Die Geschichte des Kolleges Straubing

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Straubing
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Straubing

1631 erfolgte die Gründung der Jesuitenniederlassung in Straubing344.

Bereits 1557 hatte Herzog Albrecht versucht, für die Gründung eines Jesuitenkollegiums in Straubing (wie auch für München und Landshut) vormaligen Klosterbesitz mit Erlaubnis des Papstes heranzuziehen. 1559 wurde ein erster Antrag aus Straubing zur Gründung einer Jesuitenniederlassung an den Herzog gerichtet.

Erst unter Maximilian I. waren auch die politischen Voraussetzungen für eine Ordensansiedlung in Straubing gegeben. Am 29. Dezember 1629345 wandte sich der Bürgermeister und der Rat der Stadt erneut in dieser Angelegenheit an den Vertreter der kurfürstlichen Regierung in Straubing Viztum Baron von Preysing, der darüber nach München berichtete. Kurfürst Maximilian I. plante seinerseits in Straubing eine Kolleggründung. Die Ansiedlung in Straubing war demnach von Seiten der Landesregierung politisch erwünscht.

Zunächst wurde in Straubing nach vorhandenen finanziellen Mitteln für die Ordensniederlassung nachgefragt. Von Seiten der Regierung sind keine Angaben über beabsichtigte Leistungen und Finanzierungbeiträge bekannt. Die Bürgerschaft konnte keine grösseren finanziellen Aufwendungen für die Jesuitenniederlassung beisteuern. Laut der ersten Fundation vom 30. April 1631 sollten dem Orden von der Stadt zwei Gebäude zur Nutzung zugewiesen werden. Zudem sollte der Orden regelmässige Geldleistungen und 500 Gulden für die Einrichtung der Ordensunterkunft und die »Kapelle zu Unserer Lieben Frauen« erhalten. Die Stadt war jedoch nicht bereit, mehr als insgesamt 700 Gulden im Jahr zu zahlen. Die Bedingungen des ausgehandelten Vertragswerks wurde in der Folge vom Stadtmagistrat abgelehnt346. Zwei Stadträte aus Straubing verhandelten daraufhin in München über die Unterhaltsbedingungen der Jesuiten. Ordensseitig führte der Rektor des Kollegs Ingolstadt P. Glück im Namen des Provinzials P. Antonius Welser die Verhandlungen mit den Vertretern der Stadt Straubing. Die Verhandlungen wurden mit Unterstützung durch Viztum v. Preysing, den Kanzler Herwart und den Rentmeister v. Puchhausen zum Abschluss gebracht.

Im Jahr 1635 kam es zu erneuten Finanzierungsproblemen, als der Stadtrat die Zahlungen mit der Begründung einstellte, dass der 1631 geschlossene Vertrag nur auf privater Ebene zustandegekommen sei. Nach einem Aufenthalt des Provinzials in dieser Angelegenheit in Straubing 1636 konnte 1637 unter erneuter Anwesenheit von Provinzial W. Gravenegg und dem Rektor des Ingolstadter Kollegs P. Glück ein Vertrag geschlossen werden, der auch vom Kurfürsten bekräftigt wurde. Der weitere Ausbau der Niederlassung sollte durch anfallende Erbschaften und fromme Vermächtnisse erfolgen347.

Die ersten Jesuiten gelangten am 24. Oktober 1631 nach Straubing. Als Wohnung wurde den Jesuiten zunächst die alte Propstei zugewiesen, die mit Zustimmung des Kurfürsten und des Bischofs von Regensburg für 2500 Gulden erworben wurde. Der Hausrat stammte aus der kurz zuvor aufgelösten Jesuitenmission in Cham. Der Erwerb eines benachbarten Hauses mit öffentlichen Geldern diente der Einrichtung der Schule348. Die Aufnahme des Unterrichtes in vier Klassen erfolgte am 26. November 1631. Den Jesuiten wurde zum 22. Dezember 1631 vom Stadtrat ausserdem »die capellen unserer lieben frauen bei dem oberen thor« zugewiesen. 1644 erhielt die Niederlassung den Titel »Kolleg im Aufbau« und wurde der Verwaltung durch den Rektor des Regensburger Kollegs entzogen. Im Jahr 1646 erwarben die Jesuiten das neue Ordenshaus westlich der Liebfrauenkirche, den sog. Kastenhof (oder auch Khuen- oder Haslanghaus nach dem Namen der Vorbesitzer)349. Für den Erwerb des Gebäudes 1646 führten »Freunde« der Jesuiten Beitragssammlungen durch »für den vorhablichen Neubau« eines vollständigen Kollegiums. Der Umbau des Haslang-Hauses wurde 1647 begonnen und 1650 vollendet. Erst im Jahr 1666 erhielt das Haus »das Aussehen eines Kollegs« und wurde dazu mit Wandelgängen und Schwibbögen ausgestattet350.

Erst im Jahr 1650 erhielt die Jesuitenniederlassung Straubing den ordensrechtlichen Titel eines Kolleges. Die Konstituierung des Kollegiums Straubing beanspruchte somit einen Zeitraum von annähernd zwanzig Jahren. Der Vergleich der Gründung der Niederlassung Straubing mit den Kolleggründungen in Landshut und Burghausen zeigt, dass in Straubing die politische Durchsetzungsmöglichkeit des Landesherrn offenbar nicht in dem gleichen Mass vorhanden war wie bei den vorangehenden Kolleggründungen. Die Ursachen sind wohl in der zwischenzeitlich politisch, militärisch und finanziell geschwächten Machtposititon des Kurfürsten zu suchen. Möglicherweise besass die Kolleggründung in Straubing aber auch nicht dieselbe Priorität wie die vorangehend gegründeten Kollegien in Landshut, Burghausen oder in Amberg.