1.
Baugeschichte des Kolleges Amberg
2.
Die Vorgänge im Einzelnen
Der Bau des Kollegiums Amberg war durch die beiden unter der Führung Maximilians I. initiierten und mit Zustimmung der zuständigen Diözesanbischöfe geschlossenen Rezesse vom 23. Februar 1629 und 15. Mai 1630 beschlossen worden478. Beim ersten Rezess wurde die Frage nach dem Standort des zu gründenden Kollegs geklärt: Amberg als Hauptstadt der Oberpfalz sollte Sitz des Kollegs werden. In der Frage des Standortes für das neue Kolleg in Amberg war eine Wahl zu treffen zwischen der inmitten der Stadt gelegenen Martinskirche (dort befand sich das Gymnasium) und der am Rand der Altstadt gelegenen Georgskirche. Hier hatten die Jesuiten den Pfarrhof instandgesetzt und benutzten die Kirche. In einem zu diesem Anlass erstellten Thesenpapier werden detailliert die Gründe für die Standortwahl bei St. Georg im Vergleich mit St. Martin aufgeführt479. Die Jesuiten entschieden sich für die Lage bei St. Georg unter der Voraussetzung, »dass zu Ersparung mehrer Unkosten die Kirchen S: Georgii dazu verordnet und dem Collegio lediglich approprieret und ganz eigentumlich gemacht wurde«. Auch der Pfarrhof von St. Georg, Wittum genannt, und das bei St. Georg gelegene Friedhofsgelände wurde den Jesuiten übertragen. Es wurde vereinbart, dass der Orden ein Studium »nach der Manier zu München« einrichten sollte480.
Die Finanzierung von Bau und Unterhalt des Kolleges Amberg schien mit den Rezessen gesichert, Standort und Bauplatz des zu errichtenden Kolleges waren festgelegt. Es folgte der Erwerb und der Ankauf von zwölf um die Georgskirche gelegenen Häusern und Grundstücken481.
Erste Planungen für die Kolleganlage wurden vermutlich im Frühjahr 1629 vorgenommen. Am 21. Februar 1629 fand der entscheidende Ortstermin zur Besprechung des künftigen Kollegbaues statt. Die Vorstellungen von Ordensseite wurden zu diesem Termin mit Hilfe von Skizzen, welche das künftige Projekt vorprojektierten, präzisiert. Die vorgegebene Grundstücksdisposition in räumlicher Umgebung von St. Georg wurde darin nach den geplanten Funktionseinheiten des künftigen Kolleges aufgeteilt. Nach dem Ortstermin am 21. Februar 1629 und dem Abschluss des ersten Rezesses am 23. Februar 1629 folgten weitere intensive Planungen für den künftigen Kollegbau. Vermutlich entstanden ab dieser Zeit die erhaltenen Pläne mit den »Primae Ideae« des Kollegiums Amberg482. Details des Bauprojektes wurden in einem Schriftwechsel zwischen München, dem Sitz des Provinzialates und der Staatsbaubehörde, und Rom erörtert. Die Kostenvoranschläge für den geplanten Kollegbau beliefen sich auf 36569 fl., für den Gymnasiumbau auf 13477 fl. und die Instandsetzung der Georgskirche, ohne Innenausstattung auf 20344 fl., geschätzte Kosten insgesamt also 79450 fl., die sich laut Voranschlag durch Auszierung der Kirche und den Bau zweier Türme bis auf etwa 100000 Gulden erhöhen könnten483. Das gesamte Bauvolumen sollte, laut Bauvertrag zwischen Rektor P. Hell und Baumeister F. Garbarino vom 28. Dezember 1630 in fünf Jahren Bauzeit erstellt werden484.
Zur Schaffung des benötigten Bauplatzes für den Ausbau der Niederlassung erfolgte bereits ab Mai 1630 der Abbruch von zwölf Altbauten auf dem südlich gelegenen Baugrundstück. P. Hell, Vorsteher der Residenz Amberg seit Mai 1629, berichtete am 24. Mai 1630, dass der Platz für den künftigen Kollegbau schon abgesteckt sei. Diese Angabe bezieht sich wohl auf den projektierten Bau des Kollegtraktes. Probleme bereitete noch die Lage des Georgstores und dessen Verlegung; die Genehmigung dazu wurde recht kurzfristig bis zum 14. Juli 1630 erteilt (Entscheid Maximilians I. auf dem Kurfürstentag in Regensburg)485. Ein Auszug aus dem Bautagebuch »Rapular« vom 4. Januar 1631 berichtet über den Abbruch der Ulrichskapelle nördlich von St. Georg, die Auflassung der Friedhofes und über laufende Ausgaben für den Bau des Kollegs486. Parallel zu den laufenden Räumarbeiten wurde die Baustelle organisiert mit der Erstellung von Bauhütten für die Bauhandwerker und der Bereitstellung der nötigen Baugeräte, der Organisation von Bauholz und Steinmaterial, Sand, Kalk, etc. Nach Angaben der Jesuiten erfolgten in dieser Zeit Ausgaben für Kalk- und Ziegelöfen und für einen Vorrat von Ziegeln und Kalk, für Eisen, Glas und Pflastersteine, Zimmerholzstämme, für Holz- und Steinfuhren, für eine Säge-, Mahl- und Wassermühle, für Abbruch und Bau des »Neutores« und für die Handwerker (Schreiner, Steinmetze, Holzschneider, Baumeister, Palier, Zimmermeister)487. In diesem Zeitraum wurde ein Steinbruch (bei Mariazell), ein Waldstück und zudem der Gärberhof erworben.
Bau des Kolleges (bis 1631/32): Wohl nach Abschluss des ersten Rezesses, also noch 1630, erfolgten nach den Planungs- und Grunderwerbstätigkeiten die Aushubarbeiten für den Kolleg-bau und die Legung der Fundamente. Provinzial Anton Welser begutachtete am 27. März 1631 die Baustelle. Bis zum 4. Mai 1631 (vgl. Brief mit der Klage P. Hells)488 wurde ein Stockwerk des auf eine Höhe von »vier Stöckh des Collegii sambt Khellern umb und umb«489 (d.h. drei Stockwerke mit Keller) projektierten Baues errichtet. Finanzierungsengpässe und die Entwicklung der politischen Lage verhinderten danach die Weiterführung des Kollegbaues. Nach Einstellung der Bauarbeiten Ende 1631 mussten vermutlich alle Baukräfte entlassen werden. Der liegengelassene Bau wurde wohl provisorisch abgedeckt. Der Ausbau dieses Kollegbaues dürfte kaum eine Fortsetzung erfahren haben. Der Standort des Kolleges wurde 1641 noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt. Erst vierunddreissig Jahre nach Abbruch der Bauarbeiten am Kollegbau wurden die Bauarbeiten im Amberg 1665 wieder aufgenommen.
Auf Seiten der Jesuiten war P. Cysat mit der Aufgabe der Baukoordination gemeinsam mit Oswald Kaiser betraut. P. Johann Baptist Cysat, Mathematiker am Ingolstädter Kolleg, wurde als Bausachverständiger von Ordensseite her benannt. Fr. Oswald Kaiser wurde als praxiserfahrener Bauschreiner als Assistent bestellt. Cysat wird vom 14. Februar 1630 bis zum 28. November 1631 als Architekt in den Verzeichnissen der Amberger Niederlassung geführt. Er hielt sich nach Angaben Schertls aber wohl bis Ende Oktober 1632 in Amberg auf. Kaiser weilte vom 8. Januar 1630 bis 1632 in Amberg. In seiner letzten Funktion war er als Einkäufer und Verteiler tätig490. Als Baumeister des Kollegbaues wurde der Italiener Magister Franciscus Garbanino, Bürger und Baumeister zu Passau, herangezogen491.
Über die Finanzierung und zur »Fundation« des geplanten Kolleges Amberg wurden im Rezess vom 23. Februar 1629 genauere Angaben gemacht. Unter Punkt 2 wurde beschlossen, dass eine bestimmte Summe festzusetzen sei für das Kolleg, das dann auch in einer bestimmten Zeit gebaut werden sollte. Betreffs der Finanzierung der Kollegbauten wurde unter Punkt 3 vereinbart: »3tio [...] Dahero die erlangung dises hoch Notwendigen Ziels vornehmlich ein Gymnasium litterarum, Collegium, Praeceptores oder Professores, und Seminarium oder Alumnatus pauperum Scholarum aufzurichten hochnotwendig; also ist abgredt und veranlasset worden, dass die halbe Tertia das Collegium und Seminarium samt dem Gymnasio in der Stadt Amberg als Metropoli, und zum vorhero gewesen Sede Studii et educationis der Jugend erbauet, fundiret und dotiret werden sollen«492.
Im Zuge der weiteren Konkretisierung des Kollegaufbaues wurde die Klärung von weiteren Ausführungspunkten notwendig, wofür für den 15. Mai 1630 ein zweiter Termin angesetzt wurde. Die Verhandlungen sollten über die Verfügung der »Pia Tertia« für die Finanzierung des Kollegbaues Genaueres bestimmen. Den Jesuiten wurde zu diesem Zweck das ehemalige Benediktinerkloster Reichenbach am Regen übergeben. Der zweite Rezess wurde von Maximilian am 5. November 1630 ratifiziert.
Die Finanzierung war, wie man glaubte, durch den zweiten Rezess geklärt worden. Erst später stellte sich die permanente Unterfinanzierung heraus, die durch zu optimistischen Ansatz der - auch infolge des Kriegseinflusses verminderten - Klostereinkünfte entstand. Die Gelder aus den Klostereinnahmen blieben aus: die auf 30000 Gulden berechneten jährlichen Einnahmen des »Geistlichen Drittels« betrugen in Wirklichkeit nicht mehr als 6000 Gulden. Zur Verbesserung der angespannten Finanzlage des Amberger Kolleges wurden den Jesuiten 1636 auch die Einkünfte des Benediktinerklosters Kastl übereignet493. Maximilian überliess den Jesuiten zudem den Steinhof in Amberg.
Bau des Kolleges (1665 bis 1669), erster Bauabschnitt: Der Kollegbau wurde im Jahr 1665 wieder aufgenommen. Planungen hierfür waren bereits 1663/64 erfolgt. Der betreffende Plan trägt den Titel »Ichnographia totius Collegii Ambergensis, de novo aedificandi, A[nn]o 1663«494. Die rückseitige Beschriftung gibt zu erkennen, dass es sich dabei um die »Idea Coll[egii] Ambergensis« handelt. Zu diesem Zeitpunkt wurde offensichtlich erneut die Gestaltung der Gesamtanlage des Kollegs diskutiert. Die Finanzierung des Neubaues war zu diesem Zeitpunkt wohl weitgehend geklärt. Das Genehmigungsverfahren für den Kollegneubau fand 1664 statt, wie der Zusatz »Germa[nia], 1664« vermuten lässt. Die Neuplanung baut, wie die spätere Ausführung zeigt, auf den grundsätzlichen Planungen aus den Jahren 1629/31 auf, dürfte aber den zwischenzeitlich stattgefundenen Veränderungen Rechnung tragen, was die veränderten grösseren Aufgaben und das entsprechend gewachsene Bauvolumen betrifft. Insbesondere wurde hier, abweichend von den älteren Plänen, die Einfügung eines Süd- und Verbindungsflügels des Kollegquadrums parallel zur Kirchennordseite geplant. Von welchem Architekten dieser Generalplan stammt, wird nicht angegeben.
Der Idealplan schuf die Voraussetzung für die nachfolgenden, umfangreichen Bauarbeiten für den Bau des Kollegtraktes. Die Bauarbeiten begannen 1665 mit der Aufrichtung des Kolleges. Dieser erste Bauabschnitt wurde bis 1669 grösstenteils vollendet. Am 9. Mai 1665 wurden vier Grundsteine gelegt unter Anwesenheit der staatlichen Repräsentanten, also des Viztums, Regierungskanzlers und Rentmeister, und des Kollegrektors P. Christoph Roschmann495. Bis Ende des Jahres 1666 wurde der erste Bauabschnitt unter Dach gebracht, ein weiterer Bau von 72 Schuh (= 22m) bis zur ersten Stockwerkshöhe aufgeführt. 1667 wurden die Aussenwände des Gebäudetraktes verputzt; die Ausführung des Innenausbaus erfolgte bis 1669496.
Kirche und Sakristei: Das Kirchengebäude wurde ab dem Jahr 1652 instandgesetzt und neu ausgestattet. Die Bauarbeiten für den Mitteltrakt des Kolleges (Länge 124 Schuh = 37m)497 begannen 1669 und wurden bis 1671/72 fertiggestellt498. Der Sakristeibau, der die Nordseite des Chores der Kirche mit dem Kollegbau verband, wurde ab 1672 (Fundamentierung) ausgeführt499. 1675 bis 1676 erfolgte der Ausbau der Kreuzkapelle am dritten Joch des nördlichen Nebenschiffes. Die Entwürfe für die Innengestaltung der Kirche und der Sakristei aus den Jahren 1686 ff. stammen von Fr. Johannes Hörmann.
Gymnasiumtrakt: 1671 wandte sich Rektor Markus Koch an die Rentkammer in Amberg mit der Bitte um Zuschüsse für den Neubau des Gymnasiums, da das alte zum Schulunterricht genutzte Gebäude baufällig sei500. Die Grundsteinlegung für den Gymnasiumbau erfolgte am 28. April 1672. Der Gebäudetrakt wurde im südlichen Anschluss an den bestehenden Mitteltrakt des Kolleges in einer Länge von 183 Schuh (= 55m) aufgeführt und nahm das Gymnasium und die Schuleinrichtungen auf. Bis zum 13. August 1672 wurden 2500 fl. verbaut, zum 19. November 1672 wurde »das erste gebölkh daryber gelögt«501. Am 25. November 1672 beantragte die Regierung in Amberg beim Kurfürsten die Genehmigung einer Bausteuer zur Restfinanzierung des Gebäudeausbaues. Der Gymnasiumbau wurde bis Herbst 1673 ausgeführt und unter Dach gebracht. Der Einbau des Kongregationssaales erfolgte 1676/77502.
Kollegbau 1684 bis 1689, zweiter Bauabschnitt: Die Errichtung des Nordflügels des Kollegbaues erfolgte ab 1684503. Dem Westflügel des Kollegbaues wurde 1689 ein drittes Obergeschoss aufgesetzt504. Die Bauarbeiten am Kolleg waren bis 1692 vollendet.
Als ausführender Baumeister des in den Jahren 1665 bis 1669 erbauten Kollegteiles wird Wolfgang Hirschstetter, Maurermeister in Neukirch genannt505. Georg Dientzenhofer leitete wohl als Baumeister 1684 bis 1689 die Erbauung des Nordtraktes506. Der Jesuitenfrater Johannes Hörmann war an hervorgehobener Position am Ausbau des Kolleges zwischen 1686 bis 1689 beteiligt, wie die Pläne in den »Delineationes variae«507 belegen. Weitere an der Bauorganisation beteiligte und ausführende Kräfte auf Seiten des Jesuitenordens sind nicht bekannt.
1. Baugeschichte des Kolleges Amberg
Für die im Zusammenhang dieses Themas bedeutsame Gründungszeit des Kolleges Amberg477 sind die Quellen - auch hinsichtlich der Baugeschichte - für den Zeitraum von 1621 bis 1632 gut ausgewertet. Die Darstellung der Baugeschichte und der Bauorganisation für den nachfolgenden Zeitraum bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, das heisst die Zeit der Errichtung des grossen zusammenhängenden jesuitischen Baukomplexes von Kolleg- und Gymnasiumtrakt, bleibt dagegen lückenhaft.