Geschichte des Kolleges Mindelheim

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Mindelheim
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Mindelheim

Die schwäbische Allodialherrschaft Mindelheim wurde am 21. September 1616 von Maximilian I. von Bayern erworben. Die rechtliche Inbesitznahme erfolgte am 2. August 1617. Die städtischen Freiheiten bestätigte Maximilian am 28. September 1619 nach vorangegangener Huldigung. Mit der Herrschaftsübernahme durch Maximilian lenkte ein politisch wie finanziell handlungsfähiger Fürst die politischen Geschicke der Stadt.

Die Jesuiten bezogen am 3. Juli 1618 ihre Niederlassung im ehemaligen Augustinerkloster. Bereits 1586/89 hatte Fürst Fugger beim Bischof von Augsburg um die Ansiedelung von Jesuiten in Mindelheim nachgefragt. Missionen der Jesuiten in Mindelheim erfolgten u.a. 1598 und 1611, wohl von Landsberg her. Ab 1612 begannen erneute und letztendlich erfolgreiche Bemühungen um die Ansiedelung der Jesuiten in Mindelheim. 1618 wurde der bayerisch-mindelheimische Hofkastener Laurentius Hailand mit der Überbringung der Archivalien des ehemaligen Mindelheimer Augustinerklosters von Augsburg nach München beauftragt. Der Vorgang belegt, dass von Maximilian I. die Ansiedelung der Jesuiten in Mindelheim unmittelbar nach der Machtübernahme durch den bayerischen Herzog geprüft wurde und dafür das Augustinerkloster als Niederlassungsort in Erwägung gezogen wurde. Am 30. Juni 1618 verfügte Maximilian die Schenkung des Augustinerklosters und die Übergabe des Klosters mit allen Gütern, Einkünften und Rechten an die Jesuiten zur Errichtung eines Kollegs318. Die Übergabe an den Rektor des Münchener Kollegs P. J. Keller und seinen Begleiter Jeremias Drexel319 in Mindelheim erfolgte am 3. Juli 1618 unter Anwesenheit der Vertreter des Fürsten. Die Ansiedelung der Jesuiten liess sich politisch ohne erkennbaren Widerstand und ohne Behinderung durch die städtische Bevölkerung durchsetzen. 1618 bis 1622 führte die Mindelheimer Jesuitenniederlassung den Titel einer Residenz und wurde als Missionsstation vom Münchener Kolleg unterstützt, das für die Ausstattung der Ordensniederlassung zuständig war. 1622 erfolgte die Erhebung der Niederlassung Mindelheim zum Kolleg.

Zwischen der Übernahme der alten Klosteranlage und der Erhebung zum Kolleg im Jahr 1622 vergingen demnach vier Jahre. Diese Phase ist als die Gründungsphase des Kolleges zu bezeichnen. Von Regierungsseite ist in diesen Anfangsjahren eine gewisse Unentschlossenheit festzustellen, wie mit der neuen Niederlassung hinsichtlich der Grössenordnung und des Kollegausbaues weiter verfahren werden sollte. Der Bauzustand der Altbauten erforderte einschneidende Baumassnahmen: die vorhandenen Klostergebäude mussten für eine Zwischennutzung zunächst instandgesetzt werden. Geichzeitig sollte die Anlage zur Ausübung der zukünftigen Aufgaben grundlegend umgebaut werden, bzw. durch Neubauten erweitert werden. Für die Kolleggründung Mindelheim gab es zu Anfang keine eindeutigen Anhaltspunkte hinsichtlich der Aufgabengebiete und Schülerzahlen. Jedoch war die polit-strategische Lage in direkter Nähe zu den protestantischen Reichsstädten Kaufbeuren und Memmingen von Bedeutung. Als Einzugsgebiete traten die umliegenden schwäbischen Gebiete hinzu. Eine gewisse Unentschlossenheit zeigt sich in der Folge auch bei der Planung, dem Ausbau und der Finanzierung der Sustenierung der Kolleggründung Mindelheim.

Der Aufbau des Mindelheimer Kolleges wurde von Maximilian I. durch den bayerischen Herrschafts- und Stadtpfleger Sebastian Saurzapf von Holnstein zu Utzwingen (Pfleger seit 8. Dezember 1617) beaufsichtigt. Am Ausbau des künftigen Kollegs war der Augsburger Fürstbischof Heinrich von Knörringen als Diözesanherr massgeblich beteiligt. Die Übertragung des Predigtamtes der Pfarrkirche an die Jesuiten erfolgte am 27. November 1619. Bei der Visitation am 12. August 1621 durch den Provinzial wurde die Einrichtung einer Schule zugesagt, die im Herbst (18. Oktober) 1621 eröffnet wurde. Während dieser Visitation vom 12. August 1621 bestimmte der Provinzial, dass nach dem Tod des eingesetzten Propstes kein neuer Propst mehr aufgestellt werden solle320.

Erst nach der Erhebung der Niederlassung Mindelheim zum Kolleg 1622 begannen im Mai 1623 die Bauvorbereitungen für den Umbau des Kirchenbaues und des Altbaues.

Dem Kolleg Mindelheim waren zeitweilig die Residenzen in Kaufbeuren und Memmingen angegliedert.