich fertiggestellt, so dass mit der Bauausführung begonnen werden konnte. Der Rentmeister von Burghausen berichtete am 10. März 1630 nach München, dass »der Provincial sich alhier befindet und vielleicht noch diese Fastenzeit in Bau setzen und zum Grundgraben zlassen [...]« vorhabe. Am selben Tag wurde die Jesuitenniederlassung Burghausen zum Kollegium erhoben. Maximilian befahl am 22. März 1630, dass »der Platz vorm Salzstadel und vorhabenden Neuen Collegiikirchen [..] gleichsamb etwas erweitert werden solle, so hat es dabei sein verbleiben und du [sollst], damit dies also geschehe, darob sein.« Nach Abschluss der Planungen wurde der Bauplan von Maximilian approbiert.
Die Historia Collegii berichtet im Jahr 1630 »Tum manus novo aedificio admotae, cuius Idea Monachii descriptam et a Seren. Electoris approbatam, paullo ante speramus«. Zum 28. März 1630 erging die Anordnung Maximilians, dass »die Grundsteine Collegii mit gebührend Solemnität und Ceremoniam« gelegt werden sollen »am ersten Tag des nächstkünftigen Monats«. Diesen Termin bestätigte der Salzburger Erzbischof Paris von Lodron am 12. April 1630. Am 1. Mai 1630 konnte die »Benefication der drei ersten Steine an den fundierten Kirchen und Collegio« in Anwesenheit des Bischofes von Chiemsee Johannes Christoph und Baron Rudolph v. Dornsberg, in Vertretung des Landesfürsten Maximilian I. erfolgen.
St. Josef, Urkunde zur Grundsteinlegung, 1630
Mit dem Bau der Kollegkirche und des Kolleges wurden die ersten Schritte zur Realisierung des geplanten »Collegium Burghusianum« unternommen.
Mit Ausnahme der Kirche konnten die übrigen Gebäude infolge der Kriegsumstände und der eingestellten Geldleistungen nicht in der geplanten Form und stark abgeändert erst Jahre später verwirklicht werden. Das geplante Kolleggebäude liegt, den Platzerfordernissen des Salzvertriebes des gegenüberliegenden Salzstadels weichend, wohl um 15 Fuss ostwärts verschoben am Nordende der Kirche. Das inmitten der Kriegszeit 1643/44 ausgeführte Kolleggebäude wurde unmittelbar an die Sakristeinordwand angebaut. Die Ausführung der Kollegkirche und des ersten Teiles des Kollegbaues folgte dem Plan von 1630410.
Die Frage nach dem Architekten des Collegium Burghusianum kann nach Lage der Dinge nicht eindeutig beantwortet werden: sowohl der Hofbaumeister Maximilians I. Isaak Pader wie auch Mitglieder der Gesellschaft Jesu haben an Planung und Bau des Collegium Burghusianum und der Jesuitenkirche St. Josef mitgewirkt. Die Ausführung des Kirchenbaues wurde offenbar an den Hofbaumeister Isaak Pader, als »architectus« vergeben. Dessen Sohn (»[...] architectus, cuius filius«) war bei Aushubarbeiten für den Kirchenbau 1630 in einen Bauunfall verwickelt411. Isaak Pader stammte aus einer eingesessenen Baumeisterfamilie. Sein Vater, Jakob Pader aus Wessobrunn, hatte bereits 1587 als Maurer und 1591 als Polier an Kirche St. Michael und Jesuitenkolleg in München gearbeitet412. Auch der Landesherr ist bei der Frage nach den gestaltenden Kräften der Kirchenarchitektur von St. Josef in Burghausen miteinzubeziehen: so approbierte Maximilian I. die Pläne zum Kollegiumneubau und beteiligte seinen Hofbaumeister Isaak Pader an Planung und Bau der Kirche St. Josef.
Die »Direction», das heisst die Bauaufsicht für die Bauausführung von Kirche und Kolleg - lag nach Angaben des Finanzierungsdekretes vom 30. Juli 1629 bei den Jesuiten, im Wortlaut: »dass genannte Patres die Direction, Sorge und Mühwaltung des Bauens auf sich nehmen, da sie sich hierzu bereit demütigt erboten und erklärt haben«413. Auf Ordensseite war der Rektor des Kolleges Nicasius Widman für die Gesamtkoordination verantwortlich.
Die Bauaufsicht übte zunächst Fr. Michael Gerber414, ein gelernter Schreiner aus. Ab 1631 bis 1635 amtierte als »praefectus aedificii» der Laienbruder Paul Bock415. Bock war gewissermassen ein Schüler des bauerfahrenen Ordensbaumeisters und Architekten Jakob Kurrer (1585 bis 1647)416. Vor seiner Tätigkeit in Burghausen assistierte Bock seit Herbst 1628 Jakob Kurrer bei den Bauvorbereitungen für das Kolleg in Ensisheim417. Es ist anzunehmen, dass Paul Bock auch weiterhin mit Bruder Jakob Kurrer in Verbindung geblieben ist. Im Jahr 1634 war seine Aufgabe in Burghausen, da auch die Auszahlung der finanziellen Mittel zum Weiterbau des Kollegs infolge der Kriegsentwicklung eingestellt worden war, beendet. 1635 verliess er Burghausen. P. Bock sind die Hauptarbeiten bei der Erbauung der neuen Ordenskirche und der Instandsetzung der älteren, provisorischen Schul- und Kolleggebäude zuzuschreiben.
Der Fortgang der Bauarbeiten in Burghausen seit der Grundsteinlegung am 1. Mai 1630 lässt sich aus einzelnen archivalischen Angaben rekonstruieren. Der geplante Ausbau des Kolleges wurde mit der Errichtung der Kollegkirche begonnen. Die Räumung des Platzes und der Aushub der Baugrube war zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt. Vertraglich waren für den Kollegienbau von Landesseite her die Bereitstellung von Holz418 und Baumaterialien wie Sand, Kalk, Ziegel sowie von Arbeitsgerät zugesichert worden wie vermutlich auch die Leistung von Hand- und Spanndiensten. Bezüglich der Beschäftigung von Arbeitskräften wurden vom Landesherrn klare Anweisungen gegeben, diese seien teilweise vom Rentmeister zu bezahlen419. Wahrscheinlich dürften die ausführenden Maurer und Zimmerleute von Isaak Pader bzw. seinem Sohn in der baulichen Ausführung der Baumeisterarbeiten angeleitet worden sein.
Kirchenbau und Mesnerstock wurden wohl aus statischen Gründen in einem Bauabschnitt hochgezogen. Die Bauarbeiten gingen offensichtlich gut voran. Am 8. November 1631 erfolgte die Weihe von St. Joseph420; vier Glocken wurden für den Kirchenbau gegossen421. Der Bau kann zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vollendet gewesen sein. Am 27. Februar 1632 erfolgte die einstweilige Einstellung der Zahlungen422. Erst 1634 wurde im Kircheninneren ein Baugerüst aufgerichtet und die Gewölbe, die bis dahin provisorisch mit Brettern bedeckt waren, von Maurern geschlossen. Die Aussenmauern, die wegen schlechtgebrannter Ziegel zu verfallen drohten, wurden bei diesen Baumassnahmen mit Mörtel abgeputzt423. Danach wurden im Innenraum die Ausstattungsarbeiten durchgeführt. Die Wände und Gewölbe wurden mit einem einfachen Quadraturstuck versehen.
Ab 1637 erfolgte der Einbau der Altäre, 1640 die Einfügung des Fussbodens424. 1645 wurde das Kirchendach erneuert425 und um 1651/52 schliesslich der Fassadenbau ausgeführt426. Im Jahr 1651 wurde an der östlichen Kirchenaussenwand ein in Stein ausgeführter Seitengang mit darüberliegenden Oratorien errichtet anstelle eines baufälligen Holzbaues427. Der Ausbau der Kirche wurde demzufolge erst in diesen Jahren vollendet. Aus vorhandenen Belegen geht hervor, dass sich das Kolleg wegen des Kirchenbaus bei adeligen Geldgebern verschuldet hatte428.
Bau des Kolleges/ 1. Bauabschnitt: Am 1. Mai 1630 wurde der Grundstein zum Kirchenbau von St. Josef und zum geplanten Kollegbau St. Ignatius gelegt, wie die Historia Collegii ausweist. Zu diesem Zeitpunkt war der Bauplatz für den projektierten Bau des Kollegs wohl schon geräumt. Mit dem Kirchengebäude wurde zeitgleich der Seminar- oder Mesnerstock aufgeführt. Wahrscheinlich wurde damals bereits mit ersten Vorarbeiten zur Errichtung des Kollegs begonnen. Die Ausführung des Kollegs unterblieb jedoch nach der Anweisung vom 27. Februar 1632 und der Einstellung der Geldleistungen. Ab 1640 ergab sich jedoch die Notwendigkeit zum Kollegneubau durch die unhaltbar gewordenen Wohnbedingungen in den 1629/30 den Jesuiten nur übergangsweise und provisorisch zugewiesenen Altbauten. Gutachten von Georg Moser und Daniel Erlgrassner429 bestätigten den schlechten Bauzustand dieser Gebäude. Daraufhin beantragte der Orden die Auszahlung eines Teiles der von Maximilian im Finanzierungsdekret vom 30. Juli 1629 für den Bau veranschlagten Stiftungsgelder und den Neubau zumindest des ersten Kollegabschnittes. Der Kollegbau für 10 bis 12 Jesuiten wurde 1643 begonnen (noch im selben Jahr Aufrichtung des Dachstuhls) und 1644 vollendet430.
Zunächst versuchte der Rektor des Kolleges Burghausen, den Baumeister des Klosters Ranshofen Bartholomäus Viscardi für den Bau des Kollegs zu gewinnen431. Da dieser aber nicht zur Verfügung stand, wurde der Bau offenbar unter Leitung des Ordensbaumeisters Jakob Kurrer ausgeführt. Wie der Nekrolog über die Werke Kurrers mitteilt, hielt dieser sich zur »Restauration des Kolleges« in Burghausen auf432. Kurrers Aufenthalt in Burghausen dürfte also gesichert sein.
Bau des Gymnasiums: In der Anfangszeit des Kolleges war das Jesuitengymnasium im umgebauten Haus des Andreas Prunner untergebracht (21. April 1629 bis 1661).
Ein Hochwasserschaden beschädigte am 17./18. August 1661 irreparabel den provisorisch zur Schule hergerichteten Altbau433. Baugutachten des Stadtbaumeisters Georg Prunner und des Hofzimmermeisters Baltasar Haiter stellten eine Unterspülung der Gebäudefundamente der »Fischerhäusl« fest, eine Wiederinstandsetzung der Gebäude erschien nicht mehr vertretbar434. Wie in der Stiftungsurkunde zugesagt, sollte die Schule zunächst in der hinteren Hälfte des grossen Salzstadels eingerichtet werden. Von der in der Idealplanung vorgesehenen Anlage eines Gebäudequadrums rückte man im Verlauf der weiteren Planung aber ab. Anstellte dessen wurde ein einzelstehendes Gebäude an der vorgesehenen Stelle geplant. Planungen für den Gymnasiumneubau begannen noch 1661. Es entstand ein erster Plansatz, der vermutlich von Marx (Markus) Schinnagl stammt435. Die Pläne wurden möglicherweise als Vorentwurf für einen künftigen Gymnasiumbau bei der Baubehörde eingereicht. Ein zweiter, 1663 entstandener Plansatz mit einer erhaltenen Ansicht (»Scenographia«) für den neuen Bau, wurde wohl von Stadtbaumeister Georg Prunner436 erstellt437.
Bei der Finanzierung des geplanten Baues berief sich der Orden auf die von Maximilian am 30. Juli 1629 gemachte Baustiftung und die noch immer nicht vollständig ausgezahlten Baugelder. Zur Deckung der durch den Bau der Fundamente entstandenen Finanzierungslücke wurde eine Sammlung zugunsten der Finanzierung des Gymnasiumsbaues in den Pfarreien der Diözese durchgeführt438.
Die Fundamentierung des Gymnasiumgebäudes im Jahr 1662 erfolgte unter Verwendung einer besonderen Baukonstruktion gegen die Unterspülung der Fundamente durch Hochwasser und verschlang mehr Geldmittel als zunächst veranschlagt439. Bis 1664 wurden die Mauern des Schulbaues hochgezogen, das Dach aufgesetzt und die Klassenräume eingerichtet440. In den Jahren 1665/66 fanden weitere Ausstattungsarbeiten und Arbeiten an der Fassade des Gymnasiumsneubaues statt441. Die Aula des Gymnasiums (von der Bürgerkongregation mitgenutzt) erhielt 1667 eine Holzkassettendecke442.
Bau des Kollegs/ 2. Bauabschnitt: Der zweite Bauabschnitt des Kollegbaues wurde in den Jahren 1682 bis 1687 unter der Regierung Max Emmanuels errichtet. Offenbar waren bereits 1680 Anstrengung zum Bau unternommen worden443. Der bereits vorhandene erste Abschnitt des Kollegbaues wurde durch den Bau um mehr als das Doppelte verlängert, ein Nordtrakt winkelte, in Abänderung der ursprünglichen Idealplanung, nach hinten, d.h. bergwärts ab444. Im Verlauf des Jahres 1684 konnten offenbar die Mauern und das Dach (»tectum«) aufgerichtet, sowie die Küche (»culina«) eingerichtet werden445. 1685 wandte man sich dem Einbau des Fussbodens der Innenausstattung zu446. Gewölbe (»fornices«) und Heizgelegenheiten (»hypocausta«) wurden 1686 eingebaut447. Der Kollegbau konnte 1687 mit der Errichtung eines Porticus an der Kollegostfassade vollendet werden448.
Zur Bauausführung und der Bauorganisation dieses zweiten Bauabschnittes des Kollegienbaues sind keine genaueren Quellen bekannt. Lediglich die Litterae Annuae berichten vom Baufortgang dieser Jahre, allerdings ohne Nennung der bauausführenden Kräfte. Für die Bauabwicklung war wieder der Orden verantwortlich. Mit der Durchführung der Baumassnahme wurde vermutlich ein bürgerlicher Baumeister betraut. Aus einer Äusserung von 1731 im Zusammenhang mit dem geplanen Umbau des Kongregationssaal geht hervor, dass Joseph Vilzkoter, der nachmalige Stadtbaumeister von Braunau, in jungen Jahren als Parlier am Burghausener Kollegbau tätig gewesen war. Aus den Archivalien gehen keine weiteren Angaben über die Beteiligung jesuitischer Baukräfte am Bau dieses Kollegabschnittes hervor.
Von Seiten der kurfürstlichen Kammer erfolgte neben Geldleistungen auch die Lieferung von Baumaterial. Den Archivalien ist zu entnehmen, dass eine grössere Stückzahl an Ziegeln beim Wassertransport verloren ging449. Möglicherweise bildeten auch Stiftungen wohltätiger Förderer des Collegiums Burghausen den finanziellen Grundstock für den Kollegneubau.