Geschichte des Kolleges Landshut

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Landshut
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Landshut

Landshut, neben München die zweitgrösste Stadt im Land, war bis 1506 Hauptstadt von Bayern-Landshut. Landshut war seitdem Mittelpunkt des gleichnamigen Rentamtsbezirkes. Die Stadt war wirtschaflich prosperierend und verfügte über eine grössere Bevölkerungszahl.

Das Bemühen um die Ansiedelung von Jesuiten in Landshut reichte auf das Jahr 1557 zurück337. Herzog Albrecht V. selbst bemühte sich zu dieser Zeit bei der Kirchenleitung in Rom, in dem Wissen »dass die patres von der Societet mit iren fleis grossen Nutz in unserem lande schaffen« um die Umwandlung einzelner in München, Landshut und Straubing gelegener Klöster in Jesuitenkollegien. In München konnte im Jahr 1559 im vormaligen Augustinerkloster eine Niederlassung eröffnet werden. Die Gründungen in Landshut und in Straubing wurden jedoch erst unter Kurfürst Maximilian verwirklicht.

Am 13. Juni 1566 empfahl der Landshuter Magister Georg Gastel dem Rat und Kanzler des Herzogs erneut die Jesuiten für die Leitung der städtischen Schule338. Im Jahr 1571, dann wohl 1604 und 1617, fanden Jesuitenmissionen in Landshut statt. Einen Fortschritt zur Ansiedelung des Ordens in Landshut bedeutete 1621 die Stiftung eines Kapitals von 56000 Gulden339 durch die Gräfin von Haunsberg, unter der Bedingung, dass mit dem Kapital in Bayern ein Jesuitenkolleg gegründet werden solle, dessen Sitz das Münchner Kolleg und Maximilian I. zu bestimmen hätten. 1628 behauptete der Landshuter Stiftsdekan Riedel, dass von der Stifterin die Stadt Landshut als dieser Standort ins Auge gefasst worden sei.

Die folgende, diesmal erfolgreiche Gründungsinitiative für das Kolleg Landshut erfolgte 1628 unter Maximilian I. Der Antrag ging formal von den Landshuter Geistlichen Stiftsprobst Imhof und Stiftsdekan Riedel aus. Riedel hatte bereits 1621 die Gräfin v. Haunsberg zur Schenkung des Stiftungskapitals bewogen. Am 13. August 1628 verfasste letzterer eine Bittschrift an Maximilian mit »stichhaltigen« Argumenten für eine Kolleggründung in Landshut: die Ansiedelung sei der Wunsch der Stifterin und der Landshuter Bürger nach angemessener Ausbildung der Jugend der Stadt und des Umlandes. Ein Bauplatz würde sich leicht finden lassen340. Aus dem Inhalt der Bittschrift wird ersichtlich, dass die Initiative zur Kolleggründung gut vorbereitet war.

Auf das Bittschreiben Riedels hin veranlasste Maximilian I. konkrete Massnahmen zur Ansiedelung der Jesuiten in Landshut. Die ersten Jesuiten bezogen im Juli 1629 ihre Unterkunft in Landshut. Am 28. Juni 1629 wurde der erste Gottesdienst in der dem Orden übergangsweise zugewiesenen Salvatorkirche gehalten. Die nachfolgenden Gründungsvorgänge vermitteln das Bild einer gezielten und gut organisierten Kolleggründung, der ein konkreter Gründungs- und Vorgehensplan zugrundelag (vgl. dazu auch die Vorgänge in Burghausen)341. Der Kollegauf- und Ausbau in Landshut konnte zwischen 1629 bis zur Kriegseinwirkung 1632 zügig durchgeführt werden (vgl. dagegen Mindelheim, wo nach der ersten Ansiedlung jahrelang über das weitere Vorgehen diskutiert wurde).

Hofkammerpräsident Oswaldt Schuss erkundigte sich im Winter 1628/29 im Auftrag Maximilians nach geeigneten Häusern für die Ordensniederlassung und regelte die Finanzierung des Grund- und Hauserwerbes für den geplanten Kollegbau342. Vermutlich waren zu diesem Zeitpunkt Grundstücksverhandlungen im Gange und ein Häuserkauf bereits vorbereitet worden. Auf Ordensseite waren drei Jesuiten zum Ortstermin und zur Bestätigung des Hauserwerbs anwesend343. Am 2. Juli bzw. 17. Juli 1629 bezogen die Jesuiten die beiden Hörmannhäuser. Ein erstes Schulgebäude wurde zum 20. Oktober 1629 eingerichtet. Das Stift St. Martin stellte im Oktober 1630 dem Orden ein weiteres Haus als Schulgebäude zur Verfügung.

Ab Mitte 1630 wurde der Kollegbau in die Wege geleitet. Die Grundsteinlegung für die Kollegkirche, die eine der Bedeutung der Niederlassung angemessene Grösse erhielt, erfolgte am 31. Juli 1631 unter Anwesenheit des Bischofs, des Viztums, des Stiftsprobsts und des Bürgermeisters.